Opa aus Gera begrapscht Enkeltöchter

Gerichtsbericht - Das Landgericht Gera verurteilt den 72-jährigen Rentner nach seinem Geständnis zu einer Bewährungsstrafe

Versteckt sich hinter Einkaufsbeutel: der Angeklagte Klaus S. aus Gera.  Foto: Tino Zippel

Versteckt sich hinter Einkaufsbeutel: der Angeklagte Klaus S. aus Gera. Foto: Tino Zippel

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Gera. Das Landgericht Gera hat einen 72-jährigen Mann wegen sexuellen Missbrauchs zu 20 Monaten Freiheitsstrafe, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt. Klaus S. hatte eingeräumt, zwei Enkeltöchter seiner Lebensgefährtin mehrfach begrapscht zu haben.

Die Vorfälle hatten sich bereits in den Jahren 1996 bis 2002 ereignet. Staatsanwältin Dagmar Weber listete 196 Missbrauchsfälle auf. Die Kinder stammen aus Sachsen-Anhalt und verbrachten ihre Sommerferien bei ihrer Oma in Gera-Lusan. Sowohl in der Wohnung als auch im Garten soll S. den Mädchen an die Brust gefasst haben. In einigen Fällen soll er gar den Intimbereich berührt haben.

Die Vorwürfe kamen erst 2011 zur Anzeige. Den Angaben zufolge hatte eine der Frauen während einer Familienfeier in Gera ein Schlüsselerlebnis, woraufhin sie über die Taten berichtete und am Tag darauf zur Polizei ging. "Bei meiner Geburtstagsfeier begrüßen mich die Mädchen mit Küsschen und acht Stunden später wollen sie mich umbringen. Das kann ich mir nicht erklären", sagte der Angeklagte. Die Enkelin habe mit Stiefeln auf seiner Brust herumgetrampelt und gewusst, dass er drei Bypässe habe. "Sie hat meinen Tod billigend in Kauf genommen."

Auch nach einer Verfahrensabsprache tat er sich sehr schwer, die Übergriffe auf die Kinder einzuräumen. Im Gegenzug für ein Geständnis hatte die Strafkammer unter Vorsitz von Gerhard Rassier einen Strafrahmen zwischen anderthalb und zwei Jahren, ausgesetzt zur Bewährung, in Aussicht gestellt. Schließlich räumte S. ein, in einem Fall die jüngere und in mindestens 36 Fällen die ältere Enkelin bedrängt zu haben. "Sie hatte große Brüste. Da fasst man schon gern mal an", sagte der Angeklagte. Er habe es als Zärtlichkeit betrachtet, dass man der Enkelin auch einmal einen Wangenkuss gibt. Zögerlich räumte er auch Zungenküsse oder den Griff in den Intimbereich ein. "Da hab' ich ein paar auf die Finger bekommen und gut war."

Letztlich ersparte der studierte Landwirt, der als Versicherungsvertreter arbeitete und heute Rentner ist, den Geschädigten die Aussage. Deshalb bleibt ihm die Haft erspart. Er zahlt zudem 5000 Euro Schmerzensgeld an die ältere Enkelin. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

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