Ein Leben lang für andere da

Greiz-Caselwitz  Rosemarie und Gerhard Jalowski aus Greiz feiern goldene Hochzeit. Sie zählen zu den verdienstvollsten Bewohnern der Stadt

„Heute vor 50 Jahren bat ich meine Rosemarie um ihr Ja-Wort, und brachte 39 behinderte Kinder mit in die Ehe“, sagte Gerhard Jalowski anlässlich des goldenen Ehejubiläums. Dieses wurde in der Caselwitzer Kirche eingangs mit Segensworten durch Oberpfarrer Friedrich Knoll begangen, der das Lebenswerk des Paares würdigte.

Die 39 Kinder waren Mädchen und Jungen der kirchlichen Einrichtung für geistig behinderte Kinder in Greiz-Obergrochlitz, dessen Leitung der 25-jährige ­Gerhard ­Jalowski im Auftrag des diakonischen Werkes am 1. April 1968 übernahm. Die Einrichtung war zu dieser Zeit in einem schlechten Zustand, der verantwortliche Kreisarzt bezeichnete es in einem Protokoll als hygienisches Monster. In dieser Zeit lernte der Jubilar seine künftige, damals 20-jährige Frau kennen und lieben, die ebenfalls in dieser Einrichtung ihren Dienst als Kinderdiakonin versah.

Das Haus Carolinenfeld, einst als Rettungshaus auf Betreiben der Fürstin Caroline gegründet, später Waisenhaus und Pflegeheim genannt, ist seit Mitte des 19. Jahrhunderts in der ehemaligen Ziegelei angesiedelt. Heute ist der Diakonieverein ein Unternehmen des diakonischen Werkes Thüringen, das einer großen Zahl Kindern und Jugendlichen Unterkunft, Schule und Ausbildung bietet. Einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung haben die Hauseltern Rosemarie und Diakon Gerhard Jalowski, die für ihren liebevollen Umgang mit den Kindern bekannt waren und Schritt für Schritt durch bauliche Veränderungen für lebenswertere Bedingungen sorgten.

Dazu gehörte der in Eigeninitiative von Mitarbeitern und Heimbewohnern errichtete Neubau für 48 geistig behinderte Kinder. Nach der Wende baute Gerhard Jalowski als Geschäftsführer den Diakonieverein sowie die Carolinenschule auf und trug zur Gründung der Vogtlandwerkstätten bei. Im Gedächtnis geblieben ist dem Ehepaar die Einladung des Bundespräsidenten Richard von Weizsäcker in die Bonner Villa Hammerschmidt anlässlich des Neujahrsempfangs 1991. „In einer Laudatio wurde unser Wirken für eine christliche humanitäre Umsetzung des Liebesgebotes gewürdigt. Wir waren die ersten ehemaligen DDR-Bürger und die einzigen Thüringer“, erinnert sich Gerhard Jalowski.

Am 19. November 2004 bekam Rosemarie Jalowski die Auszeichnung „Thüringer Rose“ für ihr außerordentliches Engagement für Menschen mit Behinderung, trotz eigener Einschränkung und Hilfebedarf. Mit dem Ausscheiden aus dem Berufsleben erhielten Rosemarie und Gerhard Jalowski den Werte-Award der Neues Leben Stiftung Deutschland 1. Klasse für das herausragende Lebenswerk von Menschen.

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