Premiere für "Romeo und Julia" in Altenburg

Die Perversen sind nicht das Problem, nicht die Mörder, nicht die Rassisten, ihr seid das Problem, wütet Tybalt (Heiko Senst).

Szenenfoto (v.l.n.r.) mit Manuel Kressin (Benvoilo), Jochen Paletschek (Romeo) und Henning Bäcker (Mercutio) Foto: Stephan Walzl

Szenenfoto (v.l.n.r.) mit Manuel Kressin (Benvoilo), Jochen Paletschek (Romeo) und Henning Bäcker (Mercutio) Foto: Stephan Walzl

Foto: zgt

Er ist der Bösewicht hinter der Clownsmaske, der Geist, der alles in Frage stellt. Und er gleicht dem Conférencier aus "Cabaret", der Freitagabend im Heizhaus Altenburg das Spektakel um Shakespeares "Romeo und Julia" eröffnet.

Man müsste hundert Augen und Ohren haben, um die provokante, spannungsreiche Inszenierung von Pedro Martins Beja frei nach der Übersetzung von Schlegel in allen Facetten über rund 100 Minuten erfassen zu können: die Video-Projektionen (Mario Binkowski) hinter dem dünnen Vorhang, die das Geschehen in Julias Kammer verfremden. Die zweigeteilte Figur Wärterin/Lady Capulet, von Anne Keßler großartig in Szene gesetzt. Den angedeuteten Missbrauch des Patriarchen Capulet (Peter Prautsch) an der Tochter oder die Wortgefechte zwischen Mercutio (Henning Bäcker) und Benvolio (Manuel Kressin), die sich die Kalauer flott um die Ohren hauen.

Hundert Augen und Ohren hat kein Mensch. Auch deshalb bleibt das emotionsgeladene Spiel der Liebenden Romeo (Jochen Paletschek) und Julia (Judith Mauthe) ein Stück weit auf der Strecke und der Zuschauer, trotz lang anhaltendem Beifall, am Ende etwas ratlos zurück.

Liebe ist Angst und Achselschweiß, ist Neid und Niedertracht, Liebe ist Einsamkeit, hält Tybalt Romeo entgegen. Ist es so oder ganz anders? Beja jedenfalls entlässt Romeo und Julia als Bonnie und Clyde. "Die nächste Revolution hat eine physische zu sein", orakelt Julia. Schuss und Schluss.

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