Spaziergang mit Folgen in Gera: Blaue Flecke, triefnasser Hund und geschrotteter Kinderwagen

Gera.  Der Spaziergang auf dem Elsterweg wird der gebürtigen Geraerin Nadine Boese noch lange in Erinnerung bleiben.

Nadine Boese nochmals am  versperrten Abschnitt des Elsterradweges. Der Kinderwagen ist neu, der erste hat das Flussbad nicht überstanden.

Nadine Boese nochmals am  versperrten Abschnitt des Elsterradweges. Der Kinderwagen ist neu, der erste hat das Flussbad nicht überstanden.

Foto: Christiane Kneisel

Cocoa sträubt sich mit allen vier Pfoten. Die kleine Hündin will den Weg partout nicht weiterlaufen. Sie scheint zu ahnen, dass ihr Frauchen erneut jene Route einschlägt, die ein gefährliches Bad in der Elster mit sich brachte. Nadine Boese will jenes Geschehen vom vergangenen Donnerstag noch einmal rekapitulieren. Denn diesen Spaziergang auf dem Elsterweg wird die 35-Jährige nicht so schnell vergessen. Er bescherte der jungen Mutter einen riesigen Schreck, viele blaue Flecke, einen kaputten Kinderwagen und einen beinahe ertrunkenen Hund.

Rückblick: Nadine Boese, gebürtige Geraerin und Wahl-Hamburgerin, ist für mehrere Wochen auf Heimatbesuch bei ihrer Familie. Das schöne Wetter verleitet sie zu einer ausgiebigen Tour von Bad Köstritz nach Gera. Mit Söhnchen Tim im Kinderwagen und Hund läuft die 35-Jährige den sonnigen Elsterweg entlang, flussabwärts rechtsseitig gelegen. Alles ist wunderbar, bis sie an jene zwei Tore kommt, die quer über den Weg führen und auf diese Weise offensichtlich einige Meter Privatgrund markieren. „Ich kannte das Hindernis gar nicht. Das ist ein Unding, denn augenscheinlich ist es ja ein öffentlicher Weg“, sagt Nadine Boese.

Wagen rutscht den Abhang hinunter

Um das zweite Tor zu umgehen, bleibt ihr nichts weiter übrig, als die Tasche mit Baby Tim vom Gestell des Kinderwagens zu lösen und alles einzeln um das Tor herum zu tragen. Denn der Pfad, noch dazu am steilen Hang, erweist sich als viel zu schmal, um den Kinderwagen schieben zu können.

„Ich trug Tim in der Wagenwanne um das Tor herum. In dem Moment rutschte der Wagen, den ich parallel zum Ufer mit arretierter Bremse abgestellt hatte, wie ein Schlitten den Hang hinunter. Der Hund saß angeleint im Korb“, erzählt die junge Mutter. Wie sie den Hang hinunter kam, kann sie nicht mehr rekapitulieren.

Sie erinnert sich nur noch daran, dass sie im nächsten Moment mehr als knietief in der Elster stand und ihren „kleinen Seelenhund“ triefnass aus dem Fluss zog. Vom Kinderwagengestell konnte sie nur noch kaputte Einzelteile herausfischen.

Passanten helfen beherzt

Vorbeikommende Passanten ziehen Nadine Boese beherzt aus den Fluten, denn allein gelingt es ihr nicht, die hohe Böschung voller Gras zu überwinden. Sie versorgen sie mit einem wärmenden Schal und verständigen gleichfalls Angehörige der jungen Mutter. „Die Helfer waren total entsetzt über das Geschehen. Zum Glück war mein Kind okay, der Hund lebte und ich hatte mir offensichtlich auch nichts gebrochen“, erzählt sie. Weitere Spaziergänger begleiten sie zum nächstgelegenen Parkplatz.

„Selbst Passanten erzählten mir, dass sie schon sehr häufig ältere Leute gesehen hätten, die mühevoll diese Hindernisse umgehen, teils abrutschen auf den schmalen Pfaden oder umknicken. Wenn schon Privatgrund markiert werden muss, wieso auf solch massive und riskante Art und Weise? Würden nicht auch große Steine dieselbe Wirkung erzielen und wären ungefährlicher? Die Tore ergeben für mich keinen Sinn“ meint Nadine Boese.

Hinweis am Anfang des Weges fehlt

Ein einziges Schild weist auf einer Seite eines Tores darauf hin: „Betreten auf eigene Gefahr für Fußgänger und Radfahrer.“ „Wäre nicht schon am Anfang des Weges ein Hinweisschild angebracht, damit Spaziergänger noch einen alternativen Weg wählen könnten?“ gibt Nadine Boese zu bedenken. Sie jedenfalls wird künftig diesen Weg meiden und ist froh, dass im entscheidenden Moment viele aufmerksame Helfer zur Stelle waren. „Ein riesengroßes Dankeschön an alle, die mir halfen. Das war total nett und ist in heutiger Zeit keinesfalls selbstverständlich.“