"Sternberger" in Untermhaus und Bieblach: Urenkelin über Übernahme des Namens verärgert

Als Ostern die wiedereröffnete Gaststätte "Grüne Mulde" im gleichnamigen Bieblacher Park mit der Annonce "Café Sternberger - das Original für sich warb, war Julia Eschenbach, die Urenkelin des einstigen Café-Gründers Karl Sternberger, nicht nur erstaunt, sondern auch verärgert.

Untermhaus/Bieblach. "Unser Familienunternehmen gibt es seit dem 1. August 2010 nicht mehr, es hat mit der der Insolvenz aufgehört zu existieren." Das Café im Haus ihres Urgroßvaters, in dem sie aufgewachsen ist und mit dem sie viele Erinnerungen an die Arbeit ihrer Eltern verbinde, werde nun von der Familie Kräutlein unter dem Namen Caféhaus "Zum Sternberger" weiter geführt. Damit werde eine traditionsreiche Gaststätte mit modifiziertem Gebäck erhalten, was die Nachkommen Karl Sternbergers natürlich freue - und die Untermhäuser auch. Sowohl ihre als auch die Familie Kräutlein würden jetzt darauf angesprochen, ob sie ein zweites Café in Bieblach aufgemacht hätten, das stifte Verwirrung.

Die Original Sternberger Rezepturen seien in Familienbesitz. Original-Zutaten wie auch den Backofen von 1926 gebe es nicht mehr, von Original Sternberger könne deshalb keine Rede sein, sagt Julia Eschenbach, künftige Tanzlehrerin. "Man kann nicht einfach unseren Namen in ein Gebäude reinpacken, das dem Charakter unseres einstigen Cafés nicht entspricht. Respektvolle, menschliche Zurückhaltung vermisse ich hier."

In der ehemaligen "Grünen Mulde" in Bieblach meldet man sich am Telefon mit "Café Sternberger". Geschäftsführer Joachim Kamphenkel hat damit kein Problem: "Ich habe das Café von Frau Eschenbach als Unternehmensgesellschafter (UG) notariell übernommen, als sie in die Insolvenz ging. Es hat so stets weiter existiert mit einer Ruhephase von Januar 2013 bis jetzt zur Neuereröffnung in Bieb­lach und ist auch weiter so angemeldet geblieben."

Gäste im Stammhaus in Untermhaus, die aus Bieblach kamen, meinten: "Wir freuen uns natürlich, dass Bieblach ein gastronomisches Objekt zurück hat. Warum muss es unbedingt Sternberger heißen? Wenn die Qualität der Torten stimmt, und die Atmosphäre gut ist, dann kommen die Gäste auch so."

Am vergangenen Sonntag gab Günter Schimm, ehemaliger Kapellmeister an den Bühnen der Stadt Gera, sein 209. Kaffeehaus-Konzert im Stammhaus in der Gutenbergstraße. "Das war meine Idee anlässlich des 100. Jubiläums von Café Sternberger 2009, die ich mir in den Kaffeehäusern von Wien und Budapest abgeguckt habe. Das kommt hier jeden Sonntag 15 Uhr sehr gut an." Lakonisch fügt er hinzu: "Egal, wie man das Ding auch nennt - in Untermhaus wird es für die Geraer das Café Sternberger bleiben und in Bieblach die Grüne Mulde."