Frau dekontaminiert: Großeinsatz am Finanzamt Gera

Gera.  Eine Mitarbeiterin muss dekontaminiert und vorsorglich ins Klinikum gebracht werden. Fast 140 Mitarbeiter müssen das Gebäude räumen. Das ist bisher bekannt vom Großeinsatz.

Vor dem Finanzamt wurde die Dekontaminationsstrecke aufgebaut.

Vor dem Finanzamt wurde die Dekontaminationsstrecke aufgebaut.

Foto: Marcel Hilbert

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Sie habe die vorsortierte Post wie üblich geöffnet, sagt Rüdiger Siebert. Nichts Auffälliges, nichts Besonderes, sagt der Amtsleiter des Finanzamtes Gera. Und doch war unter den Briefen am Donnerstagmorgen einer, der den Amtsalltag auf den Kopf stellte. Kurz vor 9 Uhr habe eine Mitarbeiterin darin eine unbekannte Substanz festgestellt – der Auftakt für einen Großeinsatz von Feuerwehr, Rettungsdienst und Polizei bei der Behörde in der Herrmann-Drechsler-Straße.

138 Mitarbeiter im Haus, untere Etage muss geräumt werden

138 Mitarbeiter seien zu dem Zeitpunkt im Haus gewesen, sagt Amtsleiter Siebert. Nach Rücksprache mit der Feuerwehr sei die untere Etage geräumt worden. Die betroffene Mitarbeiterin, die allein im Büro als einzige mit der Substanz in Kontakt gekommen sei, sei zunächst, ebenso wie der Brief separiert worden.

Sie wurde dann in Begleitung von Feuerwehrkräften in Schutzkleidung nach draußen begleitet, wo sie zunächst dekontaminiert und dann mit dem Rettungswagen ins Geraer Klinikum gebracht wurde, erklärt Göran Kugel von der Geraer Berufsfeuerwehr. Polizeisprecherin Katja Ridder ergänzt, dass dies vorsorglich geschah, die Frau aber unverletzt und beschwerdefrei gewesen sei.

Kuvert wird im Labor in Bad Langensalza untersucht

Was die verdächtige Postsendung angeht, so konnte die Polizei vor Ort noch nicht viel über Format, potenziellen Absender und Inhalt mitteilen, außer dass er anonym versendet worden war. Der Inhalt müsse noch in einem Labor in Bad Langensalza ausgewertet werden.

Vor Ort sei er nach ersten Messungen der Feuerwehr luftdicht und transportfertig verpackt worden, sagt Göran Kugel. Der Geraer Amtsarzt Matthias Albert war nach eigenen Angaben mit vor Ort, da die Stadt den Auftrag für die Laboruntersuchung auslöse.

Die Feuerwehr war mit etwa 30 Kräften und zahlreichen Einsatzfahrzeugen angerückt. Neben der Berufsfeuerwehr war die Freiwillige Feuerwehr Gera-Mitte mit den bei ihr stationierten Gefahrgutkomponenten vor Ort. Gegen Mittag war der Einsatz weitgehend beendet.

Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen übernommen.

Rauerer Ton, aber kein grundsätzliches Gefühl der Bedrohung

Für Finanzamtsleiter Rüdiger Siebert war es der erste solche Einsatz, den er in dieser Funktion erlebte. „Wenn alles gut ausgeht und sich das Pulver als ungefährlich herausstellt, könnte man es zumindest als gute Übung ansehen“, meinte er. Zwar mache die gesellschaftliche Entwicklung eines zunehmend raueren Tons auch vor dem Finanzamt und seinen Mitarbeitern nicht Halt, sagte er auf Nachfrage, grundsätzlich würden sich die Mitarbeiter des Finanzamtes Gera aber nicht gefährdet oder bedroht fühlen.

Verdächtige Postsendung an Björn Höcke – Polizeieinsatz am Landtag

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