Seit 85 Jahren städtischer Omnibusverkehr in Gera

Gera.  Im Juli 1935 wurden die ersten vier Geraer Omnibusse aus der Waggonfabrik in Werdau nach Gera geholt (Teil 1)

Anfang Juli 1935 stehen die vier neuen Omnibusse 41 - 44 in der Waggonfabrik Schumann in Werdau zur Abholung bereit.

Anfang Juli 1935 stehen die vier neuen Omnibusse 41 - 44 in der Waggonfabrik Schumann in Werdau zur Abholung bereit.

Foto: Sammlung Volker Vondran

Seit dem 22. Februar 1892 ist in Gera die zweite elektrische Straßenbahn in Deutschland im Einsatz. Im Jahr 1934 fasste die Kraftwerk und Straßenbahn AG den Entschluss, auch das Ostviertel zu erschließen. Es wurden eingehende Untersuchungen angestellt, welches Verkehrsmittel für diesen Zweck besser geeignet wäre.

Der ursprüngliche Gedanke, die Straßenbahn zu erweitern, musste damals wegen baulicher Schwierigkeiten aufgegeben werden. Nach sorgfältigen Berechnungen entschied sich die Gesellschaft für Dieselbusse. Dafür sprach die Möglichkeit, die vorerst freizügig gewählte Linienführung an die Wirtschaftlichkeit anzupassen. Über die Jahre wurde die Linienführung tatsächlich mehrfach geändert, was diese Entscheidung bestätigt. Ein weiterer Grund war, dass der O-Bus in Deutschland erst am Anfang der Entwicklung stand: Im Jahr der Planungen 1934 waren in Deutschland erst sieben O-Busbetriebe eröffnet. Es erschien für die Geraer Verhältnisse zu gewagt, zu jener Zeit schon den O-Busbetrieb einzuführen. Doch der Gedanke war damit nur zurückgestellt.

Mit dem bestehenden Konzessionsvertrag wurde am 20. Juli 1935 eine Omnibuslinie auf der Strecke Kaserne – Hauptbahnhof – Stadtzentrum mit Umsteigestellen zur Straßenbahn an der Tonhalle (heute Puschkinplatz) und Johannisplatz, dann weiter zum Markt nach Leumnitz eröffnet. Während der Zeit von 11 bis 16 Uhr wurden sämtliche Omnibusse bis zum Ostfriedhof gefahren. Zeitgleich wurde der Straßenbahnabschnitt Hauptbahnhof – Roßplatz für kurze Zeit eingestellt und nach einer Linienänderung im beschränkten Umfang wieder in Betrieb genommen.

In einer Tageszeitung hieß es zur Eröffnung der neuen Linie: „Auf der Autobuslinie werden die Wagen im Rahmen der Reichsverkehrsordnung mit höchstzulässiger Beschleunigung fahren, denn man will den Erfordernissen der Leistungssteigerung auch hierdurch Rechnung tragen“. Zum Einsatz kamen vier fabrikneue Omnibusse der Firma Daimler-Benz mit einem Karosserieaufbau der Firma Fahrzeugbau Schumann in Werdau mit den Nummern 41 bis 44.

Drei Jahre später eröffnetdie Linie zum Krankenhaus

Am 23. November 1938 wurde die Omnibuslinie bis zum Krankenhaus verlängert und der Abschnitt der Straßenbahn vom Roßplatz (Heinrichstraße) bis Dahliengarten eingestellt. An jedem Mittwoch und Sonntag konnte aber wieder die Straßenbahnlinie bis Dahliengarten mit Lösung eines Omnibus-Umsteigefahrscheines genutzt werden. Am 2. November 1939 stellte man die Buslinie vom Roßplatz zur Kaserne nun doch noch auf O-Busbetrieb um, weil die Fahrzeuge mehr Platz boten und die Betriebskosten wegen der Kraftstoffpreise stiegen.

Städtischer Nahverkehrsbetriebseit Juli 1949

Gera blieb während des Zweiten Weltkrieges zunächst von größeren Bombenangriffen verschont. Am 6. April 1945 versank jedoch ein Großteil der Stadt in Schutt und Asche. Bahnanlagen, Bahnhöfe und Industrieanlagen waren neben dem Stadtzentrum am stärksten von diesen Zerstörungen betroffen. Auch an Fahrzeugen und Anlagen der Straßenbahn-Gesellschaft waren Verluste zu verzeichnen. Von den nicht von der Wehrmacht beschlagnahmten Omnibussen wurde ein Fahrzeug total zerstört. All dies führte auch dazu, dass im Jahr 1946 von der Deutschen Reichspost mehrere Omnibusse verschiedener Typen übernommen wurden.

Am 1. Juli 1949 ging der Verkehrsbetrieb als kommunales Eigentum an die Stadt Gera über. Bis zur Bildung des VEB (K) Städtischer Verkehr Gera im Jahr 1951 lautete die Betriebsbezeichnung „KWU-Verkehrsbetriebe“. An den Fahrzeugen stand zwischenzeitlich auch „Städtische Verkehrsbetriebe“.

1950 erfolgten weitere Eingemeindungen von Vororten. Im gleichen Jahr wurde die erste Omnibuslinie als Vorortverbindung von der Endstelle der Straßenbahn in Tinz nach Langenberg in Betrieb genommen. Für die Werktätigen mehrerer Industriebetriebe im Norden der Stadt verbesserten sich die Verkehrsverbindungen mit kurzen Umsteigewegen in Tinz.

Als 1952 die fünf Länder der DDR aufgelöst und Bezirke gebildet wurden, erhielt Gera den Status einer Bezirkshauptstadt des gleichnamigen Bezirkes. Am 1. August 1952 erfolgte die Erschließung der Westvororte Windischenbernsdorf, Scheubengrobsdorf und Frankenthal mit städtischen Omnibussen. In den Jahren 1952 bis 1954 wurden vom VEB Kraftverkehr Gera alle Personenverkehrsleistungen übernommen. Danach gingen alle Fernlinien wieder an den Kraftverkehr zurück. Im Jahr 1953 lieferten die Ikarus-Werke in Ungarn die ersten fünf Busse vom Typ Ikarus 30 nach Gera. Diese bewährten sich jedoch nicht und gelangten bereits 1955 nach Neuhaus.

Seit 1954 ist Liebschwitzper Bus erreichbar

Eine Buslinie von der Zwötzener Kammgarnspinnerei nach Liebschwitz konnte am 15. Oktober 1954 den Betrieb aufnehmen. Aus Mangel an Fahrzeugen kam in dieser Zeit auch eine Lkw-Zugmaschine mit Omnibus-Anhänger zum Einsatz. Bis 1959 wurden aber alle Bus-Anhänger aus den Kriegsjahren verschrottet und im Jahr 1957 nochmals zwei fabrikneue Anhänger aus dem VEB Mähdrescherwerk in Weimar vom Typ W 701 beschafft. Im Jahr 1955 lieferte das Ikarus -Werk den neuen Typ Ikarus 601 in Stadt- und Landausführung nach Gera. Der Unterschied bestand in den Falttüren beziehungsweise Schlagtüren.

In den folgenden Jahren kamen auch neue Omnibusse aus der Produktion der Waggonbaubetriebe in Werdau und Ammendorf unter der Typenbezeichnung H6B nach Gera. Diese waren in Stadt- und Landausführung verfügbar, wobei die Stadtausführung eine automatische Schiebetür hatte. Ab 1958 war auch der Vorort Weißig mit dem städtischen Busnetz erreichbar. 1961 schließlich wurde die inzwischen installierte Linie in den Vorort Rubitz über Töppeln bis nach Frankenthal verlängert.

Im Jahr 1959 wurde der gesamte Wagenpark des Verkehrsbetriebes umnummeriert. Die Straßenbahn-Triebwagen erhielten die Wagen-Nummern ab 101, die Beiwagen ab 202, die vorhandenen O-Busse wurden jetzt unter den Nummern 301 bis 306 eingereiht. Für die Omnibusse wurde die Reihe ab 401 eröffnet und die beiden noch vorhandenen Bus-Anhänger 92 II und 93 II wurden zu 501 und 502.

Neue Wagennummern, neue Linien und modernisierte Omnibustypen

Auch aus ungarischer Produktion konnten in dieser Zeit weitere neue Ikarus 601 in Gera eingesetzt werden. Neue Fahrzeuge waren auch notwendig, da in den Folgejahren weitere neue Buslinien in Betrieb genommen wurden. So begann die Linie nach Liebschwitz jetzt bereits am Wintergarten und am 16. Dezember 1960 wurde diese Linie durchgehend von Liebschwitz über Wintergarten nach Frankenthal betrieben.

Die Ikarus-Werke lieferten den weiterentwickelten Typ IKARUS 66, auch wieder in den Varianten Stadt und Land. Der Vorteil der Stadtausführung (IKA 66 S) war die Ausstattung mit drei Türen für einen schnelleren Fahrgastwechsel. Mit Eintreffen dieser Fahrzeuge war es möglich, die inzwischen verschlissenen Ikarus-Busse der ersten Lieferungen auszusondern. Einige ausgewählte Busse von Typ H6B erhielten bei der Geraer Karosseriebaufirma Fritz Fleischer eine Überholung beziehungsweise zwei H6B wurden dort zu Reisebussen umgebaut.

Zur Firma Fleischer bestanden damals hervorragende geschäftliche Beziehungen. In der Folge wurden diese umgebauten Busse für viele andere Busbetriebe zum Vorbild für Überholung oder Umbau ihrer Fahrzeuge bei dieser Firma.

Die zentrale Haltestelle war in den 1960er Jahren in der Talstraße

Am 1. Oktober 1964 war das für den Bergbaubetrieb Wismut AG extra neugebaute Krankenhaus ab Talstraße mit einer neuen Buslinie erreichbar.

Bereits zu dieser Zeit wurde aus Gründen des Umweltschutzes an eine Verlängerung der vorhandenen O-Buslinie gedacht. Die neue Betriebsbezeichnung lautete inzwischen „VEB (K) Verkehrsbetriebe der Stadt Gera“ und durch den Aufbau des Stadtzentrums kam es immer wieder zu Verlegungen der zentralen Busankunft- und Abfahrtsstellen. Von dem ersten, nach dem Krieg angelegten Busaufstellplatz neben der Schülerstraße und dem bekannten „Café Vaterland“ war die Talstraße zur zentralen Stelle für die Omnibusse geworden. Später erfolgte eine nochmalige Verlegung in die Ernst-Thälmann-Straße (heute Reichstraße).