Viel mehr Lobkarten

Christian Kurzke, Pfarrer Rüdersdorf-Kraftsdorf
| Lesedauer: 2 Minuten

„Heute habe ich keine Lobkarte bekommen“ – sagte unser Jüngster als ich ihn aus der Schule abholte. „Du hast ja schon ein paar bekommen“ versuchte ich ihn zu trösten. Auf ...

„Heute habe ich keine Lobkarte bekommen“ – sagte unser Jüngster als ich ihn aus der Schule abholte. „Du hast ja schon ein paar bekommen“ versuchte ich ihn zu trösten. Auf den verbalen Schulterklopfern, die die Lehrerin jede Woche verteilt, steht zum Beispiel: „Du hast heute gut mitgearbeitet. Du hast dich heute sehr angestrengt. Jede Karte, die er bekommt, zaubert Stolz und Fröhlichkeit in seine Augen. Heute denke ich: Man müsste viel mehr Lobkarten verteilen nicht nur unter Grundschülern, viel nötiger haben das Erwachsene jeden Tag. Darauf könnte stehen: Schön, dass es Dich gibt. Dem Kollegen schreiben Sie: Danke für Deine Hilfe heute! Und der Kassenfrau im Supermarkt stecken Sie so eine Karte zu. Dort steht: Ein freundliches Wort ist mehr wert als es kostet. Die große Tochter hat auch so einen Zettel geschrieben, nur für Dich. Dort steht: HDGDL. So sagen das Jugendliche heute, soll heißen: Hab dich ganz doll lieb. Statt Lobkarten zu verteilen, machen wir viel lieber unserer eigenen Unzufriedenheit Luft. Meckern, murren, klagen – immer wieder höre und lese ich das. Das demotiviert, zieht einen runter. Mir tun Menschen Leid, die so von Hass, Neid und Unzufriedenheit zerfressen sind, dass sie ihren Optimismus, ihren Humor verlieren und das Gespür für die kleinen Momente der Schönheit des Lebens. Was ihnen an Gutem widerfahren ist, können sie kaum mehr sehen. Genau denen schreibt der Psalmbeter seine Lobkarte. Dort steht: Fang du jetzt bei dir selbst an! Sieh nicht nur Schwarz wenn du zurückschaust, sondern auch das Gute, das Dir widerfahren ist. Lobe den Herrn meine Seele, und vergiss nicht, was er dir Gutes getan hat. (Ps 103,2) Dann greif zu Papier und Stift oder Handy und schreib selbst ne Lobkarte.