Pilotprojekt an Grundschule Gera-Debschwitz: 60 künftige Lehrer übernehmen den Schulbetrieb

Gera  In einem Pilotprojekt an der Debschwitzer Grundschule übernahmen ám Donnerstag 60 Lehramtsanwärter den gesamten Schulbetrieb. Die Schüler sollten sich mit dem Thema Medien auseinandersetzen.

Zum Medienprojekt in der Hans-Christian-Andersen-Grundschule in Gera Debschwitz lernten die Grundschüler alles, was im Umgang vor allem mit modernen Medien wichtig ist. Der Projekttag war ein Pilotprojekt der Debschwitzer Grundschule gemeinsam mit dem Studienseminar für Lehrerausbildung Gera. Foto: Martin Hauswald

Zum Medienprojekt in der Hans-Christian-Andersen-Grundschule in Gera Debschwitz lernten die Grundschüler alles, was im Umgang vor allem mit modernen Medien wichtig ist. Der Projekttag war ein Pilotprojekt der Debschwitzer Grundschule gemeinsam mit dem Studienseminar für Lehrerausbildung Gera. Foto: Martin Hauswald

Foto: zgt

So richtig scheint sich das Bild, das sich dem Betrachter gestern in der Hans-Christian-Andersen-Grundschule in Debsch­witz bot, nicht in die klassische Vorstellung von Schulalltag zu passen. Etwa 20 Schüler waren auf den Gängen unterwegs, Smartphones und Tablets in der Hand und filmten alles, was nicht bei drei auf den Bäumen war. Die anwesenden Medienvertreter stellten da keine Ausnahme dar.

Was auf den ersten Blick etwas befremdlich wirken und den einen oder anderen dazu veranlassen mochte, zu sagen: Typisch Kinder, nur noch diese neumodischen Dinger inder Hand, hatte aber durchaus einen pädagogischen Hintergrund. Mit einem großangelegten Medienprojekt übernahmen etwa 60 Lehramtsanwärter einen Tag lang den Schulbetrieb in Debschwitz. Zu ihnen gehörte auch Sandra Gerg, die den Bereich Puppenspiel betreute. Für unsere Lehramtsausbildung haben wir selbst eine Medienwoche absolviert und wenden das Wissen jetzt hier praktisch an, erklärt die angehende Lehrerin.

Theorie in der Praxis erproben

So gehe es darum, die Theorie der Lehrerausbildung einmal im Schulalltag zu erproben. Aber auch die Schüler würden davon profitieren, wie Gerg meint. Immerhin hätten sie so die Möglichkeit, sich mit dem Thema Medien kreativ auseinanderzusetzen. Wie zum Beispiel beim Film-Workshop. Hier konnten die Kinder erfahren, wie viel Arbeit hinter einer Filmproduktion steckt. So sitzen sie nicht nur vor dem Fernseher, sondern erfahren aus einer ganz anderen Perspektive, was es heißt, mit Medien umzugehen und einen Film zu drehen, ergänzt Gerg. Nicht nur das Thema Film gehörte zu den vorgestellten Medien, sondern auch das Puppenspiel, das Arbeiten mit einer Trickbox zum Erstellen eines Trickfilms, Schattenspiel oder Pantomime. Aber auch die Smartphones und Tablets waren ein Bestandteil des Medientages. Hier waren die Schüler mit der Dokumentation aller Projekte beschäftigt.

Bereits seit 2011 gehört das Medienprojekt zur Lehrerausbildung in Thüringen. Aber erst dieses Jahr hat es seinen Weg in den Schulalltag gefunden. Das Vorbild dafür stamme aus Norwegen, wie Heike Scheika, Leiterin des Studienseminares für Lehrerausbildung Gera, Fachbereich Grundschule, erklärt. So würden in Trondheim bereits seit 30 Jahren angehende Lehrer für einen Tag die komplette Schulleitung übernehmen, um sich selbst im Unterrichten auszuprobieren. Ein Konzept, das mit dem Pilotprojekt an der Debsch­witzer Schule auch in Thüringen Anwendung finden solle. Das bringt den Vorteil mit sich, dass sich die angehenden Lehrer genau überlegen müssen, wie sie das Gelernte in der Praxis anwenden können, meint Scheika. So gehöre die konkrete Projektplanung dazu.

Alternative Lehrkonzepte nutzbar machen

Wie viel Lehrmaterial wird benötigt? Mit welchem Konzept kann gearbeitet werden? Wie können die Schüler für das Projekt begeistert werden? All das mussten die Lehramtsanwärter eigenständig bewerkstelligen. Das könne auch dazu beitragen, solche Ideen für den späteren Berufsalltag nutzbar zu machen und die angehenden Lehrer für solche besonderen Projekte zu sensibilisieren.

Aber nicht nur die Lehramtsanwärter, auch die Schulen können von der Aktion profitieren, meint Britta Kämmerer, Leiterin der Debschwitzer Grundschule. So sei das Projekt der Lehramtsanwärter eine Win-Win-Situation für die Schule. Zum einen würden die Schüler einen Einblick in die Ausdrucksmöglichkeiten verschiedener Medien erhalten und zum anderen schaffen solche Tage auch für die Lehrer Freiräume, die zum Beispiel für Fortbildungen genutzt werden könnten. Das war der Grund, uns als Pilotschule zur Verfügung zu stellen, meint Kämmerer. Wir hoffen, damit Interesse zu wecken, solche Projekte auch an anderen Schulen zu realisieren.

Dabei ist sich die Schulleiterin bewusst, dass es sich um ein Projekt handele, das noch in den Kinderschuhen steckt. Es brauche auch Mut und Vertrauen in die Lehramtsanwärter und das Studienseminar als Ausbildungsstätte. Wir sind von dem Konzept überzeugt und auch die Eltern tragen die Idee mit. Deswegen sind wir überzeugt, dass das Projekt eine Zukunft hat, schließt Kämmerer.

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