Der Torjäger bleibt auch der Trainer

Greiz  Fußball: Der SV Blau-Weiß 90 Greiz spielt in der Kreisoberliga, der höchsten Ostthüringer Spielklasse

Im Jahr 1967 gründete sich im Greizer Stadtteil Pohlitz die SG Blau-Weiß Greiz, die in den 80er Jahren in BSG Blau-Weiß Handel Greiz umbenannt wurde und seit der Wende SV Blau-Weiß 90 Greiz heißt.

Nun, 52 Jahre später, schickt sich die Sportgemeinschaft mit nur 52 Mitgliedern an, als wohl kleinster Verein Ostthüringens in der höchsten Spielklasse des Kreisfußballausschusses (KFA) ab August ihre Meisterschaftsspiele auszutragen.

Anfangs trug die SG Blau-Weiß ihre Heimspiele in Greiz-Aubachtal aus. Über die 1. Kreisklasse ging es in die Bezirksklasse (1969), sogar bis in die Bezirksliga nach der Wende.

Der 1. FC Greiz kommt nicht zum Testspiel

Aus Anlass des 20-jährigen Vereinsjubiläums 1987 traf die Gründungself der SG Blau-Weiß in einem freundschaftlichen Vergleich auf den Stadtrivalen und damaligen Aufsteiger zur DDR-Liga, BSG Fortschritt Greiz. Im Juni 2019 konnten die Rechtsnachfolger beider Vereine, der SV Blau-Weiß 90 und der 1. FC ihren Aufstieg in die nächsthöhere Spielklasse bejubeln. In Pohlitz wird ab August Kreisoberliga-Fußball gespielt, auf dem Tempelwald Landesklasse. Die Blau-Weiß-Sportanlage Herrenreuth liegt nordöstlich des Stadtteils Pohlitz, befindet sich bereits auf Herrmannsgrüner Flur und gehört damit topographisch zur Gemeinde Mohlsdorf-Teichwolframsdorf.

Mit 86:42 Toren und 54 Punkten konnte die seit der Halbserie von Torjäger David Himmer betreute Mannschaft bereits vorzeitig den Staffelsieg bejubeln. Wichtige Aufbauarbeit hatte zuvor Trainer-Routinier Johannes Dimter geleistet, der das Team mit Saisonbeginn 2016/17 auf Platz 13 übernahm und später zu Platz zehn und zwei führte.

Im Vorjahr scheiterte der SV Blau-Weiß knapp in der Relegation der Staffelzweiten am FSV Meuselwitz. Im März nach dem 1:2 beim SV Langenberg hatte der Trainer-Oldie sein Amt aus gesundheitlichen und persönlichen Gründen aufgegeben.

David Himmer, dessen Vater Mario selbst viele Jahre im Greizer Fußball als Torjäger und Übungsleiter eine tragende Rolle spielte, übernahm mit 26 Jahren die Aufgabe als Spielertrainer. Vorsitzender Ralf Körner hatte sich kurzfristig mit dem Team verständigt und dann sein okay gegeben. Seitdem ist der gelernte Steinmetz nicht nur für das Training gemeinsam mit seinem Co Nico Springer, der auch der Kapitän ist, verantwortlich, sondern soll auch weiter Tore schießen. Dass er das höherklassig kann, hat der bald zweifache Familienvater schon bei Wismut Gera und beim 1. FC Greiz bewiesen. Doch die Doppelbelastung gilt es nun, erstmals höherklassig zu beweisen. 20 Spieler stehen für das Abenteuer Kreisoberliga zur Verfügung, weniger als elf kommen nicht zum Training, obwohl die Trainingsbedingungen in der Herrenreuth nicht optimal sind.

Seit drei Jahren drückt die Blau-Weißen ein Wasserrohrbruch in der Zuleitung, der scheinbar nicht reparabel scheint. Auch sonst sind die Blau-Weißen oft auf sich allein gestellt. Aber dank einiger Helfer müssen nicht die Spieler das Gras mähen, die Linien ziehen und im Winter Schnee schieben.

Die Zuschauer in Greiz-Pohlitz nehmen das dankend an, kommen doch mehr zu den Spielen als auf dem Tempelwald beim 1. FC Greiz. Nicht auszudenken, wenns mal ein direktes Duell beider geben würde. Sollte es eigentlich auch. Am 14. Juli wollte man in der Herrenreuth auf den Stadtrivalen treffen. Doch der sagte das reizvolle Testspiel jetzt ab, weil die Blau-Weißen Torwart Tim Petzold abgeworben haben sollen. Doch der junge Keeper kam aus sportlichen Gründen freiwillig nach Pohlitz, was man aber auf dem Tempelwald zum Anlass nahm, die Partie zu kippen. So spielt die Himmer-Elf nun gegen Verbandsligist Weida.

Aus dem einmaligen Training pro Woche werden künftig zwei Einheiten, mittwochs und freitags trifft man sich nun. Nicht gerade günstig, wenn samstags gespielt wird. „Aber arbeitsmäßig geht es halt nun mal nicht anders“, sagt der 26-jährige Coach. So richtig fit will er sein Team ab dem 5.Juli machen, fährt auch noch mal in ein Kurztrainingscamp nach Grünheide. Dort sollen auch die vier neuen Spieler integriert werden, die helfen sollen, das Ziel Klassenerhalt zu schaffen. Dazu müssen aber auch weiter die Treffer von Torjäger Himmer beitragen, der 2018/19 in 23 Partien 27 Mal ins Schwarze traf. Aber da hieß die Spielklasse noch Kreisliga.

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