Fünf Tipps für eine gute Eltern-Kind-Beziehung

Gera.  Eine Geraer Kinderpsychologin erklärt, warum Gewalt in jeglicher Form ein absolutes Tabu ist.

Die Eltern-Kind-Beziehung prägt fürs Leben.

Die Eltern-Kind-Beziehung prägt fürs Leben.

Foto: Friso Gentsch / dpa

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Die Beziehung zu den Eltern ist die erste Verbindung, die ein Mensch eingeht. Sie ist entscheidend für die seelische Entwicklung, prägt fürs Leben. Bei vielen Kindern, die etwa durch soziales Fehlverhalten, ADHS, Angststörungen oder Depressionen auffallen, sei die Eltern-Kind-Beziehung mit beeinträchtigt, sagt Psychotherapeutin Martina Fröhlich-Frank. Sie arbeitet in der Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie, die das Asklepios-Fachklinikum Stadtroda in Gera-Lusan betreibt.

Wie entwickelt man eine gute Eltern-Kind-Beziehung? Martina Fröhlich-Frank nennt fünf Punkte:

  1. „Essenziell ist die bedingungslose Liebe der Eltern zu ihren Kindern“, betont die Psychologin. Es sei wichtig, die Kinder so anzunehmen und zu lieben, wie sie sind. In die Kinder sollten keine überzogenen Erwartungen, etwa in Hinblick auf Talente, schulische Leistungen, Sportlichkeit oder Aussehen hineinprojiziert werden.
  2. Eltern sollten sich bei der Erziehung auch auf ihre Intuition verlassen. Die meisten Mütter und Väter verfügen über ein natürliches Gespür, wie sie richtig auf die Bedürfnisse des Nachwuchses eingehen, das heißt, sie reagieren feinfühlig und altersangemessen. „Man sollte sich und die Erziehung nicht ständig in Frage stellen“, sagt Fröhlich-Frank.
  3. „Ein absolutes Tabu ist Gewalt jeglicher Form“, unterstreicht die Psychotherapeutin. Laut Studien geben noch immer 40 Prozent der Eltern zumindest manchmal „einen Klapps auf den Po“. 10 Prozent geben Ohrfeigen, 4 Prozent der Kinder müssen grobe körperliche Gewalt ertragen. Das ist nicht nur gesetzlich verboten, sondern schädigt auch die Bindung des Kindes zu den Eltern. „Ansichten, wie ‚Ein Klapps hat noch niemandem geschadet‘ sind längst wissenschaftlich widerlegt“, sagt Martina Fröhlich-Frank. Nicht weniger problematisch sei seelische Gewalt, die etwa durch laute Beschimpfungen und Demütigungen ausgeübt werde.
  4. Das Maß erzieherischer Konsequenz sollte sich möglichst am Kind orientieren. Manche Kinder, die in ihrer Selbstwahrnehmung und Selbstregulation eingeschränkter sind, benötigten klarere Regeln, Strukturen, eindeutige Signale und Grenzen, sagt Fröhlich-Frank. Andere seien hingegen so sensibel, dass sie bereits auf einen strengen Blick reagierten.
  5. „Eltern sollten ihren Kindern nicht zu wenig zutrauen“, rät die Psychologin. „Kinder müssen lernen, sich durchzubeißen.“ Denn Überbehütung erziehe zu Unsicherheit und Unselbstständigkeit.

Über die Geraer Tagesklinik:

Die Tagesklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Gera-Lusan begleitet betroffene Kinder und deren Eltern. Behandelt wird das gesamte Spektrum kinderpsychiatrischer Krankheiten wie etwa Verhaltens- und emotionale Störungen, familiäre Beziehungsstörungen, psychosomatische Probleme, Entwicklungsstörungen und Schulangst. Die Tagesklinik ist eine teilstationäre Einrichtung: Die jungen Patienten im Alter von 6 bis 17 Jahren sind werktags von früh bis nachmittags in der Klinik, schlafen aber zu Hause. Ein wichtiger Behandlungsbaustein ist die Multifamilientherapie, an der sechs bis acht Familien teilnehmen.

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