Rund 900 Gäste erleben in Gera die Vielfalt des Handwerks

Gera-Aga.  Mit vielen Mitmachangeboten erhalten die Besucher einen anschaulichen Überblick über die Lehre im Handwerk.

Für den Beruf des Land- und Baumaschinen-Mechatronikers stand in Gera-Aga das entsprechende Gerät auch für Probefahrten bereit. 

Für den Beruf des Land- und Baumaschinen-Mechatronikers stand in Gera-Aga das entsprechende Gerät auch für Probefahrten bereit. 

Foto: Marcel Hilbert

Mit 15 Jahren am Steuer einer großen Baumaschine – für Regelschüler Fabian aus Braunichswalde war das sicher einer der Höhepunkte seines Besuches am Sonnabend in Aga. Er war einer von rund 900 Besuchern der Ausbildungsveranstaltung „#einfachmachen“ in der Bildungsstätte der Handwerkskammer für Ostthüringen (HWK). Über 25 Handwerksberufe wurden hier mit vielen praktischen Mitmachangeboten vorgestellt.

Dieser Möglichkeit zur beruflichen Orientierung und zum praktischen Ausprobieren wurde auch deshalb hohe Bedeutung beigemessen, da in der Corona-Krise Ausbildungsbörsen und auch Praktika vielfach nicht möglich waren.

Neben beruflichen Erstkontakten gehe es aber tatsächlich auch zum jetzigen Zeitpunkt noch darum, offene Lehrstellen im aktuellen Ausbildungsjahr zu besetzen, sagte André Kühne. „Theoretisch ist der Einstieg noch bis Ende Oktober möglich“, so der Sprecher der HWK.

Durch solche Last-Minute-Besetzungen, sagte Kühne, könnte das Minus bei den Lehrstellen weiter schrumpfen. Nach zunächst schlimmen Befürchtungen durch die Corona-Krise seien später als sonst doch noch einige Lehrlinge gefunden worden, so dass man aktuell nur etwa fünf Prozent weniger Lehrlinge als in den Vorjahren habe. „Wir haben kammerweit rund 700 Auszubildende, es fehlen etwa 300 bis 350, das aber schon seit fünf Jahren“, sagte HWK-Präsident Klaus Nützel.

Besonders im handwerklichen Dienstleistungsbereich ist der Bedarf groß, da die Technik immer komplizierter werde, sagte Nützel. „Hinzu kommt, dass perspektivisch auch viele Nachfolger in der Geschäftsführung von Handwerksbetrieben fehlen werden.“

Alles Problemfelder, denen mit einer zeitigen Begeisterung für handwerkliche Berufe begegnet werden soll. Auch deshalb hielten die Unternehmen und Institutionen, die die Berufe vorstellten, viele niedrigschwellige Mitmachangebote bereit, die schon Kinder zu begeistern wussten. So probierte sich der siebenjährige Johann aus Schmölln am Stand der Dachdeckerschule Lehesten an einem Schieferherz.

Viel los war auch bei Franziska Fischer, Augenoptikermeisterin und Niederlassungsleiterin von Fielmann in Gera. Nicht nur konnten die Gäste selbst ein Brille anfertigen, sie erfuhren auch von der Ausbildung zum Hörakustiker, die man mit Fielmann nicht sofort in Verbindung bringt.

Das Ausprobieren im Bereich Augenoptik fand Alina (17) aus Gera sehr interessant. Ihr liege wohl eher das filigrane Arbeiten, sagte sie, nachdem sie sich bei den Zimmerern auch an der Handsäge versuchte. Ins Auge gefasst habe die Zwölftklässlerin bislang ein Studium, das aber mit handwerklichen Einschlag: der Beruf der Restauratorin hat es ihr angetan.

Zurück zum 15-jährigen Fabian. Auch er hat einen Wunschberuf vor Augen: Land- und Baumaschinen-Mechatroniker. Insofern führte sein Besuch in Aga gezielt zum Stand des Bauunternehmens Max Bögl, das die Testfahrten möglich machte und bei dem der Schüler bereits ein Praktikum absolvieren konnte.

Etwas umschauen wollte er sich dennoch. „Es ist schon Wahnsinn, wie sich das gedreht hat“, sagte sein Vater: „Früher hat man 30 Bewerbungen schreiben müssen, heute hat man riesige Auswahl – aber dafür auch die Qual der Wahl.“