30-Millionen-Investition: Stadtrat Greiz macht Weg für Marstallcenter frei

Greiz.  Investor Arno Wagner plant einen modernen Gebäudekomplex mit bis zu fünf Geschossen. Diese Handelsketten wollen einziehen.

So könnte das Marstallcenter einmal aussehen. Allerdings handelt es sich nur um einen Entwurf, der noch angepasst werden soll.

So könnte das Marstallcenter einmal aussehen. Allerdings handelt es sich nur um einen Entwurf, der noch angepasst werden soll.

Foto: Arno Wagner / Architekturbüro Wagner

Der Stadtrat Greiz hat bei der Sitzung am Mittwochabend mit deutlicher Mehrheit der Aufstellung eines Bebauungsplanes (B-Plan) für das Marstallquartier zugestimmt.

Was ist die Ausgangslage?

Das Gebiet Marstall in der Greizer Altstadt zwischen Marstall-, Mollberg-, Breuningstraße und Dr.-Rathenau-Platz ist im Einzelhandels- und Zentrenkonzept der Stadt als Potenzialfläche für großflächigen Einzelhandel der Nahversorgung vorgesehen (Supermarkt, Drogerie). Sie sollen ergänzend zum kleinflächigen Einzelhandel der Altstadt wirken und ihn stärken, zumal die Altstadt nachweislich mit Lebensmittelangeboten unterversorgt ist, so Bürgermeister Alexander Schulze (parteilos). Erhofft wird sich, dass mehr Menschen aus den Greizer Ortsteilen und von außerhalb in die Innenstadt kommen und diese beleben, speziell die Marktstraße, die als Achse zwischen Altstadtgalerie und dem geplanten Marstallcenter dienen.

Was ist das Marstallcenter?

Vorgesehen ist laut Investor Arno Wagner vom Architekturbüro Wagner ein moderner Gebäudekomplex mit bis zu fünf Geschossen, in den der historische Marstall integriert werden soll. Mietverträge zwischen elf und 15 Jahren seien mit Rewe, Aldi und der Drogeriekette dm abgeschlossen. Einen vierten Ankermarkt will man kurz vor der Eröffnung vermieten, es gebe schon zahlreiche Interessenten. Dazu sollen ein Parkhaus und ein betreutes Wohnen mit circa 60 Wohneinheiten entstehen. Investieren will Wagner in der Stadt rund 30 Millionen Euro. Ein ähnliches Vorhaben gab es mit einem anderen Investor bereits Ende der 1990er Jahre, der aber schließlich absagte. Ein B-Plan wurde nie zur Genehmigung eingereicht. Weil sich die Gegebenheiten geändert haben, muss es nun einen neuen geben.

Wie geht es nun weiter?

Mit dem Beschluss vom Mittwoch wird die Verwaltung verpflichtet einen B-Plan aufzustellen, beziehungsweise einen Entwurf, der danach auch noch einmal beschlossen werden muss. In ihn soll auch der Kreuzungsbereich Obere Silberstraße/Marstallstraße/Hohe Gasse und Pohlitzer Weg einbezogen werden, wo laut Beschlussvorlage ein Kreisverkehr entstehen soll. Parallel dazu soll ein städtebaulicher Vertrag ausgearbeitet werden, der vor allem die Übernahme der Kosten durch den Investor regeln soll. Ein Vorvertrag wurde nun schon mitbeschlossen. Auch die Beteiligung der Träger öffentlicher Belange und der erforderlichen Gutachter muss noch erfolgen. Bis zum Spatenstich wird also noch einmal einige Zeit vergehen.

Was sind die Bedenken?

Marcel Buhlmann (Linke) wollte „die Euphorie nicht teilen“, wie er sagte. Er befürchte, dass die neuen Standorte für die Super- und Drogeriemärkte nur dazu führe, dass sie aus ihren alten abzögen: die Rewe aus Pohlitz, der Aldi aus dem Spectrum-Center. Fraktionskollege Holger Steiniger meinte, er habe sich eher ein Hotel statt betreutes Wohnen gewünscht.

Vor allem aus der Fraktion AfD/Bürgerfraktion kamen Bedenken wegen der Verkehrsführung, die jetzt schon nicht funktioniere, wie der Fraktionsvorsitzende Torsten Röder meinte. Die Marstallstraße werde verbreitert, eine Abbiegespur geschaffen, so Investor Wagner. Das Landesamt Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr – Region Ost habe noch vor der Corona-Pandemie eine Verkehrszählung durchgeführt und das Verkehrskonzept bestätigt. Zudem habe er schon in schwierigeren Lagen Einkaufszentren gebaut, etwa in Berlin-Spandau, so Wagner.

Wie fiel die Entscheidung aus?

Die Beschlussvorlage hatte mehrere Punkte, unter anderem die Aufhebung des bisherigen B-Planes und die Erstellung eines neuen. Alle Punkte wurden mit einer großen Mehrheit beschlossen – 21 und 22 Ja-Stimmen für die verschiedenen Punkte bei 26 stimmberechtigten Mitgliedern. Nein-Stimmen kamen nur aus der Fraktion Linke (eine für die Aufhebung, zwei für den Rest). Es gab weniger als eine Handvoll Enthaltungen aus den Fraktionen der Linken, der AfD und von FDP-Mitglied Jens-Holger Schmidt.

Meine Meinung