Unternehmen in Ostthüringen: In technisches Kunstwerk eingefuchst

Kauern.  Die OTZ stellt wöchentlich Betriebe und Dienstleister aus Ostthüringen vor. Heute: Die Kfz-Fachwerkstatt Sven Junge GmbH & Co. KG löst Kniffliges rund um Autos.

Der Kfz-Mechatroniker Markus Rausch bei Wartungsarbeiten an einem Youngtimer SL-Cabrio.

Der Kfz-Mechatroniker Markus Rausch bei Wartungsarbeiten an einem Youngtimer SL-Cabrio.

Foto: Peter Michaelis

„Simply The Best“ schallt es aus dem Radio in der Werkzeughalle. Markus Rausch schraubt zu Tina Turners Hit an einem silberfarbenen Mercedes-Cabrio. 25 Jahre alt ist das Auto. Es steht auf einer von zehn Hebebühnen. Der Motorlüfter wird instandgesetzt.

Youngtimer nennen die Fachleute Fahrzeuge, die zwischen 20 und 30 Jahren auf den Straßen unterwegs sind. Markus Rausch mag deren Klang und das Zerlegen von Steuergeräten, um Fehler zu finden. Weil in Kauern alte Autos originalgetreu repariert, gewartet und aufgebaut werden - er selbst habe zwei -, fiel die Entscheidung für den Ausbildungsbetrieb. Im Juni 2019 lernte der heute 25-Jährige vorzeitig aus - als Kfz-Mechatroniker, Fachrichtung Hochvolt-Systemtechnik. Er war der Beste aus Gera.

Japaner fahren ihre Autos lange, aber wenig

Auf dem Gelände der Fachwerkstatt stehen einige der gefragten Young- und Oldtimer Mercedes-Benz Typ SL 500 R 129. „Erstere stammen aus Japan. Dort gibt es keinen Folgemarkt. Ein gebrauchtes Luxusgut kauft in dem Land niemand mehr. Seit 2012 importiere ich die Wagen, die von den Besitzern oft über ein Vierteljahrhundert hinaus gefahren werden. Die Autos sind sehr gepflegt mit wenigen Kilometern“, sagt Sven Junge, Inhaber des Unternehmens in Kauern. Er schwärmt von einem „technischen Gesamtkunstwerk“. In das hat sich ein brillantes Werkstatt-Team eingefuchst. Mittlerweile kenne es jede Schraube am Fahrzeug.

Wissen und Können der Mannschaft schätzen nicht nur Liebhaber der Young- und Oldtimer in Deutschland. Bis in die Niederlande, nach Dänemark, Österreich und nach Spanien hat sich das handwerkliche Geschick der Mitarbeiter herumgesprochen. In Kauern befindet sich eine von wenigen Werkstätten in der Republik, die sich auf jene Autos spezialisiert haben. „Eines von drei Standbeinen neben Werkstattservice und Fahrzeugaufbereitung“, sagt Junge.

Schon immer wollte Sven Junge Kfz-Mechaniker werden. Mit zwölf stand der Berufswunsch fest. Schrauben war seine liebste Freizeitbeschäftigung. „Für viele Jugendliche ist es heute das Handy.“ In Hof begann er seine Lehre, in Hilbersdorf beendete er sie. 1994 zündete der Funke, sich selbstständig zu machen. Der Meister musste noch sein. Im Mai 1998 mietete er sich in Kauern ein Gewerbeobjekt. Da war er 24 Jahre alt. Sven Junge punktete mit Zuverlässigkeit und Sachverstand. In manchem Auto verschwand er solange, bis es wieder funktionierte: ob Dellen, schleifende Kupplungen, marode Bremsen. Im September 2003 kaufte Junge das Objekt und investierte in ein neues Bürogebäude. Später erfolgte ein weiterer Anbau mit einer Deckenhöhe von fünf Metern. So konnten auch Fahrzeuge wie Wohnmobile und Transporter gewartet werden. Dort befindet sich jetzt die Direktannahme mit modernster Diagnosetechnik.

Das Unternehmen entwickelte sich gut. Solides Wirtschaften zahlte sich aus. Alle Gebäude bekamen ein neues Dach sowie eine einheitliche Fassade. Das warme Gelb und die blauen Fensterrahmen leuchten schon von weitem. Weil der Fahrzeughandel von Neu- und Gebrauchtwagen ständig wuchs, wurden die Kundenparkplätze und Gebrauchtwagenstellfläche erweitert. Während dieser Baumaßnahme entstanden ein neues Reifenhotel sowie größere Hallen für die Fahrzeugaufbereitung. 8000 Quadratmeter groß ist nun das Gelände, zu Beginn waren es 200 Quadratmeter. Inzwischen beschäftigt Junge 13 Mitarbeiter und zwei Auszubildende, alle autoversessen wie er. „Ein Experte für Motoren- und Getriebereparaturen ist Andreas Eismann. Er arbeitet am längsten im Unternehmen, geht aber bald in Rente“, erzählt Junge. Ein alter Hase für Diagnosetechnik sei Sebastian Taubert.

Ungeheures Wissen nötig in schnelllebiger Branche

Die Branche sei sehr schnelllebig. Immer mehr Technik werde in den Autos verbaut. Um sie zu beherrschen, braucht es ungeheures Wissen. Das bedarf ständiger Weiterbildung. Der Chef räumt sie ein. „Eine Firma funktioniert nur, wenn das Klima stimmt. Ein kollegiales Verhältnis ist mir wichtig.“ Er hofft, dass seine Kinder den Betrieb mal übernehmen.

Karl, der 15-Jährige, zeigt Interesse. Hans mit seinen zehn Jahren noch nicht. „Rosa will in die soziale Richtung“, verrät Ehefrau Jacqueline Junge. Sie macht unter anderem die Buchhaltung und malt zum Ausgleich. Ein Ölbild vom Mühltal hängt im Büro ihres Mannes. Dort entdeckt der Besucher auf einem alten massiven Möbelstück eine Schreibmaschine, Typ Mercedes.

Seinen ersten SL kaufte sich Sven Junge 2006. „Der hatte ein vollhydraulischen Cabrioverdeck“, schwärmt er. Als er weg war, bereute er sein Tun. Nach ein paar Jahren entdeckte der 46-Jährige das Auto wieder und holte es zurück.

Das Unternehmen