Sorgen im Vorzeigebetrieb: Kaum Absatz für Schutzmasken aus Gera

Gera.  Thorey in Gera entwickelt Spezialtextilien. Doch die Bürokratie verhindert den Erfolg: Die Thüringer Schutzmasken finden noch keine massenhaften Abnehmer.

Entwicklungs- und Laborleiter Marcel Bäuml von der Thorey Gera Textilveredlung GmbH zeigt das wiederverwendbare Ölbindevlies Thor-Oil-Absorber, das in der Lage ist, das bis zu Zehnfache seines Eigengewichtes an Öl aufzusaugen.

Entwicklungs- und Laborleiter Marcel Bäuml von der Thorey Gera Textilveredlung GmbH zeigt das wiederverwendbare Ölbindevlies Thor-Oil-Absorber, das in der Lage ist, das bis zu Zehnfache seines Eigengewichtes an Öl aufzusaugen.

Foto: Peter Michaelis

Der Textilveredler in der Langen Straße in Zwötzen ist ein Vorzeigeunternehmen, wenn es um die Industrielle Gemeinschaftsforschung geht. Seit die Thorey Gera GmbH 1994 vom Urenkel des Firmengründers in Gera zur Ausrüstung von Textilien neu gegründet wurde, wirkt sie in projektbegleitenden Ausschüssen mit. „Wir sagen vorsichtshalber ja, man weiß ja nicht, was morgen gebraucht wird“, meint Geschäftsführer Andreas Ludwig. „Außerdem lernt man so Leute kennen“.

Diesen Vorteil nutzte das fast 50 Mitarbeiter zählende Unternehmen dieses Frühjahr. „Am 28. März rief die Landesentwicklungsgesellschaft bei uns an, ob wir Material für Schutzmasken herstellen können“, erzählt Ludwig. Ein Verbund Thüringer Unternehmen schaffte es in gut fünf Monaten aus eigener Kraft, dass die Firma Thorey auf in Thüringen gefertigten Maschinen, Vlies produziert, das zudem im Freistaat konfektioniert wird.

„Die Schutzmasken sind das beste Beispiel, dass der Mittelstand das Rückgrat unserer Wirtschaft ist“, erklärt am Mittwoch Andrea Weißig, Geschäftsführerin Forschungspolitik der industriefinanzierten Arbeitsgemeinschaft industrieller Forschungsvereinigungen „Otto von Guericke“ e.V., beim Besuch in Zwötzen. „Ich hoffe, dass man sich an das im März Gesagte erinnert. Was hiesige Firmen produzieren, muss auch hier gekauft und angewendet werden“, formulierte der Thorey-Geschäftsführer durch die Blume. Auf Nachfrage erklärt er, dass bis auf wenige tausend Stück Masken, die von Schulen oder Apotheken bestellt wurden, das Potenzial nicht genutzt werde.

Die hauptsächlich für das medizinische Personal hergestellten Masken würden den Normen für FFP 2 und FFP 3-Masken entsprechen, weil sie entsprechend dieser Vorgaben gefertigt werden, so Ludwig. Die Zertifizierung als FFP 2-Maske verzögere sich, weil es nur zwei Zertifizierungsstellen in Deutschland gebe.

Beim Technischen Hilfswerk gescheitert

Als Reaktion auf das Tankerunglück am 25. Juli vor Mauritius entwickelte die Geraer Firma ihr ölbindendes Vlies Thor-Oil-Absorber, das - so sagt Ludwig - sogar bis zum Zehnfachen seines Eigengewichtes an Öl binden kann. Der veredelte Vliesstoff saugt das auf dem Wasser schwimmende Öl auf und kann - und das ist das Besondere - ausgewrungen erneut eingesetzt werden. Zum Produktionsstart Anfang September war Thüringens Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) zu Gast. Allein der Absatz des Produktes sei schwierig. Beim Technischen Hilfswerk sei man zunächst gescheitert, Feuerwehren wurden angesprochen, auch Kfz-Werkstätten seien als Abnehmer denkbar.

Bundestagsabgeordnete Elisabeth Kaiser (SPD) aus Gera, die am Mittwoch das Unternehmen besuchte, schob die Zurückhaltung auf das Vergaberecht, das den Zuschlag für die günstigsten Angebote vorsieht und schlug eine neue Betrachtung von „Produkten für die kritische Infrastruktur“ vor. Zudem bot sie sich an, mit dem Technischen Hilfswerk ins Gespräch zu kommen.

Die Anwesenheit der Politikerin nutzte Ludwig, um von seinen „mörderischen Sorgen“ beim Brennstoffemmissionshandelsgesetz zu sprechen. Ab 2021 würde es 41.000 Euro Mehrausgaben wegen der CO2-Steuer bedeuten.

„Unternehmen in Ostthüringen“: Thorey Textilveredelungs GmbH - Nominiert
„Unternehmen in Ostthüringen“: Thorey Textilveredelungs GmbH - Nominiert