Prozesskünstler wollte bewusst Unruhe stiften: Maurice de Martin freut Gera2025-Entwicklung

Gera  „Gera2025?“ hieß das Projekt, das der Berliner Prozesskünstler Maurice de Martin im August 2017 ins Leben rief. Wo damals noch ein Fragezeichen hinter der Idee der Kulturhauptstadtbewerbung prangte, steht mittlerweile ein Ausrufezeichen.

Maurice de Martin lotete die Chancen einer Kulturhauptstadtbewerbung aus.

Maurice de Martin lotete die Chancen einer Kulturhauptstadtbewerbung aus.

Foto: Peter Michaelis

„Gera2025?“ hieß das Projekt, das der Berliner Prozesskünstler Maurice de Martin im August 2017 ins Leben rief. Wo damals noch ein Fragezeichen hinter der Idee der Kulturhauptstadtbewerbung prangte, steht mittlerweile ein Ausrufezeichen. Die Bewerbung soll jetzt für das Jahr 2025 tatsächlich auf den Weg gebracht werden, sogar mit offizieller Unterstützung von Stadt und Land.

Jetzt meldet sich Maurice de Martin wieder zu Wort, der sein „Make Gera Great Again“-Projekt damals vorfristig abgebrochen und die Stadt verlassen hatte. „Scheitern ist (nicht) immer scheiße, auch wenn es in unserem Fall eventuell sogar bewusst provoziert wurde“, formuliert er in einer Stellungnahme. Er sei sich bewusst, dass der plötzliche Projektabbruch zu einer unaufgelösten Irritation bei einigen Geraern und bei den Mitstreitern des Nachfolgeprojektes „Gera2025“ um Thomas Laubert und Nils Lauterbach geführt habe. Trotzdem ist er überzeugt, dass gerade die durch sein Kunstprojekt entstandenen Differenzen die nötige Reibungsfläche boten, die im Ergebnis in der ernst gemeinten Kulturhauptstadtbewerbung mündeten.

Der Berliner versteht es als Kerninteresse seiner Prozesskunst, mitunter auch Unruhe zu stiften. Wie auch Kunst und Künstler generell unberechenbar seien. Mit seiner Kunstarbeit in der Sommerakademie der „Häselburg“ und im provokativ aufgebauten Kulturhauptstadtbüro auf dem Kornmarkt habe er Situationen erzeugt, die von Teilen der Bevölkerung kritisch aufgenommen wurden. „Kunst muss nicht gefallen. Vielleicht ist es ein Indiz ihres Wirkens, wenn sie gewissen Leuten nicht gefällt“, so sein Ergo.

Seine Aktivität in Gera wie sein plötzlicher Rückzug hätten in jedem Fall einen Beitrag geleistet, ein kleines Wunder zu bewirken, das er für unmöglich erachtet hatte: „dass die Geraer nämlich das Potenzial mitbrächten, sich für eine Utopie zu begeistern, zu mobilisieren und ein Projekt wie die aktuelle Bewerbung zur Kulturhauptstadt zu wuppen“, sagt er.

Maurice de Martin wünscht allen Beteiligten der Kulturhauptstadtbewerbung einen erkenntnisreichen Bewerbungsprozess, der in jedem Fall einen Zugewinn für Stadt und Region bedeutet. Er rät jedoch, auch kritische Stimmen, die er während seiner Aktionen aufgefangen habe, nicht zu ignorieren, wenn man erreichen wolle, dass Gera 2025 eine andere Stadt sein soll.

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