Neues Buch ermöglicht anderen Blick auf Gera

Gera.  22-Jähriger veröffentlicht Stadtführer über Gera. Darin beschreibt er die Wohnsituation um 1900. Sie hat das heutige Stadtbild geprägt.

Der 22-jährige Ferdinand Kämpfer hat ein Buch über die Stadt Gera in der Industrialisierung geschrieben.

Der 22-jährige Ferdinand Kämpfer hat ein Buch über die Stadt Gera in der Industrialisierung geschrieben.

Foto: Marvin Reinhart

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Die Otto-Dix-Stadt lässt sich auf vielerlei Weisen entdecken. Als Kulturstadt, als eines der Oberzentren des Freistaats, als Hochschulstadt, aber auch als Sorgenkind – nahm Geras Bevölkerungsanzahl in den letzten 25 Jahren doch um rund ein Viertel ab – oder gar als „Pleitestadt“, wie der Spiegel in einem Artikel vor zwei Jahren plakativ formulierte.

Als Gera 2009 den Titel Großstadt verlor, war Ferdinand Kämpfer 12 Jahre alt. Er besuchte das Rutheneum in der Otto-Dix-Stadt. „Ich bin zwar in Jena geboren, habe aber meine ganze Jugend in Gera verbracht“, sagt er. Heute studiert er in Potsdam Geschichte, Politik und Gesellschaft. Dennoch hat er seine Heimatstadt nicht aus den Augen verloren, oder abgeschrieben. Ganz im Gegenteil. Ferdinand Kämpfer entwickelte seinen eigenen Zugang zu Gera. Seine eigene Perspektive. Über den Sommer schrieb der 22-Jährige ein Buch. Einen theoretischen Stadtführer, wie er sagt.

Darin geht es um die Wohngeschichte. Genauer gesagt, um die Wohngeschichte um 1900. „Was viele nicht wissen, Gera war eine sehr wichtige Stadt in der Industrialisierung“, sagt er. Viele Indizien dafür können heute noch gefunden und besichtigt werden. So wie die Gründerzeitvillen. „In der Industrialisierung hat man die Stadt anders gedacht“, so Ferdinand Kämpfer. Gera hat sich damals verändert.

Über 100 Gründerzeitvillen in Gera

Jüngst war der Geschichte-Student zu Besuch in unserer Redaktion. Adrett gekleidet, flottes Auftreten. Mit im Gepäck hatte er sein Buch „Die industrialisierte Stadt – Gera um 1900“, erschienen im Oktober bei Twentysix. „Für Arbeiter wurden damals Häuser schnell hochgezogen. Wegen wenig Platz hat man in die Höhe gebaut“, erläutert Ferdinand Kämpfer. Im Gegensatz dazu, und räumlich abgetrennt, entstanden Villen. „Die meisten Villen sind in Gera noch erhalten. Rund 60 sind denkmalgeschützt. Ich schätze aber, in Gera gibt es über 100 Gründerzeitvillen“, sagt er. Einige davon seien bewohnt, andere stehen leer, in wieder anderen seien Anwaltskanzleien eingezogen, sagt er.

„Das ist mein Beitrag zur Kulturstadt“, sagt der 22-Jährige. Entstanden ist das Buch aus einer Hausarbeit an der Universität. Dennoch sei es keine wissenschaftliche Abhandlung. „Ich möchte, dass die Menschen bewusst durch die Stadt gehen“, sagt Ferdinand Kämpfer. Das Buch ist bebildert mit aktuellen Fotos und sei interessant für jeden, der mit Gera zu tun habe.

Trotz seines Studiums in Potsdam ist Ferdinand Kämpfer häufig zu Hause. „Ich biete hier Stadtführungen an“, sagt er. Zudem halte er Vorträge. In der Kulturpraxis Gries 9 oder in Wohngenossenschaften. In denen beleuchte er zum Beispiel die Entwicklung der Stadt Gera zu einem Industriezentrum in der Gründerzeit. Der Titel: „Als Gera noch reich war“.

Indes hat Ferdinand Kämpfer schon ein neues Buch-Projekt. „Wie funktioniert die moderne Stadt Gera“, verrät der 22-Jährige. „Es geht um Stadtstruktur im aktuellen Sinne. Mobilität, Anbindung, Verkehrswesen…“, erläutert er.

Positive Resonanz habe es schon gegeben, von der Familie und vom Stadtarchiv.

Ferdinand Kämpfer stellt am 27. Dezember, 19 Uhr, sein Buch vor. Im Kabarett Fettnäppchen, Rathauskeller, Eintritt: 5 Euro.

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