Schließung des UCI in Gera: „Es ist eine Katastrophe“

Gera.  Der Weggang des UCI hat für die Mitmieter im Gebäudekomplex Reichsstraße Nr. 3 weitreichende Konsequenzen.

Silke Fröhlich sorgt sich um die Zukunft ihres Geschäftes.

Silke Fröhlich sorgt sich um die Zukunft ihres Geschäftes.

Foto: Peter Michaelis

Das UCI zieht sich aus Gera zurück – damit ist auch für Silke Fröhlich ein Horrorszenario eingetreten. Bezüglich Auswirkung für Mitmieter des Gebäudekomplexes Reichsstraße 3 kommt von der Geschäftsfrau ein klares Ja. „Wer soll sich jetzt noch hierher verlaufen?“ fragt sie. Die Inhaberin des gleichnamigen Hochzeitsstudios und Schneiderateliers hat rund 320 Quadratmeter angemietet.

Laufkundschaft durch Kino hat gefehlt

Persönlich habe sie schon lange vermutet, dass die Schließung des Kinos im Frühjahr eine endgültige sein wird. „Seit der Wiedereröffnung nach dem ersten Lockdowns hat sich unser Kundenzufluss fast halbiert, da die Laufkundschaft des Kinos fehlte. Selbst wenn das nicht potenzielle Käufer für mein Geschäft waren – auf diese Weise wurden wir wahrgenommen und es wurde weitererzählt. Daraufhin haben uns viele Leute aufgesucht“, berichtet Silke Fröhlich. Seit dem erneuten Teil-Lockdown verirre sich kaum noch jemand her. Ihre Angestellte im Schneideratelier musste sie im September in Kurzarbeit schicken. Das Geschäft betreibt Silke Fröhlich derzeit allein. „In anderen Jahren wäre das undenkbar gewesen.“

Nach UCI-Weggang: Betreiber des Geraer Metropol Kinos signalisiert Interesse

Kinobetreiber UCI gibt Gera auf

Den Laden schließt die Chefin nun bereits 17 Uhr. Es werde zudem zeitig dunkel und im angrenzenden Park seien häufig wenig vertrauenserweckende Gruppen unterwegs, erzählt sie. „Wenn man sich dann hier allein aufhält und niemand weiter im Gebäude ist, ist das schon schlimm.“ Sie weiß nicht, wie sich alle anderen Mieter noch halten sollen. „Es ist nicht abzusehen, dass hier irgendetwas umgebaut wird und sich das Ganze wieder belebt. Schließlich gibt es mit der Amthorpassage und dem ehemaligen Elsterforum im Zentrum schon genug zu tun. Da wird hier erst recht nichts passieren“, befürchtet sie.

"Hier liegt vieles im Argen"

Von den Dachschäden wusste auch Silke Fröhlich. Auf ihr im Erdgeschoss befindliches Studio wirken diese sich zwar nicht aus, aber: „Es ist unverständlich, dass so etwas ewig nicht repariert wird.“ Auf jeden Fall vermisse sie ebenfalls einen Ansprechpartner, wenn es um Belange des Hauses geht. „Wir hätten gern noch ein Vordach über unserer Eingangstür. Aber es wird hier gar nichts mehr gemacht“, sagt sie und bestätigt, dass vieles im Argen liege, es überhaupt keinen direkten Kontakt zum Vermieter gebe.“

„Auf jeden Fall wird die Kundenfrequenz, die im Haus sowieso nicht so stark ist, noch weiter zurück gehen“, schätzt Grit Harthaus, Geschäftsführerin und Gesellschafterin von „City Bowling“ und Restaurant „Black Bull“ ein. Das wirke sich insbesondere auf das Steakhaus aus. „Wir haben in letzter Zeit stark zu spüren bekommen, dass das Kinopublikum fehlt“, resümiert sie. In dieser oberen Etage sei „Black Bull“ mit etwa 270 Quadratmetern mittlerweile der einzige Mieter. Für die Bowlingbahn hat Grit Harthaus 1300 Quadratmeter angemietet.

Den UCI-Schritt könne sie durchaus nachvollziehen. „Seit mehreren Jahren war es tatsächlich so, dass es bei bestimmten Wetterlagen hereingeregnet hat, ins Kino und letztlich auch bei uns in die Bowlingbahn. Aufgrund dessen lösten sich schon mehrfach Deckenplatten hinter der Bahn“, berichtet sie.

Die Tanzschule Katja Paunack und das Fitnessstudio McFit sind ebenfalls eingemietet, konnten allerdings am Donnerstag aufgrund der temporären Schließung nicht für ein Statement erreicht werden.