Verfahren eingestellt: Prozess um Wurf mit La Bomba-Böller in Gera

Gera  Gerichtsbericht Ein Angeklagter soll zwei Wachleute eines Einkaufs­zentrums mit Pyrotechnik attackiert haben – warum das Amtsgericht Gera das Verfahren einstellt.

In Handschellen ins Gericht geführt: Der Angeklagte sitzt wegen anderer Delikte in Haft. Foto: Tino Zippel

In Handschellen ins Gericht geführt: Der Angeklagte sitzt wegen anderer Delikte in Haft. Foto: Tino Zippel

Foto: zgt

Ohne Strafe ist ein 23-Jähriger aus Gera davongekommen: Ihm hatte die Staats­anwaltschaft vorgeworfen, am 2. Januar 2016 nahe des Einkaufszentrums Gera-Arcaden zwei Wachleute mit einem nicht zugelassenen Feuerwerkskörper La Bomba beworfen zu haben. Ein Wachmann erlitt dabei einen Tinnitus die Anklage lautete daher auf gefährliche Körperverletzung.

An dem Tag hatten mehrere Jugendliche Kunden des Einkaufszentrums mit Raketen beschossen. Die Wachleute eilten herbei und riefen die Polizei. Die Jugendlichen flüchteten in einen Bus, dessen Fahrer die Türen schloss und bis zum Eintreffen der Einsatzkräfte wartete. Als die Polizisten angekommen waren, flog ein weiterer Böller mutmaßlich vom Angeklagten.

Angeklagter: War eine Silvesterrakete

Der sagte vor Gericht, er habe keine La Bomba gezündet, sondern höchstens eine legale Silvesterrakete. Er könne sich nicht mehr daran erinnern, ob sie aufgestiegen oder über den Boden geflogen sei. Die Zeugen relativierten im Prozess ihre Angaben. Der Tinnitus habe demnach nur eine Stunde und nicht den ganzen Tag angehalten. Auch stellte sich heraus, dass zwischen dem Angeklagten und den Wachleuten ein Einsatzfahrzeug stand.

Die Verhandlung hat nicht belegt, dass es um einen La Bomba-Kracher handelte, sondern wohl um eine Rakete, sagte der Vorsitzende Richter Siegfried Christ. Trotzdem ist das keine Bagatelle, sondern hat die Qualität einer Straftat erreicht. Allerdings sah das Gericht von einer Strafe ab und stellte das Verfahren nach Paragraf 154 auf Kosten der Staatskasse ein.

Der Hintergrund: Gegen den Mann war ein Urteil in Brandenburg mit einer Gesamtstrafe von einem Jahr und sechs Monaten ergangen, in die das neuerliche Urteil eingeflossen wäre. Zudem liegt eine weitere Anklage vor dem Landgericht Gera vor. So soll der Geraer in 52 Fällen Drogen unter anderem an Jugend­liche abgegeben haben.

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