Baukulturelles Erbe in Greiz mit Textilien erhalten

Greiz.  Der Verein Alte Papierfabrik Greiz und das Textilforschungsinstitut unterschreiben erste Skizze für ein Projekt mit den Vogtlandpionieren.

Bodo Ramelow im Gespräch mit dem ehemaligen Direktor des Textilforschungsinstituts Greiz, Uwe Möhring, dem Innovent-Vorstand Bernd Grünler und dem Vereinsvorsitzenden Peter Schmidt (von links) 

Bodo Ramelow im Gespräch mit dem ehemaligen Direktor des Textilforschungsinstituts Greiz, Uwe Möhring, dem Innovent-Vorstand Bernd Grünler und dem Vereinsvorsitzenden Peter Schmidt (von links) 

Foto: Tobias Schubert

Die Idee sei während eines Konzertes entstanden, erzählt der Vorsitzende des Greizer Kulturvereins Alte Papierfabrik. Damals kam er ins Gespräch mit dem neuen Direktor des Textilforschungsinstitutes Thüringen-Vogtland (TITV), Fabian Schreiber, und man überlegte, ob man nicht etwas gemeinsam schaffen könne. Nach 19 Jahren, den es den Papierfabrik-Verein nun gibt, sei man den Punkt gelangt, dass man die Gebäude größtenteils instand gehalten habe und sich die Frage stelle, wohin es in den nächsten Jahren gehen solle, erklärte Schmidt.

Da traf es sich gut, dass das TITV auch einem anderen Netzwerk aktiv ist: Den Vogtlandpionieren, die als Wir-Bündnis über das Programm Wandel durch Innovation in der Region (Wir) vom Bundesbildungsministerium mit mehreren Millionen Euro gefördert werden und sich zum Ziel gemacht haben, mit innovativen Projekten und Technologien das baukulturelle Erbe im Vogtland zu schützen und zu erhalten. Koordinierungsstelle des Bündnisses, das inzwischen 38 Mitgliedern aus dem ganzen Vogtland besteht, ist Innovent aus Jena.

Was als kleiner Ideentausch begann, führte am Mittwoch nun dazu, dass die Beteiligten die erste Projektskizze unterschreiben konnten. Und das vor besonderem Besuch: Denn im Rahmen seiner „Land und Leute“-Tour hatten sich für diesen Tag auch der Thüringer Ministerpräsident, Bodo Ramelow (Linke), und eine ganze Reihe von lokalen Politikern angesagt.

Unter dem Namen Kultex firmiert das Projekt nun, eine Verbindung aus Kultur und Textil. Diese beiden

Schlagwörter sollen auch die Säulen sein, auf denen die Aktion steht. Textilien seien auf vielfältige Weise einsetzbar, erklärte Schreiber. „Wir können damit altes baukulturelles Erbe schnell wieder nutzbar machen“, sagte er. Zwei kleinere Beispiele seien die Verwendung von Textilien als Schallschutz oder leuchtende Textilien, die auf einen Notausgang hinweisen könnten. Die verwendeten Module seien schnell auf- und wieder abzubauen und sollen helfen, Bauererbe „im ganzen Vogtland schnell wieder nutzbar zu machen“. Schreiber brachte auch die Idee ins Spiel, dass dadurch vielleicht für Start-Up-Unternehmen in Greiz geeignete räumliche Möglichkeiten geschaffen werden könnten und so mehr junge Leute in die Stadt gelockt würden.

Wie genau das in der Papierfabrik umgesetzt wird,

steht noch nicht fest. Das verrät schon der Name Projektskizze. Man wolle nun Ideen entwickeln, wie die Sache umgesetzt werden könnte, so Schmidt. Dafür sollen auch andere Vereine unter anderem in Workshops einbezogen werden. Vielleicht werde es der Proberaum in einer kleinen Halle, vielleicht die Künstlerunterkunft „oder vielleicht etwas ganz anderes, an das wir noch gar nicht gedacht haben“, meinte der Vereinsvorsitzende.

Wenn dann feststehe, was entstehen soll, solle an die konkrete Ausarbeitung gehen, bei der zum Beispiel auch das Thema Barrierefreiheit eine große Rolle spiele. Am Ende solle dann ein Modell stehen, das auch andere Kulturschaffende anregen soll. Erst wenn dies beziehungsweise die dazugehörige Planung dann genehmigt, könnte es vielleicht Fördermittel für die Umsetzung geben. Es ist also noch ein langer Weg.

Doch es soll ein Weg sein, denn die Macher zumindest laut Ramelow nicht alleine gehen müssen. Die

Landesregierung werde die Sache „gerne und mit großer Freude unterstützen“, sagte er zu den Verantwortlichen. Ideen wie die in der Papierfabrik lebten von Menschen, die nicht über Vergangenes meckerten sondern versuchten, neue Wege zu gehen. Auch die Greizer Landrätin, Martina Schweinsburg (CDU), war voll des Lobes. Es benötige „sehr viel Mut, um nicht zu sagen etwas Blauäugigkeit, um sich ein solches Projekt aufzuhalsen und nicht aufzugeben, sondern aus jedem Schritt den nächsten zu entwickeln“, sagte sie mit Bezug auf die fast zwei Jahrzehnte währende Arbeit im Kulturverein. Zudem hob sie die Jugendarbeit in der Papierfabrik hervor, etwa durch das dort beheimatete Jugendforum des Landkreises Greiz, und die geplante grenzübergreifende Arbeit der Projekte der Vogtlandpioniere, die sich auf das gesamt Vogtland – also neben Ostthüringen und Westsachsen auch auf Teile Bayerns und Tschechiens – erstrecken soll.

Meine Meinung