Odyssee nach Corona-Verdacht für zwei Geraer

Gera.  Zwei Geraer mit Symptomen wollten sich an einem Wochenende auf das Virus testen lassen und erlebten böse Überraschungen.

Symbolfoto: Ein Sanitäter nimmt einen Abstrich für einen Coronatest.

Symbolfoto: Ein Sanitäter nimmt einen Abstrich für einen Coronatest.

Foto: Peter Michaelis

Tina Guntau kann immer noch nicht fassen, welche Odyssee sie an einem Wochenende erlebte, als sie und ihr Partner sich aufgrund von Atemwegsproblemen um einen Coronatest bemühten. Beide arbeiten als Pflegefachkräfte in einer Einrichtung in der Region. Aufgrund von Vorerkrankungen gehören sie zudem zur Risikogruppe. Alle neuen Corona-Entwicklungen für Thüringen im Liveblog.

Es fing an einem Freitagnachmittag mit Erkältungssymptomen an, erzählt die Geraerin. „Ich hatte Halskratzen, mein Mann Husten, atmete schwerer und bekam schlecht Luft. Das kannten wir bisher nicht bei Erkältungen“, schildert sie. Daraufhin entschloss sich Tina Guntau, die 116117 anzurufen. „Ich dachte, sicher ist sicher, zumal im Risikogebiet Gera und mein Mann am Sonntag in die Nachtschicht musste.“

Mit Erkältungssymptomen an einem Freitagnachmittag fing es an

Eine unfreundliche Dame habe ihr mitgeteilt, einen Coronatest könne man jetzt nicht machen. Sie könnte höchstens den kassenärztlichen Notdienst vorbei schicken. „Da dachte ich, ich höre nicht richtig. Wo soll ich denn sonst anrufen? Für die Rettung war es nicht schlimm genug“, so Tina Guntau. „Unverständlich ist für uns war vor allem, dass keiner uns sagen konnte, wie es weitergeht.“ Schließlich sagte man dem Paar ein mobiles Team für einen Corona-Abstrich zu. „Ich dachte, da kommt gleich ein Team in Vollschutz. Es wurde 18 Uhr, 19 Uhr und 20 Uhr.“

Die Geraerin telefonierte erneut, landete in der Warteschleife. „Kurz nach 21 Uhr klingelte es dann an unserer Tür. Zwei sehr nette Rettungssanitäter mit Mundschutz kamen und hatten die Information über leichtes Fieber und Erkältungssymptome. Als wir sagten, dass wir dringend einen Coronatest benötigen, fielen sie aus allen Wolken“, beschreibt die 28-Jährige. „Wir wurden untersucht und uns wurde empfohlen, bei einer Verschlechterung der Symptome ins Klinikum zu fahren. Dort, am Coronaeingang, bekämen wir sofort einen Test. Alternativ könnte entweder morgen früh, übermorgen früh oder Montag früh das mobile Abstrichteam vorbei kommen und die Auswertung dauert dann maximal zwei Tage. Da dachte ich, das kann alles nicht wahr sein.“

Schon lange kein Corona-Eingang mehr am SRH-Waldklinikum

Die Krankheitssymptome blieben, so dass Tina Guntau am Samstag um 8 Uhr Klarheit wollte. „An der Notaufnahme des Klinikums erfuhren wir, dass es den Coronaeingang schon lange nicht mehr gibt. Als Pflegepersonal, Kollegen sozusagen, sollten wir zumindest warten. Uns wurde gesagt, dass die Abrechnung des Tests das Problem sei. Schließlich wurde mein Partner stationär aufgenommen und in Verbindung mit anderen Untersuchungen auf Corona getestet. Ich sollte stattdessen zum Bereitschaftsarzt in die Toller-Straße gehen“, ist Tina Guntau immer noch empört. „Ständig testen wir unsere Patienten. Draußen, privat – ist es jedoch so umständlich, einen Test zu bekommen. Unverständlich!“

"Gerade, wenn es einem schlecht geht, wird man von A nach B geschickt und nichts passiert"

Tina Guntau ließ sich schließlich Montagfrüh von ihrem Arbeitgeber testen. Die Tests waren negativ. „Zum Glück. Aber gerade, wenn es einem schlecht geht, wird man von A nach B geschickt und nichts passiert. Wir finden, das Krisenmanagement hat hier gänzlich versagt. Behörden und die ausführenden Stellen werden zu wenig informiert und wissen oft selber nicht, was genau zu tun ist“, sagt die Geraerin. Im Übrigen: Das fliegende Abstrichteam ist bei Tina Guntau bis heute nicht erschienen.

Tests über das Gesundheitsamt

Unsere Redaktion fragte bei der Stadtverwaltung Gera bezüglich Testmodalitäten nach. Das Dezernat Soziales verwies darauf, dass sich Geraer mit entsprechenden Krankheitssymptomen zwecks Corona-Test außerhalb der Öffnungszeiten von ihren Hausärzten grundsätzlich an die 116117 wenden sollen. „Wenn ein Corona-Fall in einer Pflegeeinrichtung auftritt, werden direkt nach Bekanntwerden Testungen durch das mobile Testteam organisiert“, informiert die Stadt. Die Anzahl der Tests variiere von Tag zu Tag.

Das fliegende Team des Gesundheitsamtes habe beispielsweise am Dienstag voriger Woche 51 Personen und am Montag zuvor 39 Personen getestet. Über die Anzahl der Tests der Kassenärztlichen Vereinigung und der Arztpraxen konnte die Stadt keine Auskunft geben. Vom Gesundheitsamt werden die PCR-Tests angewendet. Das mobile Team nimmt ebenfalls Abstriche für das Laborverfahren PCR-Test. Aktuell würde es ein bis drei Tage dauern, bis ein Testergebnis vorliegt. Unverzüglich nach Bekanntwerden des Ergebnisses werde der Betroffene benachrichtigt, so die Stadt.

Die Antworten der Kassenärztlichen Vereinigung Thüringen auf die Anfragen der Redaktion stehen noch aus.

Hintergrundinfos

Testungen und Mobiles Testteam

Laut Stadtverwaltung testet das mobile Testteam wöchentlich zurzeit etwa 250 Personen. Das Team ist schnell vor Ort bei Personen, die dem Gesundheitsamt als Kontaktperson bekannt geworden sind. Es testet im Auftrag des Gesundheitsamtes auch Personen in Gemeinschaftseinrichtungen wie in Schulen oder Pflegeeinrichtungen. Es gibt in Gera zurzeit drei Möglichkeiten, getestet zu werden und die jeweilige Teststelle gibt auch Auskunft zu den Ergebnissen.

Teststelle 1: Mobiles Testteam der Stadtverwaltung Gera

  • Für: Test, die ausschließlich vom Gesundheitsamt Gera ausgelöst werden zum schnellen Testen von Kontaktpersonen und Tests in Gemeinschaftseinrichtungen (z. B. Schulen)
  • Wo: Kommt an die Haustür, zu den Personen vor Ort
  • Terminvereinbarung: wird besprochen bei Erstkontakt durch Gesundheitsamt
  • Zeitdauer zwischen Test bis Information: bis zu 3 Tage
  • Testergebnisse werden bekannt gegeben: direkt vom Gesundheitsamt Gera an Getestete telefonisch, schriftlich
  • Bei Fragen: Bei unbedingt notwendigen Rückfragen zu Testergebnissen die Telefonnummer wählen, die auf dem Test-Infoschreiben steht, das beim Testen an die Testpersonen übergeben wurde. (Notwendige Rückfrage z. B. wenn noch kein Ergebnis bekannt ist und die Quarantäne ausläuft.)

Teststelle 2: Abstrichstelle der Kassenärztlichen Vereinigung (KV Thüringen):

  • Für: Tests bei begründeter Testnotwendigkeit, z. B.: Reiserückkehrer, Personen mit Symptomen; jederzeit Lehrer, Erzieher von Schulen und Kindereinrichtungen, Personen, die für eine ambulante Operation oder Aufnahme in einer Rehabilitätseinrichtung einen Negativtest brauchen; Selbstzahler
  • Wo: Ärztehaus Bieblach, Johannes-R.-Becher-Straße 1
  • Terminvereinbarung: Bürger rufen an unter 116117, geöffnet ist die Stelle Mo/Mi/Fr 18:00 – 20:00 Uhr; Sa: 10:00 – 12:00 Uhr, (Stand: 23.10.2020)
  • Zeitdauer zwischen Test bis Information: bis zu 3 Tage
  • Testergebnisse werden bekannt gegeben: telefonisch oder per E-Mail über die Kassenärztliche Vereinigung; schon beim Terminvereinbaren werden Personen nach Telefon-Nummer und E-Mail-Adresse erfragt für Ergebnisübermittlung;
  • Bei Fragen: falls nicht nach 3 Tagen Testergebnis bekannt, bitte E-Mail an: Corona-befund@kvt.de mit Angabe von Name, Geburtsdatum, Testdatum und Ort Test/Abstrich-stelle; Getestete erhalten Antwort per Mail; ein Telefonkontakt ist nicht eingerichtet

Teststelle 3: Arztpraxen

  • Für: Bürger mit Symptomen, Patienten
  • Wo: Niedergelassene Ärzte, Hausärzte
  • Terminvereinbarung: mit den Arztpraxen direkt
  • Zeitdauer zwischen Test bis Information: bitte direkt bei den Ärzten erfragen
  • Testergebnisse werden bekannt gegeben: direkt durch die Arztpraxen
  • Bei Fragen: direkt die Praxen und Kliniken ansprechen