Wort zum Sonntag

Wort zum Sonntag: „Krise“ ist nicht das Ende der Welt

Gedanken zum Wochenende von Pfarrer André Demut, Schulbeauftragter der EKM für die Propstei Gera-Weimar.

Pfarrer André Demut, Schulbeauftragter der EKM für die Propstei Gera-Weimar.

Pfarrer André Demut, Schulbeauftragter der EKM für die Propstei Gera-Weimar.

Foto: Demut

„Nah ist/Und schwer zu fassen der Gott./Wo aber Gefahr ist, wächst/Das Rettende auch.“

Als der Dichter Friedrich Hölderlin dies schrieb, wurde Europa von der französischen Revolution 1789 und den folgenden napoleonischen Kriegen erschüttert. Das „Heilige Römische Reich Deutscher Nation“ wurde aufgelöst und jahrhundertealte Ordnungen außer Kraft gesetzt. Viele Menschen empfanden dies als apokalyptische Krise, das Ende der Welt schien gekommen.

Niemand konnte sich damals vorstellen, dass einmal unbemannte (!) „Flugzeuge“ Menschen aus der Luft töten werden. Niemand ahnte, was eine „Atombombe“ oder eine „Chemiewaffe“ bedeuten könne. Auch damals gab es schon Seuchen. Doch wenn um das Jahr 1800 irgendwo in der Welt ein Virus Menschenleben forderte, nahmen nur die unmittelbar Betroffenen davon Notiz.

„Und schwer zu fassen der Gott.“ Bleibt 2020 nur dieser Halbvers übrig, um auszudrücken, was wir empfinden angesichts der aktuellen Bedrohungen? Beim Dichter hat jede Zeile Gewicht. Niemand gerät gern in Krisen. Ja, es stimmt: Gott ist „schwer zu fassen“ und eine Rettung, eine Wendung zum Guten häufig so weit weg wie der Nordpol.

Was dabei aus dem Blick gerät: „Krise“ bedeutet nicht „Katastrophe“ und schon gar nicht das Ende der Welt. Vom griechischen Ursprung des Wortes her bedeutet es „Entscheidung“ oder „Gelegenheit zur Umkehr“. Die Krise ist der Punkt, an dem sich entscheidet, ob unser Weg ins Leben führt oder in die Zerstörung. Die Krise zwingt uns umzusteuern.

Dies gilt für unser persönliches Leben und für unser Zusammenleben auf dem Planeten Erde.

„Nah ist/Und schwer zu fassen der Gott./Wo aber Gefahr ist, wächst/Das Rettende auch.“