Der Umgang mit den Toten in Corona-Zeiten im Landkreis Greiz

Greiz/Zeulenroda-Triebes.  Bei Vorbereitung notwendiger Schutz für Bestatter. Abschiednehmen unter strengen Regeln

Grabmalstatue auf dem Friedhof in Greiz.

Grabmalstatue auf dem Friedhof in Greiz.

Foto: Tobias Schubert

Es gelten harte Regeln für Trauerfeiern und sie sind für alle gleich, ob für die bislang 16 Corona-Toten im Landkreis oder für nichtinfizierte Verstorbene. Zwar ist eine Änderung in Sicht, aber erst ab Mai sollen bis zu 30 Menschen in einer Kirche zugelassen werden. Abschied nehmen können die Hinterbliebenen bis dahin nur im kleinen Familienkreis unter freiem Himmel am Grab: bis zu zehn engste Angehörige - und im Abstand von 1,50 Metern.

Andere Bedingungen und Schutz für Bestatter

„Gerade dann, wenn man Trost spenden will, muss man auf Distanz gehen“, sagt Maja Bergner, stellvertretende Filialleiterin von Antea Bestattungen in Greiz. Das sei ihr am Anfang sehr schwer gefallen. In Corona-Zeiten sind Sicherheitsabstand, Hand- und Mundschutz und immer ein geschlossener Sarg die wesentlichen Eckpfeiler für die Bestattungsunternehmen.

Gerade der Schutz ist unerlässlich. Selbst wenn auf dem Totenschein des Arztes nicht das Covid-19-Virus ersichtlich ist, könnten auch Infizierte unter den Toten sein. Maja Bergner vermutet hier eine Dunkelziffer. Zwar husten Tote keine Viren mehr aus, doch die Mitarbeiter müssen die Verstorbenen waschen, kleiden und einbetten. Gase oder Sekrete können aus Lunge und Darm entweichen, wenn ein Toter gedreht oder in den Sarg gelegt wird.

Schutzkleidung in Instituten gefragt

Davor schützen die Mitarbeiter der Bestattungsinstitute flüssigkeitsdichte Schutzanzüge oder -kittel, Atemschutzmasken mit oder ohne Ventil, Einweg-Infektionsschutz-Handschuhe und Schutzbrillen mit Seitenschutz. So jedenfalls empfiehlt es der Bundesverband Deutscher Bestatter, wenn es um Corona-Tote geht. Und Greiz ist hier mehr gefordert als jeder andere Landkreis in Thüringen.

Doch genau das sei ihr Thema - Schutzkleidung, sagt Maja Bergner. Das Bestattungswesen sei zwar nun in Thüringen als systemrelevant eingestuft, doch bislang hake es bei der Versorgung mit den notwendigen Masken, Handschuhen und Anzügen, sagt die Bestatterin. Sie habe zwar noch eine Reserve und man helfe sich im Unternehmen untereinander, aber der Vorrat gehe zu Ende.

Schutzkleidung sei kein Problem, sagt der Ostthüringer Innungsobermeister Sven Heisig, Inhaber des gleichnamigen Bestattungsinstitutes in Greiz. Über den Landesverband sei das jetzt gut organisiert. „Wer etwas braucht, kann es abholen“, sagt Heisig.

Feuerbestattung hat ein halbes Jahr Zeit

Maja Bergner und Sven Heisig berichten über das Verständnis, das die Angehörigen haben, wenn sie auf die strengen Regeln für die Trauerfeiern hinweisen. Für eine Erdbestattung gebe es keine Alternative zur begrenzten Zahl der Trauergäste. Der Leichnam werde auch nicht aufgebahrt.

Anders bei der Feuerbestattung. Nach der Einäscherung könne die Urne bis zu sechs Monaten aufbewahrt und dann beigesetzt werden. Wer im größeren Familien- und Freundeskreis Abschied nehmen will, könne diese Möglichkeit wählen, sagt Maja Bergner. Wenngleich die Urne nicht in private Hände gegeben wird. Es ist verständlich, wenn Hinterbliebene auf die Zeit nach Corona hoffen. „Sie können bei der Trauerfeier gemeinsam zurückblicken, sich Trost spenden und rennen nicht gleich auseinander“, sagt Heisig.

Bei Erdbestattung strenge Regeln

Dass die noch geltenden Regeln für Trauerfeiern, die Angehörigen belasten, weiß Pfarrer Christian Colditz von der Kirchgemeinde Greiz-Pohlitz. So berichtet er von einer Familie, die unbedingt in die Kirche wollte. „Mit nur zwölf Angehörigen wäre es in der großen Pohlitzer Kirche auch möglich gewesen, genügend Abstand zu halten. Aber wir mussten uns an die Vorschriften halten“, sagt der Pfarrer. Auf dem Friedhof hätten sie dann sehr dicht beieinander gestanden, suchten Halt und Trost. „Es ist sehr traurig, wenn man den letzten Willen der Verstorbenen und den Wünschen der Angehörigen für einen würdigen Abschied nicht nachkommen kann“, sagt er.

Da im Krankenhaus am Sterbebett nicht Abschied genommen werden kann, komme der Trauerfeier eine größere Bedeutung zu, sagt Pfarrer Michel Debus von der Kirchgemeinde Triebes. „Eine Frau sagte mir, dass trotz der Einschränkungen, die Trauerfeier für sie sehr tröstlich war. Und darum geht es eben auch: Trost“, sagt er. Die Trauerfeiern im kleinen Rahmen seien ungewohnt. Freunde und Bekannte haben keine Möglichkeit dabei zu sein. Ihnen fehlt damit die Möglichkeit, die letzte Ehre zu geben, Anteilnahme und Respekt zu zeigen. Doch die Trauerfeier am Grab sei durch den kleinen Kreis auch persönlicher und intimer. „Es sind manchmal mehr Gefühle möglich als in der großen Gruppe“, sagt Drebus.

Orgelmusik dringt aus Kirchenfenster

„Die Beerdigung, die ich vergangene Woche im kleinsten Familienkreis gestaltet habe, war sehr feierlich, weil wir in unmittelbarer Nähe zur Kirche standen und Orgelmusik durch die geöffneten Fenster hörten“, sagt Klaudia Riedel, Pfarrerin in den Kirchgemeinden Langenwetzendorf-Naitschau & Hohenleuben. Dazu habe das Vortragekreuz am Grab gestanden und eine Kerze in einer Laterne - fast wie ein Altar draußen. Das sei eine gute Rahmung gewesen, sagt sie. Aber es sei schwer, im Anschluss etwas Zugewandtes zu sagen, aber keine Hand zu drücken. „Da bin ich sehr froh, den Segen sprechen zu können“, so Riedel.

Mit Fingerspitzengefühl auf Konflikte reagieren

Sind die Reaktionen der Angehörigen in ihrem Schmerz wirklich so diszipliniert und verständnisvoll? Sie ringen damit, aber ihm seien keine Konflikte bekannt, sagt der Triebeser Pfarrer Debus. Und er habe auch bisher nicht von Polizei und Ordnungsamtseinsätzen auf Friedhöfen gehört. „Das ist schön“, meint er. Gerade da sollte mit Fingerspitzengefühl und Umsicht agiert werden, sagt Debus. Sich freiwillig einzuschränken in einer solchen Situation, fordert Respekt.

Intensiver Kontakt in kontaktbegrenzter Zeit

In der Corona-Krise würden durchaus auch gute Seiten zutage treten, macht Pfarrer Peter Spalteholz von der Pfarrei Sankt Paulus in Zeulenroda-Triebes deutlich. Er habe mehr Kontakt mit den Gläubigen, ob in Gesprächen am Fenster, im Hausflur oder per Telefon. Es sei ein intensiverer Kontakt in einer kontaktbegrenzten Zeit. „Sie sind froh und glücklich, mich zu sehen“, sagt er. Es ist das Gute in einer schlimmen Zeit.