Ehrenamtszertifikat für den Gruppenleiter der Selbsthilfegruppe Sucht in Zeulenroda-Triebes

Zeulenroda-Triebes  Dieter Pruschik von der Selbsthilfegruppe Sucht erhält das Ehrenamtszertifikat der Thüringer Ehrenamtsstiftung

Dieter Pruschik war selbst alkoholabhängig. Heute leitet er die Suchtgruppe.

Dieter Pruschik war selbst alkoholabhängig. Heute leitet er die Suchtgruppe.

Foto: Norman Börner

Der 20. November 1995 ist ein Tag, den Dieter Pruschik nie vergessen wird. Um 23.45 Uhr nimmt er den letzten Schluck Bier. Es soll bis heute sein letzter bleiben. „Da wir mir klar: Nie wieder Alkohol! Ich hatte ein schlimmes Jahr hinter mir und habe zwischenzeitlich auf der Straße gelebt“, erinnert er sich. Der Alkohol sei vorher schon ein Problem gewesen. Doch nun türmte er sich mit den anderen Schwierigkeiten zu einem für ihn überwindbar wirkenden Berg auf.

Dieter Pruschik geht zur Suchtberatung in Greiz. Er bekommt einen Therapieplatz und nach der Entlassung zieht er nach Zeulenroda. Die Selbsthilfegruppe Sucht, die bereits 1986 von Hannelore Pradell-Borrmann gegründet wurde, soll ihm helfen, im neuen Leben zurecht zu kommen. „Ich saß erst in der hintersten Reihe und war sehr skeptisch, ob man mir hier helfen kann“, sagt er. Doch von Mal zu Mal rückt er eine Sitzreihe nach vorne und taut auf.

Die Gruppe steht immer im Mittelpunkt

Heute – mehr als 20 Jahre später – ist Dieter Pruschik immer noch da. Bis ganz nach vorne durchgerückt ist er. Die eigene Sucht hat er im Griff, aber seit gut zehn Jahren ist er der Gruppenleiter der Selbsthilfegruppe. Dafür bekam er nun das Ehrenamtszertifikat von der Thüringer Ehrenamtsstiftung überreicht. „Eine schöne kleine Anerkennung“, sagt er. Nicht mehr und nicht weniger. Denn im Mittelpunkt stünde nicht er oder sein Stellvertreter Gerd Heinig – das „Herz der Gruppe“ wie er sagt – sondern die Gruppe. Die trifft sich einmal die Woche und ist zu so etwas wie Pruschiks Lebenswerk geworden. „Wenn es der Gruppe gut geht, geht es mir gut“, sagt er. Die Gruppe. Das sind Menschen mit ganz unterschiedlichen Suchtbiografien. Alkohol, Tabletten, harte Drogen. In Thüringen liegt der Anteil der Risikokonsumenten bei den Männern, die wöchentlich Alkohol trinken, mit 22 Prozent an der bundesweiten Spitze.

Eine Entwicklung, die Dieter Pruschik in den letzten Jahren beobachtet. „Das Klientel wird älter. Vor allem Rentner fangen aus Existenzangst oder Einsamkeit an zu trinken“, sagt er. Die Sucht sei aber auch immer ein Spiegel jeder persönlicher Lebensgeschichte. Oft kommen auch Menschen in die Gruppe, die beispielsweise ihren Führerschein wegen Alkohol am Steuer verloren haben. Für sie ist die Teilnahme Pflicht auf dem Weg zurück zur Fahrerlaubnis. „Da heißt es oft: Ich habe doch kein Problem“, sagt Pruschik.

Grundsätzlich gebe er jedem den Platz, die eigene Geschichte zu verarbeiten. „Auch der Rückfall gehört bei uns dazu“, sagt er. Wer an den Treffen teilnimmt muss aber eine Wahrheit anerkennen: Er muss etwas ändern und er ist selbst dafür verantwortlich. „Die Gruppe hat ja den Vornamen selbst“, sagt er.

Aber es geht nicht immer nur um Probleme. „Wir feiern Geburtstage oder machen Ausflüge zusammen“, sagt Pruschik. Denn es sei vor allem auch eine Gruppe von Menschen, die sich und ihre Probleme verstehen.

Meine Meinung:

Thüringer Ehrenamtszertifikat

Das Thüringer Ehrenamtszertifikat ist eine Initiative des Freistaates Thüringen, der Thüringer Ehrenamtsstiftung, der Verbände und der Kirchen, der Arbeitgeber- und Wirtschaftsverbände, der kommunalen Spitzenverbände sowie der Hochschulen Thüringens. Mit dem Ehrenamtszertifikat sprechen sie ehrenamtlich engagierten Menschen Dank und Anerkennung aus.

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