Städtische Grünpflege soll in Gera ökologischer werden

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Wilder Raps und blühender Klee.

Wilder Raps und blühender Klee.

Foto: pixabay/Stadtverwaltung Gera

Gera.  Gera beantragt Teilnahme am Projekt „Mehr Natur in Dorf und Stadt“

Bisher werden die kommunalen Grünflächen im Stadtgebiet Gera mehrheitlich konventionell nach wirtschaftlichen und optischen Kriterien gepflegt. Das soll sich jetzt ändern: Am 28. Mai 2021 hat die Stadt beim Thüringer Landesamt für Umwelt, Bergbau und Naturschutz einen Antrag auf die Teilnahme am Projekt „Mehr Natur in Dorf und Stadt – Thüringenweiter Wettbewerb zur Förderung der Insektenvielfalt in der Kommune“ gestellt. Ziel ist es, mit geeigneten Maßnahmen die insektenfreundliche, pestizidfreie Pflege und Unterhaltung von kommunalen Flächen zu unterstützen.

Statt vieler Schnitte pro Jahr, wird Fläche nur einmal gemäht

Im Wesentlichen geht es in diesem Zusammenhang um die Nutzungsumstellung eines bislang überwiegend intensiven Mahd-Rrgimes auf extensive Pflege. Uwe Schleicher, Leiter der Abteilung Grünpflege des städtischen Amtes für Stadtgrün, erklärt den Unterschied: „Bei einem intensiven Mahd-Regime sprechen wir von vielen aufeinanderfolgenden Rasenschnitten innerhalb der Vegetationszeit. Bereits bei Wuchshöhen ab zehn bis 15 cm beginnt die Bearbeitung der Flächen und der Zuwachs wird permanent entfernt. Damit kommen Gräser und Wildblumen niemals zur Blüte. Extensive Pflege bedeutet, dass die ausgewählten, vorzugsweise großen zusammenhängenden Flächenkomplexe wie etwa zukünftig in Bieblach-Ost nur einmal im Jahr einer Mahd unterzogen werden. Damit können sich Gräser und Wildblumen ungehindert entwickeln. Das wiederum verbessert das Mikroklima und schafft Lebensraum und Nahrung für unterschiedliche Insektenarten.“ Gleichzeitig würden durch die jährliche Mahd sogenannte „Sukzessionsprozesse“, also das schrittweise Entstehen eines herkömmlichen Mischwaldes verhindert. „Technisch betrachtet kommen bei einer extensiven Pflege ganz andere Maschinen zum Einsatz. Es ist ein großer Unterschied, ob das Gras eine Wuchshöhe von 15 cm oder von über einem Meter hat. Daher muss unser Technikpark entsprechend erweitert werden“, führt Uwe Schleicher weiter aus. Eine mehrmalige Mahd auf den ausgewählten Flächen erfolge künftig ausschließlich in den etwa eine Mäherbreite tiefen Randbereichen zu Gehwegen und Straßen. Damit soll verhindert werden, dass der Bewuchs, welcher Höhen von 1,20 m bis 1,50 m erreichen kann, bei Starkregen auf die Verkehrswege fällt. Das aktuell gemeldete Flächenpotenzial beträgt rund 14 Hektar. Bei Bestätigung des Projektvorschlags kann die zur Bewirtschaftung benötigte Technik wie etwa Hochgras- und Gestrüppmäher um bis zu neunzig Prozent gefördert werden. Die Laufzeit des Programms ist auf zunächst fünf Jahre festgeschrieben. Über den Fortgang der Maßnahmen erfolgen Fotodokumentationen und ein Monitoring zur Entwicklung der Artenvielfalt. Langfristiges Ziel ist es, weitere Grundstücke einzubeziehen. Mit der Entscheidung über die Teilnahme der Stadt Gera am Wettbewerb wird im September 2021 gerechnet.