US-Diner in Gera wird Filmkulisse

Gera.  Im Louis Diner in Gera werden Szenen für eine Kurzfilm gedreht, der in den Vereinigten Staaten spielt und Rassismus thematisiert

Tobias Bäuerle mit seinem Ford im Stile eines US-Polizeiautos vor dem Restaurant Louis Diner in Gera. Das Fahrzeug gehört dem Laiendarsteller des Films auch im echten Leben.

Tobias Bäuerle mit seinem Ford im Stile eines US-Polizeiautos vor dem Restaurant Louis Diner in Gera. Das Fahrzeug gehört dem Laiendarsteller des Films auch im echten Leben.

Foto: Marcel Hilbert

„Man sieht sich im Leben immer zweimal!“ – Eine Redensart, die den Umgang miteinander, insbesondere mit (bis dahin) Fremden, thematisiert. Der Spruch könnte als Motto über dem Kurzfilm stehen, den der Auerbacher Tom Asmussen derzeit dreht und in dem er sich mit Rassismus auseinandersetzt. Ein Gast im Restaurant, der einem dunkelhäutigen Kellner nur Verachtung entgegen bringt und dessen Leben später in den Händen genau dieses Kellners liegt, das ist, in Kurzform, der Plot des 20-Minüters, für den der Amateur-Filmemacher am Wochenende auch in Gera drehte.

Da die Handlung in den USA, genauer: in der Westküsten-Metropole LA, spielt, habe sich Asmussen mit seinem Team nach einem möglichst typisch amerikanischen Restaurant umgeschaut und wurde in „Louis Diner“ in der Geraer Reichsstraße fündig. „Es ist ideal für uns“, sagt der Drehbuchautor, Regisseur und Darsteller in einer Drehpause: „Dass die detaillierte Einrichtung wirklich authentisch und sehr nahe am Original dran ist, konnte unser amerikanischer Darsteller bestätigen.“ Der professionelle Schauspieler, der die Rolle des Kellners spielt, stammt aus Denver, Colorado und lebt seit vier Jahren in Deutschland.

Das Lob des US-Amerikaners hört Christian Tomzig sicher gern. Er ist Inhaber des „Diner“ und sehr stolz, dass die Gastronomie ausgewählt wurde. Nach den coronabedingt verkürzten Öffnungszeiten hat er gerade wieder auf „Normalbetrieb“ mit täglicher Öffnung ab 16, am Wochenende ab 12 Uhr umgestellt. Nun hofft er, den Schwung durch die Aufmerksamkeit mitnehmen zu können.

Zurück zum Film: Der trägt den Arbeitstitel „One“, sagt Tom Asmussen, „Untertitel: One World, One Life, One Mankind“. Er erklärt: „Es ist mein Statement zu einem Thema, dass mich sehr interessiert, es ist ein Film gegen Voreingenommenheit im Allgemeinen und Rassismus als ein Beispiel dafür.“ Die Idee für die Handlung hat er in der Coronazeit entwickelt – unter dem Eindruck der andauernden Debatte um Rassismus und Polizeigewalt, die sich am Tod des Afroamerikaners George Floyd neu entzündete. Auch in seinem Film in englischer Sprache ist es ein Polizist, der dem Kellner zweimal begegnet. Tom Asmussen mimt ihn selbst.

Sein Partner in Uniform heißt im echten Leben Tobias Bäuerle und sorgt beim Dreh in Gera für ein weiteres authentisches Detail. Ihm gehört ein Ford im typischen US-Polizeidesign, der vorm Diner parkt und für interessierte Blicke sorgt. Interessiert sind auch die echten Restaurantgäste, die die Dreharbeiten im Innern beobachten. Pieter Müller von der Auerbacher Filmproduktionsfirma PPM steht hinter der Kamera, Markus Löscher und Vivien Müller als weitere (Laien-) Darsteller an diesem Tag davor. „Wir haben vier Drehs geplant“, sagt Tom Asmussen: „Nach dem in Gera noch einen in Falkenstein und dann beginnt auch schon die Post-Produktion.“ Die zaubert neben der richtigen Soundkulisse mit dem ein oder anderen Effekt zum Beispiel auch das echte Los Angeles in den Hintergrund.

Vermutlich im kommenden Jahr wird der fertige Film vorliegen. „Wir wollen damit schon zu Filmfestivals“, sagt Asmussen. Christian Tomzig von Louis Diner wiederum liebäugelt danach auch mit einem Filmabend in seinem Lokal, das immerhin eine tragende Rolle in dem Film spielt.

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