Omnibusse ersetzen in 1970er Jahren Straßenbahn nach Gera-Zwötzen

Gera.  Rückblick auf die Geschichte eines Geraer Verkehrsmittels von den 1960er Jahren bis heute (Teil 2/Schluss).

Richtung Frankenthal fährt Ende der 1970er Jahre  der Bus 402 vom Typ Ikarus 556 seine Haltestelle in der Straße der Republik an. Das Interhotel links empfängt bereits die Gäste und die Altbauten im Hintergrund werden demnächst dem Neubau des Haus der Kultur weichen.

Richtung Frankenthal fährt Ende der 1970er Jahre der Bus 402 vom Typ Ikarus 556 seine Haltestelle in der Straße der Republik an. Das Interhotel links empfängt bereits die Gäste und die Altbauten im Hintergrund werden demnächst dem Neubau des Haus der Kultur weichen.

Foto: Volker Vondran

Mit einer Verlegung der Buslinie Töppeln-Frankenthal im Jahr 1964 wurde auch der Vorort Niederndorf an das städtische Busnetz angeschlossen. Im gleichen Jahr wurde auch die Schnelllinie Langenberg – Tinz – Debschwitz eingerichtet. Die Ansiedlung weiterer Industriebetriebe im Stadtteil Debschwitz und weiterer Wohnungsneubau in Langenberg machten diese schnelle Verbindung erforderlich.

Am 19. Juni 1964 erfolgte die Umstellung der Omnibus-Linie zum Bergarbeiterkrankenhaus auf O-Busbetrieb. Im gleichen Jahr wurde ein Kleinbus mit 17 Sitzplätzen vom Typ „IFA Robur“ beschafft, allerdings wegen geringen Einsatzmöglichkeiten bereits im Jahr 1969 wieder verkauft. Ein Jahr später wurde der gesamte Nachtverkehr vom Stadtzentrum über Leumnitz – Tinz nach Langenberg eingeführt.

Die drei Geraer Verkehrsmittel erhielten im Jahr 1967„eigene“ Farbtöne. Die Straßenbahnwagen wurden orange lackiert, die O-Busse hellblau und die Omnibusse rotbraun. Da aber bei den Herstellern der Neufahrzeuge diese Farbwünsche nicht durchsetzbar waren, fuhren die Omnibusse oft viele Jahre in den Farben der Anlieferung.

Nachdem der Straßenbahnbetrieb auf dem Abschnitt Untermhaus – Straße der Republik im Juni 1968 eingestellt wurde, wurde auch hier auf Busbetrieb umgestellt. Im Jahr 1969 zogen alle Einrichtungen des Omnibusbetriebes aus dem damaligen Depot in der J.-Fucik-Straße (heute De-Smit-Straße) zum Bahnhof Pforten. Diese Anlagen wurden bekanntlich bei dem Unwetter vom 3. Mai 1969 stark zerstört und der Betrieb der Schmalspurbahn daraufhin eingestellt. Diese Verlagerung der Werkstätten und weiterer Einrichtungen war zeitlich gerade günstig, da sich mit den neu gelieferten ersten fünf Ikarus-Gelenkbussen vom Typ IKARUS 180 große Probleme beim Befahren der beengten Anlagen in der Julius-Fucik-Straße ergeben hatten. Am 8. November 1970 wurde ab 20 Uhr die Straßenbahnlinie über Wintergarten nach Zwötzen auf Busbetrieb umgestellt. Im gleichen Jahr tauchte der IKARUS 556 als weiterer neuer Typ für den Stadtverkehr in Gera auf.

1971 wird die Straßenbahnstrecke nach Zwötzen eingestellt

Am 14. November 1971 wurde der Straßenbahnbetrieb auf der Strecke Straße der Republik (heute Heinrichstraße) über Wintergarten bis Zwötzen komplett auf Busbetrieb umgestellt. Obwohl der Bau des neuen Wohngebiets Gera-Lusan für 45.000 Einwohner ab April 1972 bereits beschlossene Sache war, wurde der Straßenbahn-Südringes aufgegeben. In der Folge war der Straßenbahnbetrieb bei Störungen in der Leninstraße (heute Wiesestraße) sehr anfällig. Fahrgäste aus Debschwitz/Lusan, die zu den zahlreichen Betrieben in die E.-Thälmann- Straße (heute Reichstraße) wollten, mussten zeitaufwendige Fahrten hinter sich bringen. Im Jahr 1973 lieferten die IKARUS-Werke den Stadtbustyp IKARUS 260 und im Jahr 1974 den IKARUS Gelenkbus vom Typ 280.

Am 01. Oktober 1973 wurde das ältere Wohngebiet Bieblacher Hang durch Verlängerung der Buslinie Langenberg – Tinz an das Busnetz angeschlossen. Eine am 1. Oktober 1974 eröffnete neue Buslinie von der Gutsstraße zum Wohngebiet an der Scheibe sollte zur Entlastung der Buslinie Liebschwitz Frankenthal beitragen. Eine erste Buslinie ins neue Wohngebiet Lusan folgte am 1. November 1975 ab der Straßenbahn-Haltestelle Zoitzbergstraße, die ab 17. Mai 1976 bis ins Stadtzentrum als Buslinie 31 führte.

Am 14. September 1977 wurde in Gera der O-Busbetrieb auf Omnibusbetrieb umgestellt. Für diesen schwerwiegenden Entschluss gab es viele Gründe: den geringen Anteil von O-Bus-Fahrzeugen gegenüber dem Straßenbahn- und Omnibusbetrieb und damit wesentlich geringeren Verkehrsleistungen.

Ab dem Jahr 1968 konnten nur noch gebrauchte O-Busse aus Dresden und Berlin als Ersatz für verschlissene Wagen beschafft werden. Ein Import fabrikneuer Fahrzeuge aus der CSSR war nicht mehr möglich. Im Gegensatz zum Omnibus waren zu diesem Zeitpunkt keine O-Busse als Gelenkbusse verfügbar. Bauliche Veränderungen im Stadtzentrum mit der Umgestaltung der Kleinen Kirchstraße/Markt zur Fußgängerzone hätten größere Streckenverlegungen nach sich gezogen.

Bis heute konnte sich in ganz Deutschland der O-Bus nicht wieder „erholen“ und ist nach wie vor nur noch in Eberswalde, Esslingen und Solingen im Einsatz. Auch typische O-Busländer wie die Schweiz, Österreich und Russland haben sich bereits von mehreren O-Busbetrieben getrennt.

Das schnelle Wachsen des Neubaugebietes Lusan erforderte weitere Verkehrsanbindungen. So wurde am 26. Mai 1978 die Buslinie Untermhaus – Zwötzen bis ins neue Wohngebiet verlängert. Am gleichen Tag kam es letztmalig zur Verlegung der Bushaltestellen im Zentrum. Der endgültige Standort war nun die Straße der Republik (heute Heinrichstraße) mit kurzen Umsteigewegen. Am 18. November 1978 wurde die Buslinie 31 bis zum Hauptbahnhof verlängert.

Ab 1981 fuhren gebrauchte Omnibusse aus Berlin

Im Jahr 1981 begann die Übernahme gebrauchter Omnibusse vom Typ IKARUS 260 und 280 aus der Hauptstadt Berlin. Diese politische Anordnung gewährleistete den Einsatz von immer fabrikneuen Omnibussen im Aushängeschild der DDR und etwa vier Jahre alte Omnibusse wurden an andere Betriebe in der DDR abgegeben. Am äußeren Erscheinungsbild dieser Busse konnte man sofort deren Herkunft erkennen sowie den Verschleiß nach vierjährigem Einsatz in Berlin.

Am 1. Januar 1982 wurde der Verkehrsbetrieb Bestandteil des neugebildeten VE Verkehrskombinat Gera, war juristisch selbstständig und nannte sich ab sofort „VEB Städtischer Nahverkehr Gera“. Große Vorteile für die Mitarbeiter des Verkehrsbetriebes brachte diese Zugehörigkeit nicht. Alle weiteren Leistungen und Verbesserungen wurden weiterhin in Eigeninitiative der Mitarbeiter erbracht. Ab dem 6. September 1983 führte die Buslinie Richtung Leumnitz nicht mehr über die Große Kirchstraße – Nikolaiberg, sondern als Buslinie 10 über den Stadtring und traf oberhalb vom Nikolaiberg wieder auf die alte Linienführung.

Bieblach-Ost wird 1986 mit der Straßenbahn erschlossen

Ab 18. Dezember 1986 wurde das neue, im Norden der Stadt entstehende Wohngebiet Bieblach-Ost mit der Straßenbahn erschlossen. Dieses Mal wurde auf eine erste Anbindung mittels Omnibusverkehr verzichtet. Die Erfahrungen vom Anschluss des Wohngebietes Lusan zeigten, dass in kurzer Zeit das Verkehrsmittel Omnibus überfordert war und wie oben beschrieben, immer wieder Nachbesserungen bei den Linienführungen erfolgen mussten.

Nochmals trafen einige wenige fabrikneue Busse aus Ungarn ein. Die Übernahme weiterer gebrauchter Omnibusse aus Berlin veranlasste den Verkehrsbetrieb zu Fahrzeugtauschaktionen mit den Busbetrieben in Greiz, Saalfeld und Rudolstadt. Auf diese Art konnten die für den jeweiligen Betrieb am besten geeignete Busgrößen und -typen eingesetzt werden.

1990 – Eine neue Zeit beginnt

Bereits 1990 wurde ein moderner Reisebus vom Typ NEOPLAN fabrikneu angeschafft. Das System von Sonderfahrten mit einem Bus passte aber nicht in die eigentliche Aufgabenstellung eines Nahverkehrsbetriebes und der Wagen wurde im Jahr 1993 wieder verkauft.

Inzwischen bereiteten sich die Instandhaltungsbereiche vom Omnibus auf den Einsatz von Niederflur-Omnibussen vor. Die gesamte Omnibus-Einsatzstelle außer der Tankstelle wurde von der Wendeschleife in Gera – Zwötzen zum Betriebsteil in die Meuselwitzer Straße verlegt. Dort befanden sich bereits seit 1969 auch die Bus-Werkstätten.

Zwanzig neue MAN-Busse gehen 1992 in Betrieb

m Jahr 1992 trafen von der Firma MAN die ersten zwanzig neuen Omnibusse vom Typ MAN NL 202 in Gera ein. Im gleichen Jahr wurden zusätzlich noch fünf Busse vom Typ MB O 405 O eingesetzt. Im Jahr 1997 lieferte die Firma MAN die ersten fünf Gelenkbusse vom Typ MAN A 11 nach Gera. Ein Jahr später trafen von der Firma Mercedes-Benz drei weitere Gelenkbusse vom Typ MB O 405 G ein. Auch 1998 wurden die letzten Gelenkbusse vom Typ IKRUS 280 nach Osteuropa verkauft. In den Folgejahren bis heute wurde der Omnibusbestand im Gegensatz zur Straßenbahn regelmäßig erneuert. Allein in den Jahren 1991 bis 1996 wurden 35 neue Omnibusse in Betrieb genommen. Im Durchschnitt waren diese Fahrzeuge 15 Jahre im Einsatz und wurden danach ebenfalls Richtung Osteuropa verkauft.

Neuer Betriebshof in der Zoitzbergstraße wird 1997 eingeweiht

Mit der Inbetriebnahme des neuen Betriebshofes in der Zoitzbergstraße am 11. Juli 1997 ergaben sich für die Beschäftigten, so auch der Buswerkstatt wesentlich verbesserte Arbeitsbedingungen. Die Fahrzeugreinigung erfolgte nun für Bahnen und Busse in geheizten Hallen mit automatischen Waschanlagen. Bisher musste diese Tätigkeit bei Wind und Wetter und freiem Himmel durchgeführt werden. Einen großen Vorteil brachte die Bus-Abstellhalle mit 115 Meter Länge und 24 Meter Breite für zwölf Gelenk- und 36 Niederflurbusse unmittelbar neben der modern ausgestatteten Werkstatt.

Stadtbahnlinie 1 bindet seit 2006 Untermhaus an

Die größten Veränderungen im Busbetrieb in der Zeit ab 1990 ergaben sich mit der Eröffnung der neuen Stadtbahnlinie 1 von Untermhaus nach Zwötzen am 3. November 2006. Ab 5. November 2006 wurde ein neues, an die Linie 1 angepasstes Busliniennetz eingeführt. Die Busse übernehmen nun eine Zubringerfunktion zum Stadtbahnnetz. Hierzu wurden hervorragende Umsteigebeziehungen mit kurzen Wegen zwischen den beiden Verkehrsmitteln eingerichtet. An der neuen Endstelle Zwötzen entstand ein Funktionsgebäude mit Geschäften, Gastronomie und überdachten Umsteigewegen. Auch an der neuen Endstelle in Untermhaus bestehen gute Umsteigemöglichkeiten.

Auf der Ost-West-Achse verkehren nun noch zwei Buslinien und eine neue Linie verbindet Liebschwitz mit dem Bahnhof Zwötzen, mit Übergängen in Zwötzen zur Stadtbahnlinie 1 und am Bahnhof zur Linie 2 Richtung Gleisdreieck und Lusan. Die Buslinie aus Langenberg wurde verlängert und verkehrt über Untermhaus (Endstelle Linie 1) nach Bieblach. Am Friedrich-Naumann-Platz in Untermhaus besteht eine Verknüpfung der Stadtbahnlinie 1 mit der Buslinie nach Harpersdorf. Die Bushaltestellen in der Heinrichstraße wurden neu sortiert und nach farbig gekennzeichneten Abfahrt- und Ankunftsstellen angeordnet.

Gera ist eine Straßenbahnstadt

Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Ablösung von Straßenbahnstrecken durch den Omnibusbetrieb auf Dauer nicht funktioniert hat. Bis in die heutige Zeit hat sich überall das Verkehrsmittel Straßenbahn zu einem leistungsfähigen Stadtbahnsystem weiter entwickelt. Städte wie Jena und Halle/Saale nutzten aus der DDR-Zeit bereits freigehaltene Flächen für den Bau leistungsfähiger Stadtbahnsysteme und ersetzten hier viele Omnibuslinien.

Die Entwicklung der Omnibusse hat mit dem Gelenkbus seine höchst mögliche Normgröße erreicht. In einigen Städten werden Doppel-Gelenkbusse eingesetzt, diese sind aber nicht nur wegen der begrenzten Einsatzmöglichkeiten umstritten und teilweise wieder abgestellt. Omnibusse werden etwa halb so alt wie Straßenbahnwagen. Am Beispiel der Stadt Gera ist gut zu erkennen, dass die erste Busgeneration aus den Jahren 1992 bis 2003 bereits wieder ausgesondert wurde. Im Gegensatz dazu stammen die ältesten eingesetzten Straßenbahn-Wagen aus dem Beschaffungsjahr 1981.

Heute rollen für den GVB 30 Busse in Gera

Aktuell umfasst der Geraer Fuhrpark nach Auskunft von Betriebsleiter Ralf Roscher 30 Busse. Davon sind fünf Gelenk-, zwei Klein- und 23 Stück Standardbusse. Die Standard- und Gelenkbusse sind alle vom Hersteller MAN, die Kleinbusse fahren auf Fahrgestellen von Mercedes-Benz. Die Baujahre erstrecken sich von 2006 bis 2020.

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