Wünschendorf: Arbeitsplatz zwischen den Gräbern

Wünschendorf.  Friedhofsverwalter Dietmar Gerber hält den Wünschendorfer Friedhof nicht nur zum Totensonntag gepflegt.

Die kleine Kapelle ist „das Herzstück des Friedhofs“, sagt Dietmar Gerber. 

Die kleine Kapelle ist „das Herzstück des Friedhofs“, sagt Dietmar Gerber. 

Foto: Luise Giggel

Zum Totensonntag soll der Friedhof in Wünschendorf an diesem Wochenende besonders gepflegt aussehen. „Da kommen noch einmal viele Leute und bringen Gestecke für verstorbene Angehörige“, berichtet Friedhofsverwalter Dietmar Gerber. Deswegen sammelt er dieser Tage noch akribischer als sonst Laub und Zweige von den schon recht gepflegten Wegen. Die „Grundordnung erhalten“ auf dem Gelände am Veitsberg ist seit September 2019 die Hauptaufgabe des 57-Jährigen.

Gruselig findet der gelernte Zerspaner seinen Arbeitsplatz gar nicht. „Sterben und Tod gehören zum Leben dazu und es ist eine Arbeit wie jede andere“, sagt er. Nach ein paar Schicksalsschlägen und auf der Suche nach einem beruflichen Neuanfang habe er die Stellenausschreibung „Friedhofsverwalter“ der Gemeinde Wünschendorf im Amtsblatt gesehen und sich beworben. Die Leidenschaft für Pflanzen bringt Dietmar Gerber von sich aus mit. Ansonsten braucht es „etwas handwerkliches Geschick für den Job und keine Berührungsängste mit Gräbern und Urnen“, erklärt Kerstin Gnebner von der Gemeindeverwaltung. Sie ist zuständig für alles Bürokratische rund um den Friedhof. Seit Dietmar Gerber da ist, sehe der Friedhof so gepflegt aus wie nie: „Er behandelt die Fläche wie seinen eigenen Garten“.

Leben auf den Friedhof bringen

Zu seinen ersten Amtshandlungen gehörte es, den Container mit Grünschnitt vom Friedhofseingang in eine Ecke neben der kleinen Kapelle umzusetzen. „Das sieht am Eingang jetzt einladender aus“, findet er. Für Außenstehende vielleicht eine Kleinigkeit, erregte der neue Containerplatz doch einige Gemüter in Wünschendorf. Inzwischen habe sich der Unmut gelegt. Er mag den Kontakt zu den Leuten im Ort. Vor allem ältere Menschen würden auch mal ihre Sorgen bei ihm lassen. „Das tut beiden Seiten gut“ und gebe ihm Bestätigung und Wertschätzung. Viel Gesellschaft bringt sein Beruf sonst nicht mit sich. „Ich kann mich hier selbst organisieren. Morgens drehe ich immer zuerst eine Runde“, beschreibt er seinen Tagesrhythmus. An der ein oder anderen Stelle habe er zusätzlich ein paar Pflanzen aufgestellt. „Ich möchte etwas Leben auf den Friedhof bringen, es soll nicht nur trist aussehen“, sagt er.

Grabpflege und Bestattungen fallen das ganze Jahr über an. Die älteren Familiengräber an den Friedhofsmauern sollen Aushängeschild und Chronik des Ortes zugleich sein. Deswegen befreit Dietmar Gerber sie von zu viel Efeu, hält sie sauber oder lässt Steinplatten erneuern. Bei Bestattungen hebt er die 70 Zentimeter tiefen Löcher für Urnen aus und bereitet die Kapelle für Trauerfeiern vor, anschließend verschließt er die Gräber und drapiert Kränze und Gestecke. „Die lasse ich acht bis neun Wochen drauf, bevor sie entsorgt werden“, beschreibt er.

Überblick und Distanz behalten

Urnengräber würden immer beliebter, weiß der Friedhofsverwalter. Auch die anonymen Bestattungen auf der „Grünen Wiese“ würden zunehmen, da Familien immer weiter verstreut wohnen und hier geringere Kosten und keine Pflege anfallen. Er führt genau Buch über die Belegung. In einem Ordner finden sich handgeschriebene Tabellen und Skizzen, in denen Dietmar Gerber nachvollziehen kann, welcher Platz als nächstes belegt wird. Dafür sitzt er in einem kleinen Raum unter der Kapelle am Schreibtisch. Hier macht er auch seine Pausen. Ansonsten freut es ihn, seine Arbeitstage an der frischen Luft zu verbringen. Auch Regen macht ihm nichts aus. „Ich friere nicht mehr so schnell wie andere“, meint er.

Von Vorteil sei es gewesen, dass er die Wünschendorfer vorher nicht persönlich kannte. So kann er bei Bestattungen Distanz halten, „aber das geht einem schon immer nahe“. Zum Ausgleich geht er täglich in seinem Heimatort Chursdorf spazieren, um den Kopf frei zu bekommen. Außerdem helfe Humor: „Wenn alte Bekannte mich fragen, was ich inzwischen mache, sage ich, dass ich jetzt 1000 Leute unter mir habe“, lacht er.