Neue Sonderausstellung im Naturkundemuseum in Gera

Echte Embryonen und schamhafte Schaubilder: Eine neue Sonderausstellung im Naturkundemuseum widmet sich biologischen Lehrmitteln der vergangenen 100 Jahre.

Im Museum für Naturkunde in Gera ist eine neue Sonderausstellung eröffnet worden, die sich mit biologischen Lehrmitteln der vergangenen 100 Jahre beschäftigt. Foto: Marcel Hilbert

Im Museum für Naturkunde in Gera ist eine neue Sonderausstellung eröffnet worden, die sich mit biologischen Lehrmitteln der vergangenen 100 Jahre beschäftigt. Foto: Marcel Hilbert

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Gera. Zunächst gab es eine Entwarnung für die Neuntklässler des Geraer Goethegymnasiums. "Das hier wird kein Biologieunterricht", sagte Dr. Michael Markert. Einfach, weil er kein Biolehrer, sondern Wissenschaftshistoriker sei. Dem Biologiedidaktiker der Friedrich-Schiller-Universität Jena geht es bei der gestern eröffneten Sonderausstellung im Naturkundemuseum Gera weniger um Inhalte, als vielmehr um das Medium, mit dem die Inhalte im Unterricht – speziell in der Biologie – vermittelt werden.

"Biologieunterricht – Modelle, Präparate, Wandtafeln" heißt die Schau, die sich den Lehrmitteln der vergangenen 100 Jahre widmet. Rund 120 Exponate, von Skeletten über Pflanzenmodelle und Schautafeln zur Vogelbestimmung bis hin zu echten Embryonen, sind in den zwei Räumen im Erdgeschoss des Museums zu sehen.

Von dem Präparat des Embryos und dem des Kaninchens war Schülerin Christina Weiß am meisten beeindruckt, wie sie sagt. Für sie ist es interessant zu sehen, wie ein Embryo in einem Glasgefäß haltbar gemacht, als Ausstellungsstück verwendet wird. "Wie sind die denn zu sowas gekommen?", will eine Mitschülerin wissen. "Gute Frage", holt Markert aus, "das waren wohl Tot- oder Kaiserschnittgeburten, teilweise sicher auch irgendwo aus dem Ausland organisiert." Sowas werde heute nicht mehr verkauft, sei für den Schulbedarf praktisch unmöglich zu beschaffen. Die Präparate und rund 30 weitere Stücke stammen von Markerts Arbeitsgruppe für Biologiedidaktik. Weitere Ausstellungsstücke stammen aus dem Fundus des Naturkundemuseums, eine alte Schulbank, eine Tafel und weitere atmosphärische Details aus dem Schulmuseum Gera.

Während die plastischen Modelle sicher die Blickfänger der Sonderausstellung sind, gibt es auch bei den Schautafeln Spannendes zu entdecken. So deutet Markert auf das Bildnis eines Menschen in Lebensgröße, auf dem das Blutgefäßsystem zu sehen ist. "Wie man sieht, ist der Schritt ausgespart", sagt er, "obwohl es da auch Blutgefäße gibt." In den 1910-er und 20-er Jahren, so erklärt er, sei es undenkbar gewesen, Geschlechtsteile im Unterricht zu zeigen. "Solche Tafeln gab es dann in verschiedenen Ausführungen", sagt Markert.

Auch heute noch würden einige solcher Modelle und Karten im Unterricht verwendet, wie Biolehrerin Katrin Sachse erklärt. "Wir haben zwar interaktive Tafeln und die Schüler lernen mit dem Internet, aber solche Modelle sind schon anschaulicher." Teilweise würden die auch schon ein recht museales Alter aufweisen, was zum einen an guter Pflege, zum anderen aber auch am Budget liege, wie Sachse grinsend erklärt.

Zu ihrem eigenen Biologieunterricht an der Schule äußerten sich die Schüler positiv. Phillip Hellwig sagte: "Der Biologieunterricht in der Schule gefällt mir und es ist schwer zu sagen, was man daran noch verändern kann." Auch die Austellung gefiel ihm. Lukas Kleinwächter und Gina Penninger mögen den Unterricht so, wie ihn ihre Lehrerin gestaltet. Die beiden sind auch der Meinung, dass an dem Unterricht nichts verändert werden muss.

Die Ausstellung ist noch bis 15. September dienstags bis sonntags, 11 bis 18 Uhr, im Naturkundemuseum zu sehen.

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