30 Jahre Friedliche Revolution

Neuer Ehrenbürger von Gera geht mit Licht der Freiheit voran

Gera.  Es war einer der Höhepunkte der Feierlichkeiten zu 30 Jahren Friedlicher Revolution in Gera: Roland Reipel erhält die Ehrenbürgerwürde Geras.

Pfarrer Stefan Körner (rechts), der mit Pfarrer Bertram Wolf die Andacht hielt,  entzündet das Freiheitslicht von Geras neuem Ehrenbürger Roland Geipel.

Pfarrer Stefan Körner (rechts), der mit Pfarrer Bertram Wolf die Andacht hielt, entzündet das Freiheitslicht von Geras neuem Ehrenbürger Roland Geipel.

Foto: Peter Michaelis

Er durfte das symbolische „Licht der Freiheit“ als erster entgegennehmen. So wie der neue Geraer Ehrenbürger Roland Geipel einst einer derer war, die diese Flamme entfachten, vor Gegenwind schützten und weitergaben, so bahnte sich der Kerzenschein am Freitag seinen Weg durch die gut besetzten Reihen der Johanniskirche. Am Anfang stand das Friedensgebet und so auch an diesem Nachmittag, zum Auftakt der Geraer Feierlichkeiten zu 30 Jahren Friedlicher Revolution.

Von der dortigen Andacht setzten sich die rund 250 Gäste im Schein ihrer 250 Kerzen und sicher auch in Erinnerungen an den Wendeherbst 1989 schwelgend, in Bewegung Richtung Rathaus. Dort wartet der Festakt mit dem feierlichen Höhepunkt, der Verleihung der Ehrenbürgerwürde für den Oberpfarrer im Ruhestand. Roland Geipel führte den „Gang der Geschichte“ an, flankiert vom damaligen Oberbürgermeister Horst Jäger und dem der Stadt Gera 30 Jahre später, Julian Vonarb.

„Aufgeregt und voller Dankbarkeit“ war der Bundesverdienstkreuzträger schon vor der Andacht, vor dem Festakt und der Ehrung. „Den ganzen Tag schon“, verrät Ehefrau Susanne, mit der er nun 50 seiner 80 Lebensjahre verheiratet ist. Womöglich half ihm die Vorfreude, diesen besonderen Tag im Beisein seiner Familie, alter Freunde und Weggefährten, ja selbst seines ehemaligen Kommilitonen und heutigen Theaterregisseurs Uwe Mengel, der aus New York anreiste, die Erkältung zu überstehen, die ihn laut seiner Frau vor ein paar Tagen nach einem Treffen mit ehemaligen Junge-Gemeinde-Mitgliedern ereilte.

„Der Roland hat’s verdient“, meinte Besucher Joachim Böhm aus Gera auf dem Weg zum Rathaus. „Natürlich werden Erinnerungen an damals wach, ich war von Anfang an bei den Friedensgebeten mit dabei“, erzählt er. Ihm, Geipel und alle denen, die vor 30 Jahren mit dabei waren, den Mut und die Zivilcourage hatten voranzugehen und zu einer Bewegung wurden, die eine Mauer einriss, gebühre der Dank und die Festveranstaltung, sagte OB Vonarb. Und er dankte jenen, die sich bemühen, dass all dies auch bei der Generation, die es nicht selbst miterlebte, nicht in Vergessenheit gerät, sagte er auch in Richtung des Kulturbundes Gera. Der widmet sich, gefördert durch die Bundesstiftung Aufarbeitung, mit zahlreichen Partnern und Zeitzeugen aus Gera in einem Großprojekt den Geschehnissen vor 30 Jahren. In dem entstand auch der Zeitzeugen-Film gemeinsam mit Geraer Siebtklässlern, der im Rathaussaal gezeigt wurde und in dem auch der neue Ehrenbürger seinen Platz fand.

Das Projekt und der Film zeigen, dass diese Geschichte in die Schulen will, sagte Roland Geipel schließlich, in dem Moment, auf den alle warteten. Oberbürgermeister Vonarb hatte ihm die Ehrenbürgerurkunde verliehen. Dem gebürtigen Werdauer, der 1957 die DDR zunächst verließ und 12 Jahre später – und unter argwöhnischer Beobachtung der Staatsmacht – der Liebe wegen zurückkehrte, um als Pfarrer in Gera schließlich zu einem Motor und Moderator einer gewaltfreien Wendebewegung in der Stadt zu werden, war die Rührung anzumerken. Der gesamte Rathaussaal erhob sich unter Beifall. Roland Geipel nahm Bezug auf den Festredner der Veranstaltung, Michael Beleites. Er nahm dessen Gedanken, dass eine Friedliche Revolution nur möglich war durch Gespräche miteinander und nicht übereinander, nur durch respektvollen Austausch auch bei unterschiedlichen politischen Überzeugungen, und formte daraus einen Appell für Gegenwart und Zukunft und ein Versprechen zugleich. Solange er kann, wolle und werde er sich für das friedliche Miteinander in der Stadt einsetzen.

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