Premiere für Video über Gemeinsamkeiten zwischen Dix und Dürer

Ein Video von Hobbyfilmemachern aus Gera und Nürnberg feiert Premiere, belebt die Partnerschaft zwischen beiden Städten und geht der Frage nach: Was haben die großen Söhne Otto Dix und Albrecht Dürer gemeinsam?

Ein Teil des Filmteams der Dürer-Dix-Zeitreise: Hans Wagner, die Geraer Hauptdarstellerin Johanna Orlamünder, Gerlinde Brandt und Wilfried Jäger (von links). Foto: Katja Schmidtke

Ein Teil des Filmteams der Dürer-Dix-Zeitreise: Hans Wagner, die Geraer Hauptdarstellerin Johanna Orlamünder, Gerlinde Brandt und Wilfried Jäger (von links). Foto: Katja Schmidtke

Foto: zgt

Gera. Das Drehbuch der Städtefreundschaft zwischen Gera und Nürnberg ist fortgeschrieben worden: eine filmische Zeitreise, die Hobbyfilmemacher aus beiden Städten erstellten, feierte am Donnerstagabend im Clubzentrum Comma vor rund 50 Gästen Premiere. "Von Albrecht Dürer zu Otto Dix ... eine Zeitreise" heißt das 50-minütige Video.

Gemeinsamkeiten zwischen dem 1471 geborenen Dürer und Dix, der 1891 das Licht der Welt erblickte? Die Skepsis kann Wilfried Jäger vom Videoclub Nürnberg 50plus nachvollziehen. "Das war ein Knackpunkt, ja", rekapituliert Jäger. Die Obsession für das Exakte sei beiden Malern zu eigen gewesen, ebenso die Rolle, die die Eltern im künstlerischen Werk spielen. Doch weiter will man es nicht treiben. Schließlich produzierten die passionierten Filmfreunde keinen kunsttheoretischen Streifen. Vielmehr spürt er der Identitätssuche beider Städte nach - und da sind Dürer in Nürnberg und Dix in Gera ganz klar Leitfiguren.

Hauptdarsteller sind neben den Malern zwei Jugendliche. Simon aus Nürnberg und Johanna aus Gera führen durch den Film und nehmen den Zuschauer mit zu den Sehenswürdigkeiten ihrer Städte und auf eine Zeitreise. So lernt Simon in Nürnberg bei Dürers Frau Agnes das Herstellen von Drucken, während Johanna mit Dix’ Schwester Hedwig auf dem Sofa über das Familienleben spricht.

Man habe sich bewusst für die jungen Darsteller entschieden. Sie kennen die deutsche Teilung nur noch aus dem Geschichtsbuch, sind damit auch ein Stück weit frei von den Vorurteilen und Klischees der älteren Generationen zu Ost und West. Außerdem, fügt Wilfried Jäger an, wolle man zeigen, wie spannend es sein kann, sich mit Kunst und Kultur zu beschäftigen. Für Johanna Orlamünder war Otto Dix jedenfalls kein Unbekannter. Die 14-Jährige ist Mitglied bei den Jungen Stadtführern unter Horst Polter, der ja auch ein Videofilmer ist und die kleine Feierstunde zur Premiere natürlich mit der Kamera verfolgte. Johanna stand das erste Mal vor der Kamera. Besonders die historischen Szenen seien anstrengend gewesen. "Das haben wir oft wiederholt, weil Verkehrslärm störte. Mal ein Moped, mal ein Laster". Das gab’s ja nicht in Dix’ Jugendzeit.

Im Herbst vergangenen Jahres haben die Dreharbeiten begonnen. In Gera drehten Karl-Heinz Andre, Rainer Drechsel und Lothar Gehroldt im Dix-Haus, die passende Musik suchte dazu das Ensemble Dix aus. In Nürnberg filmten Norbert Benke, Gerlinde Brandt, Hans Wagner und Wilfried Jäger im Dürer-Haus, der Sebalduskirche und im Germanischen Nationalmuseum. Das Gemeinschaftsprojekt wurde vom Offenen Kanal Gera unterstützt.

Dort hatte das Projekt auch seinen Ausgangspunkt. Nach einer Gesprächsrunde von OKG und OTZ zum 20-jährigen Bestehen der Städtepartnerschaft hatten die Videofilmer Kontakt aufgenommen. Sie wollen damit auch beitragen, die Freundschaft zwischen Geraern und Nürnbergern wiederzubeleben. Jene besteht aktuell vor allem zwischen Filmern, Sportlern und Seniorenvereinigungen. Vielleicht schaffen also Simon und Johanna mitsamt ihren Klassenkameraden und Freunden eine Verjüngungskur. Schon möglich. Nur ob man dafür das Dix-Haus als Treffpunkt wählen würde, das lässt Johanna schmunzelnd offen.

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