Wenn der Alltag plötzlich still steht

Gera.  Wie Mandy Schwarz mit ihrem zweijährigen Sohn Matheo die Corona-Quarantäne erlebt.

Der Zweijährige beim Spiel zuhause in Quarantäne.

Der Zweijährige beim Spiel zuhause in Quarantäne.

Foto: Mandy Schwarz

Matheo geht gern ins „Storchennest“. Seit Dienstag, 11. November, ist für ihn jedoch alles anders. Alltag im Kindergarten in der Rathenaustraße gibt es vorläufig nicht. Mit seiner Mama ist Matheo in häuslicher Quarantäne. „Vormittags war er noch in der Kita, nachmittags informierte mich die Leiterin telefonisch, dass es einen positiven Corona-Fall gibt. Dann ging alles sehr schnell. Ein Team des Gesundheitsamtes testete noch am Nachmittag mögliche Kontaktpersonen im Kindergarten, unter anderem Matheos Gruppe“, erzählt Mandy Schwarz. Beim Testen selbst anwesend, habe dies bei ihrem Kleinen „wunderbar geklappt“ ist die junge Mutter froh.

Gemeinsam mit ihrem Partner entschied die 29-Jährige, dass sie den Sohn zu Hause betreut. Den Rest der Woche hatte sie sowieso freie Tage geplant. „So musste auf meiner Arbeitsstelle erst einmal niemand für mich einspringen“, berichtet die Geraerin, die im Gastronomiebereich eines Supermarktes tätig ist.

Der erste Test des Sohnes fiel negativ aus – zwei Tage nach dem Abstrich gab das Gesundheitsamt darüber Bescheid. Unabhängig davon bleibt für das Duo die Quarantäne bestehen. „Sämtliche Unterlagen dazu erhielt ich erst letzten Samstag“, erklärt die junge Mutter und findet, dass dies viel zu lange gedauert hat. Neu für sie war dann auch die Tatsache, dass sie sich gleichfalls mit allem Drum und Dran in Quarantäne befindet. Weder dürfe sie das Haus für einen Spaziergang oder Einkauf verlassen noch könne sie sich mit ihrem Partner bei Matheos Betreuung abwechseln. „Bei einer Freundin im Landkreis sah das offizielle Schreiben eine solche strenge Regelung nicht vor. Sie durfte das Haus verlassen, währenddessen sich ihr Kind in Quarantäne befand. Wieso ist das von Region zu Region unterschiedlich? Das darf doch nicht sein“, kritisiert die 29-Jährige. Akribisch füllt sie Tag für Tag das vom Amt mitgelieferte Quarantänetagebuch aus. Sie ist vorsichtig, nimmt die Situation jedoch etwas gelassener wahr als sie es im März noch getan hätte. „Damals wusste schließlich noch niemand, wie mit dem Virus umzugehen ist.“

Sehr hilfreich fände es Mandy Schwarz, wenn Betroffene bereits im Vorfeld über das weitere Vorgehen aufgeklärt werden würden. „Entsprechende Flyer unter den Eltern verteilt, hätte schon viele unserer Fragen beantwortet. Letztlich entlastet so etwas doch das Gesundheitsamt, weil nicht jeder ständig dort anruft und nachfragt“, sagt sie. Unverständlich bleibt für die junge Mutter ebenso, warum der Informationsfluss teils zäh ist und sie mitunter widersprüchliche Auskünfte zu einem Problem erhält.

„Normalerweise hätte ich vorigen Samstag arbeiten müssen. Auf meine Frage, ob ich gehen könne, weil Matheos Test negativ war und mein Freund ihn beaufsichtigen würde, bekam ich ein telefonisches Ja. Darauf habe ich mich verlassen und meinen Arbeitgeber informiert, dass kein Ersatz für mich gefunden werden muss. Am Samstag fand ich dann das Schreiben im Briefkasten, das eindeutig auch mir Quarantäne vorschrieb. Meinem Arbeitgeber nun sagen zu müssen, dass er doch nicht mit mir rechnen kann, fand mir sehr unangenehm“, versichert Mandy Schwarz.

Und wie hat sie ihrem kleinen Sohn versucht zu erklären, was gerade passiert? „Ich sagte ihm, dass die Kita leider geschlossen ist, weil es einigen Kindern nicht gut geht. Wenn sie gesund sind, kann auch er wieder in den Kindergarten. Matheo ist damit gut klar gekommen, akzeptiert die Situation. Hauptsache, er hat sein Spielzeug und kann mit jemandem spielen“, schätzt die junge Mutter ein.

So bespaßt sie nun ihren Nachwuchs. Gemeinsam basteln, malen, puzzeln sie, stechen Salzteig aus. „Einer Sache mehr als eine halbe Stunde Aufmerksamkeit widmen ist in diesem Alter jedoch nicht drin. Da muss mir schnell eine neue Idee einfallen“, beschreibt Mandy Schwarz schmunzelnd.

Am schwersten fällt es dem Duo, auf Bewegung an frischer Luft zu verzichten. „Für Matheo ist es sehr wichtig, dass er sich auspowert. Das funktioniert auf einem kleinen Balkon aber nicht. Sich 14 Tage lang mit einem kleinen Kind nur in der Wohnung aufhalten zu müssen, ist ein absoluter Kraftakt.“ Mittlerweile hat Mandy Schwarz im Netz Tipps für Kleinkindsport gefunden oder tanzt mit ihm nach Kinderliedern. „Wenn dann sein Papa von der Arbeit nach Hause kommt und mit ihm spielt, freut sich Matheo besonders. Denn die Mama hat er jetzt schließlich tagein, tagaus. Inzwischen wurde Matheo ein zweites Mal getestet. Das Ergebnis steht noch aus. Am Freitag, 20. November, wäre Matheos Quarantäne zu Ende gegangen. Aufgrund eines weiteren positiven Tests in der Kita hat sie sich bis Dienstag verlängert. Mandy Schwarz sehnt das Ende herbei und freut sich, wenn der Kindergarten-Alltag wieder einkehrt. Sie ist sicher: auch bei Matheo wird die Wiedersehensfreude im Kindergarten groß sein.