Stadt in der Kritik wegen Nein zu Eigenheim-Projekt in Gera-Langenberg

Marcel Hilbert
| Lesedauer: 4 Minuten
Wolf-Dietrich Göhring an dem Grundstück im Langenberger Glockenweg, auf dem elf Wohnhäuser entstehen könnten. 

Wolf-Dietrich Göhring an dem Grundstück im Langenberger Glockenweg, auf dem elf Wohnhäuser entstehen könnten. 

Foto: Marcel Hilbert

Gera-Langenberg.  Ein Eigenheim-Vorhaben sorgt derzeit im Geraer Ortsteil Langenberg für Diskussionen. Oder besser: die städtische Ablehnung desselben und die Begründung dafür.

Ein Eigenheimprojekt sorgt derzeit im Geraer Ortsteil Langenberg für Diskussionen. Oder besser: die städtische Ablehnung desselben und die Begründung dafür. Es geht um einen Eigenheimstandort im Glockenweg, an dem elf Häuser entstehen könnten.

Die Fläche, rund 9400 Quadratmeter, ist derzeit eine landwirtschaftlich genutzte Wiese inmitten eines Wohngebietes, umgeben von Wohnhäusern – und im Flächennutzungsplan (FNP) bislang ebenfalls als Wohnbaufläche ausgewiesen. Weil der Eigentümer die Bewirtschaftung dieser Fläche aufgeben möchte, habe er im März 2020 die Bauberatung Göhring eingeschaltet, um es als Bauland für Häuslebauer zu vermarkten, sagt Wolf-Dietrich Göhring. Der wiederum habe auf eine Bauvoranfrage und weitere Gespräche aus dem Geraer Bauamt zu verstehen bekommen, dass es hier einen Bebauungsplan brauche.

Die erforderlichen Unterlagen habe er zusammen mit einem Planungsbüro eingereicht und damit im Juni die Einleitung des Bebauungsplanverfahrens „Wohngebiet Glockenweg“ beantragt. Parallel seien einige Tausend Euro in weitere vorbereitenden Leistungen investiert worden. Immer auf Basis des rechtskräftigen Flächennutzungsplans und der bisherigen Gespräche mit der Bauverwaltung, sagt Göhring. Umso überraschter waren die Beteiligten, als im Februar 2021 bereits die formale Einleitung des B-Plan-Verfahrens vom Baudezernat abgelehnt wurde.

Kommentar: Seltsames Vorgehen

Begründet wird dies mit der derzeitigen Neuaufstellung des Flächennutzungsplanes 2035 und der parallelen Überarbeitung der Entwicklungskonzeption Wohnen. Dabei sei für die betreffende Entwicklungsfläche Stublach, Langenberg festgestellt worden, „dass mit einer Wohnungsbauentwicklung des Standortes keine besonderen Stabilisierungseffekte für den direkten Nahbereich bzw. den Stadtteil erkannt werden können“. Unter dem Hinweis auf stagnierende Bevölkerungsentwicklung und eine stark reduzierte Bedarfsberechnung für Wohnungsneubau nennt das Baudezernat als vordergründiges strategisches Ziel die Nachnutzung von Bestandsimmobilien. Die Fläche im Glockenweg komme vielmehr für Maßnahmen zum Biotopverbund oder als naturschutzrechtliche Ausgleichsfläche in Frage.

Eine Argumentation, die Ortsteilbürgermeister Matthias Kirsch auf die Palme bringt. „Vor Kurzem sollten wir, damit Gera ja wieder 100.000 Einwohnern bekommt, zuliefern, wo im Ortsteil jungen Leuten Bauland angeboten werden kann“, sagt er: „Es wird von Straßenbahnen und S-Bahn-Takt gesprochen und auf einmal soll es in Langenberg keine Wohnbauentwicklung mehr geben?“ Die ersten Interessenten, von denen es laut Göhring einige gebe, habe man bereits an den Landkreis Greiz verloren.

Wesentlicher Kritikpunkt ist, dass auf städtebauliche Ziele und einen Erarbeitungsstand Bezug genommen wird, die weder Stadtrat noch Ortsteilrat kennen würden. Das betonte in der Ortsteilratssitzung vorige Woche auch Vermesser Ralf Bornkessel, der nicht nur in das Projekt selbst involviert ist, sondern als ehemaliger Stadtrat und Mitglied des Bürgerforums „Leben, Wohnen, Umwelt“ seit Längerem den Finger in die FNP-Wunde legt und die frühe Beteiligung der Akteure vor Ort fordert. „Der bestehende Plan gilt fort, auch weil wir es nicht geschafft haben, den neuen rechtzeitig aufzustellen und zu beschließen“, sagte er. Es sei noch nicht einmal ein Entwurf bekannt.

Gar als „investitions- und ansiedlungsfeindlich“ erscheint der IHK die Ablehnung des B-Plan-Verfahrens mit Verweis auf die üblicherweise mehrjährige Neuaufstellung des FNP, ohne dass sich politische Gremien damit befasst haben. Die IHK spricht sich im Sinne ihres Mitgliedsunternehmens Göhring gegen dieses Vorgehen und für die Einleitung eines B-Plan-Verfahrens aus. Dann könnten in eine Abwägung die Einschätzungen zum Projekt von allen Seiten einfließen.

Als Vertreter der Stadt war Umweltamtsleiter Konrad Nickschick, stellvertretender Baudezernent, zu diesem Thema in die Ortsteilratssitzung gegangen. Allerdings nicht um öffentlich konkrete Bauvorhaben wie dieses und ein ähnlich gelagertes im Heuweg zu kommentieren oder gar neu zu entscheiden. Er sicherte aber in beiden Fällen noch einmal gemeinsame Vor-Ort-Termine zu. Nickschick räumte ein, dass man beim FNP noch nicht so weit sei, wie man gern wäre und begründete das unter anderem mit Personal-Fluktuation. Dass die Verwaltung eine Idee formuliert, wie sich die Stadt entwickeln soll, verteidigte er. Dennoch verwies er auf gewissen Ermessensspielraum. Kirsch sprach sich für zeitnahe Termine aus, der Ortsteilrat per Votum für ein investorenfreundlicheres Agieren der Stadt.