Wasserbehörde rät zu Waten statt Baden in Weißer Elster

Warm ist es schon, heiß soll es werden in den nächsten Tagen. Mangels Freibad in der Innenstadt könnte manch Geraer versucht sein, Abkühlung in der Weißen Elster zu suchen. Über die Risiken und Nebenwirkungen solchen Trachtens äußert sich Holger Steinbach als Chef der unteren Wasserbehörde.

Baden in der Elster. Höhe Hofwiesenpark

Baden in der Elster. Höhe Hofwiesenpark

Foto: zgt

Gera. In der größten Hitze und Not – könnte man in der Elster baden?

Ja, der Wasserstand ist nur nicht sehr tief. Wer sich nicht den Bauch aufreißen will, sollte lieber durchwaten. Er hat an manchen Stellen allerdings immer noch das Risiko der Glasscherben und des Abfalls.

Wagemutige wurden schon beobachtet.

Das ist nicht verboten. Jeder darf das Gewässer nutzen, nur eben auf eigene Gefahr. Im Bereich der Brücken ist die Strömung nicht zu unterschätzen. Auch die Wasserkraftanlage in Debschwitz kann eine recht große Sogwirkung entwickeln.

Und es bleibt nichts kleben?

Ich empfehle schon, die Füße abzuduschen. Die Gewässergüte hat sich zwar von der Güteklasse IV Anfang der 1990er Jahre auf Güteklasse II erheblich verbessert. Aber den von der EU-Gewässerrichtlinie geforderten guten Zustand werden wir bis zum Stichtag 2015 nicht erreichen. Das wird erst im Zyklus bis 2021, spätestens 2027 gelingen. Die Weiße Elster wird bis dahin von den Förderprogrammen für die Landwirtschaft und die Abwasserbehandlung profitieren.

Die großen Betriebe, die dem Fluss zu DDR-Zeiten zusetzten, gibt es nicht mehr. Wer macht die Weiße Elster eigentlich so dreckig?

Bei starkem Niederschlag werden Nährstoffe wie Phosphor aus der Landwirtschaft in den Fluss gespült. In Gera gibt es aber auch ein Mischsystem für das Regen- und das Schmutzwasser aus den Haushalten. Sind die Kanäle und Rückhaltebecken voll, wird alles stark verdünnt in die Elster geleitet. Und Gera ist da nicht der schlimmste Anrainer.

Und was sagt die Hygiene?

Die Keimbelastung wird nicht gemessen, weil es ja kein ausgewiesenes Badegewässer ist. Wer Naturbäder vorzieht und auf Nummer Sicher gehen will, sollte nach Kaimberg oder Aga fahren. Dort wird die Wasserqualität überwacht.

Anfang des 19. Jahrhunderts gab es Badeanstalten am Fluss. Waren die Leute abgehärteter?

Wasseranalysen von damals kenne ich nicht. Aber dass man in der Elster badete, hatte wohl mehr damit zu tun, dass es noch keine Freibäder gab. Die waren Luxus.

Das sind sie in Gera auch heute. Wäre ein Stau an der Elster denn undenkbar?

Ja, allein die heute notwendige Beprobung und die stark schwankende Wasserqualität würden das viel zu teuer machen.

Würden Sie in die Elster steigen?

Ja, ich war schon drin. Bei Bootsfahrten von Berga nach Gera muss man das Boot auf Grund des niedrigen Wasserstandes ab und zu mal ziehen. Und Sie sehen – die Füße sind noch dran. Außerdem wird es 2015 einen EU-weiten Badetag geben, um die Bewohner wieder für die Flüsse zu sensibilisieren, an denen sie wohnen. Am besten, da treffen wir uns.

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