Techno ist kein Verbrechen: 3 Geraer mit Studio für elektronische Musik

Drei Geraer haben sich in einem Keller in der Greizer Straße ein Studio eingerichtet, in dem Nachwuchsmusiker und -DJs elektronische Musik für lau aufnehmen und produzieren können. Eine Veranstaltungsreihe ist geplant.

Kay Zimmermann, Christian Glück und Sebastian Donath-Franke wollen Nachwuchskünstlern im Bereich elektronischer Musik eine Plattform bieten.

Kay Zimmermann, Christian Glück und Sebastian Donath-Franke wollen Nachwuchskünstlern im Bereich elektronischer Musik eine Plattform bieten.

Foto: zgt

Gera. Es soll weder ein "Hobby-Keller für Halbrentner" sein, noch ein Jugendclub. "Wir wollen auch nicht die Sozialarbeiter spielen", sagt Sebastian Donath-Franke. Alles geschehe nur aus Liebe zur Musik. Zur elektronischen Musik.

Gemeinsam mit Kay Zimmermann und Christian Glück – "alle Mittdreißiger, die seit Mitte der 1990-er auf Techno stehen" – hat Donath-Franke den Keller eines Wohnblocks in der Greizer Straße zum Studio ausgebaut. Mit dem hier installierten DJ- und Produzenten-Equipment wollen sie nun unter dem Banner "Techno is not a crime!" (Techno ist kein Verbrechen) Nachwuchsmusikern die Chance geben, die Schritte vom heimischen Rechner in die Öffentlichkeit zu gehen. Im ersten Schritt geht es darum, die Hobbyklangtüftler an die Studiotechnik zu holen. "Ist er DJ, kann er bei uns einen so genannten Guest-Mix aufnehmen", sagt Donath-Franke. Dafür stünden Plattenteller und CD-Mischpult zur Verfügung. Andererseits können am Computer Songs komponiert, produziert, vorproduzierte Titel gemastert werden. Bezahlen müssten die Nachwuchsmusiker nichts für die Arbeit in dem "kreativen Raum" des Trios. Dieses erhofft sich damit nicht nur, neue Gleichgesinnte zu finden oder Talente zu entdecken. Durch das so aufgebaute Netzwerk soll es später eine Veranstaltungsreihe unter dem Namen "Techno is not a crime!" geben. "Wenn die Zeit dafür reif ist", sagt Christian Glück. Am Sonnabend soll es eine erste Kostprobe davon im Neo geben. "Viele Leute haben nie die Möglichkeit, aus dem Privaten herauszukommen, wir wollen sie aus der Anonymität holen", so Glück. Großer, wenn auch noch weit entfernter Traum wäre ein kleines Festival in Gera.

"Wir wollen mit solchen Veranstaltungen neue Akzente setzen und auch Generationen zusammenführen", sagt Sebastian Donath-Franke. Auf der einen Seite die "Älteren" wie ihn und seine Mitstreiter, die trotz "Ernst des Lebens" nie aufgehört haben, Techno zu hören. Auf der anderen Seite die Jüngeren, die heute die Musik für sich entdecken. Mit diesem generationsübergreifenden Ansatz wolle man gleichzeitig gegen gängige Klischees arbeiten. "Techno wird oft mit negativen Schlagzeilen in Verbindung gebracht, Drogen zum Beispiel", sagt Donath-Franke: "Techno ist aber nichts Kriminelles, sondern Kultur."

Das Trio wolle mit seinen Techno-Partys einen nicht kommerziellen Ansatz verfolgen. "Wir haben alle Berufe, sind also nicht so sehr auf den kommerziellen Erfolg der Veranstaltung angewiesen", erklärt Donath-Franke. Bei ihnen sei elektronische Musik nicht nur Mittel zum Zweck, um die Tanzfläche voll zu bekommen, die Musik soll im Mittelpunkt stehen. Sicher wären sie nicht traurig, wenn dabei zumindest ihre Unkosten gedeckt würden. "Wenn tatsächlich Geld übrig bleibt, soll es ins Studio investiert werden." So fehle zum Beispiel noch eine Gesangskabine. "Und wenn’s nicht klappt", sagt Kay Zimmermann mit breitem Grinsen, "dann sterben wir als elektronische Märtyrer."

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