Wie ruhig wird der Jahreswechsel in Gera?

Gera  Kein Feuerwerksverkauf, kein Böllern im öffentlichen Raum in Gera – Silvester im Corona-Jahr

Unternehmer Mario Harnisch musste den Feuerwerksverkauf in seinem Geschäft in Gera-Langenberg abblasen.

Unternehmer Mario Harnisch musste den Feuerwerksverkauf in seinem Geschäft in Gera-Langenberg abblasen.

Foto: Marcel Hilbert

Gera. Überrascht war Mario Harnisch nicht von der Entscheidung. Dass ein Verkaufsverbot für Silvester-Feuerwerk kommt, hatte er geahnt, sagt der Inhaber des Langenberger Warenhauses „Käpt‘n Billig“, das in normalen Jahren nach eigenen Angaben mit dem größten Feuerwerksverkauf Thüringens lockt. „Sicher ist das ein gutes Geschäft, was uns da entgeht“, erklärt er. Obwohl er die Logik hinter dem Verbot im Gesamtkontext der Corona-Schutzmaßnahmen durchaus verstehen kann, ärgert ihn die Art und Weise sehr.

Eben, weil es absehbar war, sei die abschließende Entscheidung viel zu spät getroffen worden. „So haben wir zusätzlich zu fehlenden Umsätzen auch noch Geld für Werbung und Prospekte in den Sand gesetzt; die Entscheidung eine Woche eher und wir hätten uns das sparen können.“ Das ging nicht nur ihm so, auch größere Supermarktketten hatten ihre Prospekte mit Feuerwerksangeboten bereits verteilen lassen.

Langenberger Händler bleibt nicht auf Böllern sitzen

Zumindest bleibt Harnisch nicht auf einem Berg Böller und Raketen sitzen. „Wir wollen aus Sicherheitsgründen die Waren nicht zu lange hier lagern, deshalb bekommen wir sie in der Regel kurz vor Weihnachten“, erzählt er. Zumindest das konnte man rechtzeitig „und zum Glück ohne Probleme mit den Lieferanten“ absagen. Dass es weder das große Schauböllern zwischen den Jahren gibt, noch den Verkauf – bis auf das frei verkäufliche Kinderfeuerwerk – habe sich inzwischen herumgesprochen.

Neben dem Verkaufsverbot hat Gera mit der aktuellen Corona-Allgemeinverfügung das Böllern zu Silvester im gesamten Stadtgebiet für den öffentlichen Raum verboten. Das umfasst jene Bereiche, die für die Öffentlichkeit frei zugänglich sind, erklärt die Stadt auf Nachfrage: „Also Straßen, Plätze, Grünflächen, Spielplätze etc.“ Das heißt, von privatem Grund aus darf theoretisch Feuerwerk gezündet werden, bestätigt die Stadt auf Nachfrage. Wie die Stadt und die Polizei weiter bestätigen, werde es in der Silvesternacht verstärkte Kontrollen des Böllerverbotes im öffentlichen Raum geben, dazu habe man sich auch abgestimmt. Man habe die coronabedingten Kontrollen schon seit einigen Tagen verstärkt, heißt es von der Polizei.

Ansammlungen vermeiden, Klinik-Personal schonen

Begründet wird das Verbot von der Stadt zum einen mit der Vermeidung von Menschenansammlungen und zum anderen, „um das stark geforderte SRH Wald-Klinikum nicht noch mehr zu belasten“. Laut Stadt habe der Rettungsdienstzweckverband Ostthüringen vom 31. Dezember 2019, 9 Uhr, bis zum 1. Januar 2020, 9 Uhr, insgesamt 107 Rettungsdienst-Einsätze gezählt, 35 Einsätze betrafen das Stadtgebiet Geras, in 44 Fällen war Gera das Transportziel für die Rettungsdienst-Einsätze.

Wie Ronald Kämpf, Chefarzt der Notaufnahme am SRH Wald-Klinikum, erklärt, sind es dabei weniger die Böllerverletzungen, die hier landen. „Da gibt es im Schnitt einen, manchmal auch keinen Fall, da haben die Handchirurgien in Jena und Halle sicher mehr zu tun.“ Das Gros der Silvester-Notfälle in der Geraer Notaufnahme hänge mit Alkohol und seinen Folgen zusammen, sagt Kämpf. Hier könnte das Personal im Corona-Jahr 2020 durch einen ruhigeren Jahreswechsel als sonst durchaus entlastet werden. Durch Corona ist die Notaufnahme zweigeteilt, um Patienten, die mit verdächtigen Symptomen vom Rettungsdienst gebracht werden, gleich zu isolieren. Die Hälfte der Mitarbeiter der Notaufnahme sei auf der Coronastation im Einsatz, sagt Kämpf, und man habe zuletzt personell auch aufstocken müssen.

Sorge vor Böllern aus zweifelhafter Quelle

Zurück zu „Käpt‘n“ Mario Harnisch: Der macht sich seine Gedanken, ob das Feuerwerks-Verkaufsverbot nicht sogar kontraproduktiv sein könnte. Wenn dieses Jahr trotzdem geböllert wird, dann müsste das Feuerwerk aus privaten Restbeständen stammen – oder aus zweifelhaften Quellen. „Unsere Ware ist geprüft und zugelassen“, sagt er: „Hundertpro nehmen dieses Jahr die illegalen Böller aus dem Ausland nochmal zu und die können wirklich gefährlich sein.“