Bergaer mit Bewährungsstrafe nach Messerangriff auf Mutter

Berga/Gera.  Warum ein 32-jähriger Bergaer, der vor knapp einem Jahr seine Mutter angegriffen und verletzt, hat mit einer Bewährungsstrafe davon kommt.

Am Amtsgericht Gera ist am 16. Januar das Urteil gegen einen 32-jährigen Bergaer gesprochen worden.

Am Amtsgericht Gera ist am 16. Januar das Urteil gegen einen 32-jährigen Bergaer gesprochen worden.

Foto: David-Wolfgang Ebener / dpa

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Was genau sich am späten Vormittag vor knapp einem Jahr in einer Bergaer Wohnung zugetragen hat, konnte am Donnerstagnachmittag (16. Januar) vor dem Amtsgericht Gera nicht geklärt werden. Der 32-jährige Täter, der damals unter Drogen gestanden hat, sei jetzt clean. Und er könne nun lediglich nachträgliche Erklärungsversuche für den Ausraster liefern, sagte sein Anwalt.

Gestanden hat der junge Mann, damals mit einem Messer mit 12,5-Zentimeter-Klinge auf seine Mutter eingestochen zu haben, mindestens zweimal. Dabei hat er sie am Hals verwundet, zudem fügte er ihr oberflächliche Kratzer an der linken Brust zu. Angeklagt war er wegen gefährlicher Körperverletzung und wurde zu einer achtmonatigen Bewährungsstrafe verurteilt. 150 Stunden gemeinnützige Arbeit muss er zudem leisten, als „Sanktion, die sie spüren“, so Richter Siegfried Christ.

Sohn unter Drogen, Mutter stark alkoholisiert

Das Urteil erklärt sich aus den Umständen der Tat. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Christ ist davon ausgegangen, dass der Bergaer bei dem Angriff vermindert schuldfähig gewesen sei. Erheblich hat er unter Drogeneinfluss gestanden, wie mit Tests nachgewiesen wurde. Er habe mehrere Tage vor dem eskalierten Streit mit seinen Eltern weder gegessen noch geschlafen.

Die Art der Verletzungen der stark alkoholisierten Mutter (über 2,4 Promille) ließen darauf schließen, dass der 32-Jährige nicht mit voller Wucht zugestochen, sondern mit dem Messer „rumgefuchtelt“ habe, so Siegfried Christ. Dennoch sei es eine „brandgefährliche Sache“ gewesen, vor allem die Verletzung am Hals. Ein paar Zentimeter weiter und etwas tiefer, schon hätte er seine Mutter tödlich verwunden können.

Dennoch geht das Gericht davon aus, dass es eine einmalige Situation gewesen sei. Obwohl er sechs Vorstrafen hat, darunter Fahren unter Alkoholeinfluss und die illegale Einführung von Chinaböllern, ist bislang kein Gewaltdelikt dabei gewesen.

Schon am Tatort um Einweisung gebeten

Positiv bewertet wurde vom Gericht, dass der junge Mann seit der Tat versucht habe, sein Leben, vor allem aber sein Drogenproblem in den Griff zu bekommen. „Als wir am Tatort angekommen sind, hat er schon darum gebeten, eingewiesen zu werden“, schildert Sven Pompetzki.

Der Polizist war damals Einsatzleiter und berichtet, dass der 32-Jährige einen psychisch labilen Eindruck auf ihn gemacht habe. Pompetzki erzählt auch, dass die Polizei zunächst davon ausgegangen ist, dass auch eine Kettensäge im Spiel ist. Vor Ort habe man sie aber nicht gefunden.

Auslöser der Tat soll gewesen sein, dass der Verurteilte seinen Eltern die Schuld gegeben habe, dass aus ihm nichts geworden sei. Der Vater eines sechsjährigen Kindes, das bei der Mutter lebt, ist seit 2017 arbeitslos, bezieht Hartz IV. Alkohol- und Drogensucht begleiten ihn seit Jahren. Dass er zum Tatzeitpunkt bei seinen Eltern wohnte, habe das Frustpotenzial offenbar noch erhöht, vermutet sein Anwalt. All die Enttäuschung, die Unzufriedenheit, entlud sich dann wohl an jenem Vormittag im März. „Ich bring dich um“, soll der junge Mann seiner Mutter zugerufen haben, die entgegnet haben soll: „Mach doch.“

Verhältnis zu Eltern heute super

Gegen ihren Sohn haben weder Mutter noch Vater vor Gericht ausgesagt, sie machten von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch. Die jetzige Beziehung zu seinen Eltern beschreibt der 32-Jährige, der inzwischen in einer anderen Stadt wohnt, als „super“. Sie hätten ihm verziehen und er sich auch selbst. „Wir lachen viel miteinander“, erzählt der Bergaer während der Verhandlung.

Vor Gericht betont der 32-Jährige: „Ich entschuldige mich in aller Form bei meinen Eltern und allen Beteiligten. Ich bereue es zutiefst. Ich werde jetzt erwachsen.“ Die Entgiftung habe er schon hinter sich, seit dem Vorfall sei er clean und trocken. Suchtberatung und Selbsthilfegruppe sollen ihm dabei helfen, dass es so bleibt. Ein Betreuer unterstützt ihn in allen anderen Fragen. Und seinen Eltern hat er die Vollmacht gegeben, ihn einweisen zu lassen, wenn sie merken, dass er in alte Muster zurückfällt.

Das Urteil ist rechtskräftig.

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