Wissenschaft trifft Kunst bei Saisonstart in der Osterburg Weida

Marcel Hilbert
| Lesedauer: 3 Minuten
Museumsmitarbeiterin Sabine Engelbrecht am heißen Draht, der von Helfer Martin Hecker gebaut wurde.

Museumsmitarbeiterin Sabine Engelbrecht am heißen Draht, der von Helfer Martin Hecker gebaut wurde.

Foto: Marcel Hilbert

Gera.  Am Freitag werden die Jahresausstellung „Die elektrisierte Gesellschaft“ und die Kunstschau zum Werk von Kurt Pesl eröffnet

Wissenschaft trifft Kunst: Mit der Eröffnung zweier ganz unterschiedlicher Ausstellungen beginnt am Freitag die diesjährige Saison auf der Osterburg zu Weida. In der Remise wird erneut das Konzept „Wissens-Schloss“ mit Leben gefüllt. Unter dem Titel „Die elektrisierte Gesellschaft – eine Chance für das Klima“ werden in der Jahresausstellung Facetten der Elektrizität beleuchtet, wobei Wissenschaft, (Stadt-) Geschichte, Anwendungsbeispiele und Ausblicke eine Rolle spielen.

Erneut kuratiert von Jürgen Müller von der Dualen Hochschule in Gera, lebt die Schau auch dieses Mal von vielen spannenden Exponaten. Im Zentrum zieht eine große, historische Schalttafel die Blicke auf sich, daneben eine Jukebox aus DDR-Produktion (Polyhymat), die allein schon durch die verfügbaren Titel (N)Ostalgie weckt. Beide Exponate stammen vom Elektromuseum Erfurt, „wichtiger Leihgeber für diese Ausstellung“, sagt die Weidaer Hauptamtsleiterin Bettina Gunkel.

Licht und Klang, Schaustücke und Experimente

Während die Musikbox allerdings nur mit den Augen erforscht werden kann, ist vis-a-vis ein anderes klangvolles Exponat zu sehen und im Laufe der Ausstellung auch zu hören. Das Trautonium gilt als eines der ersten elektronischen Musikinstrumente. Der im Juli 1910 in Greiz geborene Musiker und Komponist Oskar Sala wurde mit dem von ihm mitentwickelten Instrument vor allem für seine Vertonung der gefiederten Namensgeber in Alfred Hitchcocks „Die Vögel“ bekannt. Im Juli, wenn der 2002 verstorbene Sala 110 Jahre alt geworden wäre, soll es ein Konzert mit dem Leihgeber des ausgestellten Trautoniums geben, dem Münchener Musiker Peter Pichler.

Weitere Leihgeber waren nach einem Aufruf Weidaer Privatleute. Neben Haushaltsgeräten aus vergangenen Tagen werden auch Elektrogeräte gezeigt, die bei Weidaer Firmen produziert wurden, zum Beispiel Tauchsieder, die es in beinahe jedem Haushalt gab. An der großen Schauwand wird das Thema Licht „beleuchtet“. Kleine Experimente am heißen Draht, am Magnetfeld, mit Kurbel-Taschenlampen, aber auch am Active Table helfen beim Veranschaulichen verschiedener Sachverhalte. Bettina Gunkel lobt in dem Zusammenhang auch wieder die ehrenamtliche Unterstützung der Schau durch viele Helfer.

Die „elektrisierte Gesellschaft“, heißt es in der Ankündigung, ist doppeldeutig gemeint, zum einen in Bezug auf die Faszination der Anfangsjahre, zum anderen auf die heute alltägliche Durchdringung aller Lebensbereiche mit Elektrizität. Strom falle heute nur noch auf, wenn er ausfällt, heißt es in der Ankündigung. Von der Dauerverfügbarkeit und Abhängigkeit wird der Bogen gespannt zum Thema Klimawandel und Energiewende, der Suche nach Alternativen zu fossilen Energieträgern und Atomkraft.

Galerie-Ausstellung ist Weidaer Künstler Kurt Pesl gewidmet

Dem Weidaer Künstler Kurt Pesl, der 2020 seinen 95. Geburtstag gefeiert hätte, widmet der von ihm vor 20 Jahren mitbegründete Künstlerstammtisch Osterburg Weida eine Gedächtnisausstellung in der Galerie. Ausgewählt von seiner Tochter Sigrid Pesl und unterstützt vom Künstlerkollegen Horst Sakulowski wird ein Aus- und Querschnitt aus Pesls sehr umfangreichem und vielfältigem Werk gezeigt.

Eröffnet wird die Schau im Balkensaal mit einer besonderen Erinnerung an den Künstler, sagt Sakulowski: Einer selbst produzierten „Faust“-Verfilmung, die zum 80. Geburtstag von Kurt Pesl entstand. Das Spannende: Neben dem Schauspieler Wilfried Pucher als Mephisto spielt Pesl selbst die Hauptrolle in dem laut Sakulowski „sehr surrealen“ Film – ohne es zu wissen. Wie das gelungen ist, erfahren interessierte bei der auch musikalisch begleiteten Ausstellungseröffnung am Freitag.

Eröffnung „Die elektrisierte Gesellschaft“, Remise, Freitag, 13. März, 18 Uhr. Eröffnung Kurt-Pesl-Ausstellung, Balkensaal, Freitag, 13. März, 19 Uhr.