Wort zum Sonntag

30 Sekunden für den Frieden

Lisa Krille,
| Lesedauer: 2 Minuten
Lisa Krille, Pfarrerin in Auma

Lisa Krille, Pfarrerin in Auma

Foto: Heidi Henze

Lisa Krille, Pfarrerin in Auma, über die Geschichte des Friedensaktivisten Abie Nathan.

Der Mai ist ein Monat zum Staunen. Glauben sie mir nicht? Dann erzähle ich Ihnen eine Geschichte.

In den Niederlanden kauft der israelitische Friedensaktivist Abie Nathan ein Schiff, dass sich eignet, eine Radiostation darauf einzurichten. Unter Mühen überführt er es ins Mittelmeer. Dort baut er einen Sender mit dem Ziel, zur Versöhnung von Israelit*innen und Palästinenser*innen beizutragen. 1973 ist es soweit: „The Voice of Peace“, die „Stimme des Friedens“ geht auf Sendung, von „irgendwo im Mittelmeer“. Quasi ein Piratensender, der über die Grenze der Länder hinweg zu hören ist.

Und: Er wird gehört! Von Millionen Menschen in Ägypten, Jordanien, in Syrien und in Israel. Menschen gehen am Strand entlang, auf der Schulter ein Radio; sie hören „The Voice of Peace“ als sie das Rauschen der Wellen hören. Prominente unterstützen Abie Nathan, John Lennon erwähnt ihn sogar in seinem Lied „Give Peace a Chance“.

An jedem Abend aber, genau dann, wenn die Sonne als Feuerball über dem Meer steht und gleich sinken wird, macht Abbie Nathans Sender eine Pause. 30 Sekunden. Schweigen zum Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt. Während die Sonne weiterwandert, um anderswo für die Menschen zu scheinen, liegt die Sehnsucht nach Frieden spürbar in der Luft. Bilder gehen den Menschen durch die Köpfe. Manche fragen sich, warum der Frieden immer noch nicht eingekehrt ist, andere schütteln fassungslos den Kopf, warum wir nichts aus der Geschichte gelernt haben.

Andere überlegen, ob sie nicht selbst etwas tun können und wieder andere denken an die auf der anderen Seite; die sogenannten Feinde. Vielleicht können sie zu Freunden werden. 30 Sekunden. Wortlose Sehnsucht. 30 Sekunden wie ein Gebet all jener Menschen, die sich nach Frieden sehnen.

Abie Nathans Geschichte nimmt kein gutes Ende. Als der Friedensprozess auf politischer Ebene in Gang zu kommen scheint, gehen ihm die Gelder aus. Er findet keine Unterstützer mehr. So erklärt er seine Mission als gescheitert und versenkt sein Schiff im Meer. Doch noch Jahrzehnte später sprechen die Menschen über ihn. Diese Erinnerungen sind nicht totzukriegen, immer noch leben sie, immer noch setzen sie die Sehnsucht frei, die Menschen in Bewegung bringt: 30 Sekunden für den Frieden.

Jesus spricht: „Frieden gebe ich euch, nicht einen, den euch die Welt gibt, sondern einen himmlischen Frieden.“

30 Sekunden für den Frieden, nehmen wir uns die? Amen.