Wahrzeichen gerettet: 56 000 Euro für Turmspitze der Osterburg

Kassensturz: Weidaer spenden für die Rettung der Osterburgturmspitze 56 061 Euro. Verein der Ritter der Osterburg kritisiert die Gestaltungspläne bei der Sanierung am Neuen Schloss.

Christel und Andreas Werner übergeben Bürgermeister Werner Beyer (M.) die Spendensumme. Foto: Katrin Wiesner

Christel und Andreas Werner übergeben Bürgermeister Werner Beyer (M.) die Spendensumme. Foto: Katrin Wiesner

Foto: zgt

Weida. Die Initiative zur Rettung der Osterburgturmspitze hat Kassensturz gemacht: 56 061 Euro – so lautet die Schlussrechnung einer Spendenaktion, die die Weidaer mit viel Begeisterung organisiert und unterstützt haben. Symbolisch übergaben die Initiatoren Andreas Werner und Tochter Christel Werner bei einer Baustellen-Party am Mittwochabend auf der Osterburg die Summe an Weidas Bürgermeister Werner Beyer (parteilos).

2009, im Jubel der 800-Jahr-Feier, hatten Feuerwerker beim Installieren der Böller den dramatischen Zustand der Osterburgturmspitze entdeckt. Vor nur einem Jahr riefen die Weidaer Pyrotechniker daraufhin die Rettungsaktion ins Leben, die eine ganze Stadt in Aufruhr versetzte. Ein Spendenaufruf für das Dach des Neuen Schlosses, ausgelöst von der Osterburg-Stiftung, kam dagegen nicht an und geriet in Vergessenheit. Die Kommune beantragte Fördermittel und weitete die Sanierungspläne für das Neue Schloss auch auf den Turm aus – knapp 2,4 Millionen Euro fließen nun in beide Projekte.

Benefizkonzerte, Bücherbasare, Tombolas, Flohmärkte, ein Mitternachts-Haareschneiden, spontane Spenden – die Sorge um das Wahrzeichen der Stadt brachte die 8500 Einwohner auf Trab. "Es ist überwältigend, was in nur einem Jahr erreicht wurde", dankte Christel Werner allen Unterstützern. "Das ist der Beweis, dass man Bürger motivieren kann", zollte Werner Beyer Respekt. Die Summe geht in die Turmarbeiten ein, für die bereits die Gerüste gestellt sind.

So verbunden die Weidaer mit der Osterburg sind, so interessiert sind sie auch am Bauablauf und nutzten zur Party die Gelegenheit, Fragen an die Architekten zu stellen. Nun ja, ein konkretes Nutzungskonzept der Anlage gibt es noch nicht, aber viele Möglichkeiten. Ja, es ist Postaer Sandstein wie in der Dresdener Frauenkirche aus dem die neue Turmspitze aufgebaut wird. Und nein, der oberste Kranz wird wohl auch trotz Sanierung nicht begehbar werden. Die Erneuerung und Sicherung, der Austausch von Steinen und das Verpressen von Rissen an dem über 50 Meter hohen Turm aus dem 16. Jahrhundert wird im Herbst abgeschlossen sein, kündigte das Architekturbüro aus Saalfeld an. Das 1500 Quadratmeter große Dach des Renaissance-Schlosses zu decken, die Fassade, Fenster und Türen zu erneuern, wird dagegen bis zum Herbst 2012 andauern.

Für Unmut sorgt indes bei den Rittern der Osterburg, einem geschichtsverpflichteten Verein, die Lösung, ein im 19. Jahrhundert an das Neue Schloss als Fachwerkbau angefügtes Treppenhaus abzureißen und durch einen Neubau aus Sichtbeton zu ersetzen. Ein Glasriegel soll neue und historische Substanz trennen.

"Das ist wie ein Fremdkörper, der wird die Burg verschandeln", fand Ralf Adeberg von den Rittersleuten und sprach sich für den Erhalt der historischen Ansicht aus. Eine Debatte, die es schon im Stadtrat gab. Doch schon der technischen Auflagen und Machbarkeit wegen sei das nicht möglich, so Architekt Dr. Alfred Görstner. Im Treppenhaus soll ein Fahrstuhl nachgerüstet werden. Görstner will den neuen aber auch gezielt vom alten Bau absetzen, die bauliche Entwicklung sichtbar machen. "Wir haben eine klare, saubere Lösung, die die Wertigkeit des Bestandes noch deutlicher machen wird."Mit modernen Mitteln altes Fachwerk nachzuahmen? Eine Weidaerin schüttelte den Kopf und formulierte es so: "Wir sind noch nicht in Disneyland".