Schülerfreiwilligentag bringt Jung und Alt zusammen

Thao nimmt die Hand von Frau Meissner, streichelt sachte darüber. Die Dame war kurz am Tisch eingenickt, das junge Mädchen hat sie geweckt. Jetzt kichern die beiden darüber - die Wellenlänge stimmt zwischen der 17-jährigen Thao Nguyen Huynh Lam und der 85-jährigen Anna Meissner. Die Seniorin freut sich über den Besuch, der Teil ist des 4. Schülerfreiwilligentags.

Welcher Senior konnte, ließ den Rollator stehen und genoss die anregenden, frischen Gespräche mit den jungen Freiwilligen: Katharina Falk, Gerda Hoppe, Thao Nguyen Huynh Lam und Anna Meissner (von links) haben schnell Zugang zueinander gefunden. Foto: Katja Schmidtke

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Gera. 112 Jungen und Mädchen aus sieben Schulen schnupperten gestern hinein in 25 soziale und gemeinnützige Einrichtungen. "Wir wollen die jungen Menschen früh begeistern für die ehrenamtlich Arbeit", erklärt Renate Scherf von der Ehrenamtszentrale Gera das Anliegen. Die Geraer Einrichtung hat den landesweiten Aktionstag mit zwölf Ehrenamtsagenturen und der Thüringer Ehrenamtsstiftung auf die Beine gestellt. 1000 Euro gab es dafür für Gera: Urkunde, ein kleines Dankeschön und einen Imbiss für jeden Teilnehmer.

Beim Ehrenamt zählen Gesten ganz besonders. Für die 17-jährige Thao gehört dazu auch das neckische Lachen von Frau Meissner. Thao ist mit ihrer Klassenkameradin Katharina Falk für das Seniorenheim eingeteilt worden. "Wir wussten nicht, was uns erwartet", sagt die 16-jährige Katharina. Sie sei offen und neugierig auf die Senioren zugegangen, habe mit ihnen gesprochen und sie zu einem kleinen Spaziergang eingeladen.

Zufrieden sind auch Max Müller und Philipp Kraft. Die 17-Jährigen überprüfen zwei Etagen weiter oben die Essenspläne, werden zunächst skeptisch empfangen, aber später herzlich verabschiedet. "Diese Menschen sind das totale Gegenteil von uns. Das macht’s für mich richtig interessant", sagt Max. Er will sich nach dem Abitur in einem sozialen Jahr engagieren.

Der Freiwilligentag als Berufsorientierung - so sieht es auch Philipp Gräf, der Peter Feickert von der Hospizbewegung begleitet. Der 18-Jährige lernt am Goethegymnasium in der Musikklasse. Sein Wissen möchte er später für therapeutische Zwecke einsetzen. "Der Tag hat mich bestätigt", so sein Fazit.

Gute Erfahrungen mit den Schülern hat Peter Feickert gemacht. Die Jugendlichen seien zwar für eine dauerhafte Mitarbeit zu jung, aber durch den Aktionstag werde der Verein bekannter. Über Mitarbeit würden sich die Mitglieder des Blinden- und Sehbehindertenverbands freuen. Sie hatten Linda-Sophie Großmann und Juliane Schmieder zu Gast. Die Mädchen halfen mit, die Hörzeitung einzulesen. "Sie haben sich wunderbar geschlagen", lobt Kerstin Weisenstein, die sonst diese Aufgabe übernimmt. Verlegen reagiert Juliane auf das Lob. Die 15-Jährige nennt pragmatisch einen weiteren Grund für den Freiwilligentag: "Ein Tag ohne Schule".