Elektronisch über die Dörfer im Landkreis Greiz

Zeulenroda-Triebes  Infrastruktur für E-Autos soll im Landkreis ausgebaut werden. Eigenheimdichte als Vorteil für ländlichen Raum.

Betreiber der Stromtankstelle sind die Energiewerke Zeulenroda.

Betreiber der Stromtankstelle sind die Energiewerke Zeulenroda.

Foto: Norman Börner

Aktuell haben sie noch absoluten Seltenheitswert auf den Straßen in unserer Region. Stand Juli 2019 sind laut Landratamt 61 E-Autos und 384 Hybridfahrzeuge im Landkreis Greiz zugelassen. Doch kann das elektronisch angetriebene Auto auf dem Land in der Zukunft zu einer ernsthaften Alternativen zum Fahrzeug mit Verbrennungsmotor werden? Das wollen wir in unserem heutigen Teil der Mobilitäts-Serie wissen. Verkäufer Wilhelm Denk vom Autohaus Schweiger in Greiz bringt die Hürden auf den Punkt: „Noch immer sind die Reichweite, die höheren Anschaffungskosten im Vergleich zu Autos mit Verbrennungsmotoren und die Infrastruktur der Ladesäulen die häufigsten Gründe für ein Bedenken der Kunden“, sagt er. Auch wenn die Nachfrage nach E-Autos und Hybridfahrzeugen spürbar gestiegen sei.

Bis 2020 alle 30 Kilometer eine Ladesäule geplant

Zumindest beim Thema Ladesäulen will das Land Thüringen in den kommenden Jahren anpacken. Bis zum Jahr 2020 sollen mehr als 400 Normal- und 40 Schnellladestationen aufgestellt werden – derzeit sind es etwas mehr als 250 Ladestationen. „Unser Ziel ist es, dass alle 30 Kilometer eine Ladesäule zur Verfügung steht“, sagt Andreas Braun von der Thüringer Energie und Greentech-Agentur (Thega). Auch im ländlichen Raum. Derzeit gibt in Zeulenroda-Triebes zwei Ladestationen. Am Kaufland und am Bio-Seehotel kann kostenlos geladen werden. In Greiz kostet die Ladestation eines kommerziellen Anbieters eine Gebühr.

Solche öffentlichen und gut erreichbaren Plätze – wie Einkaufsmärkte, Autobahnausfahrten oder öffentlichen Parkplätze – sollen auch beim Infrastrukturausbau auf dem Land in den Fokus genommen werden, heißt es seitens der Thega. „Aber die Erfahrung zeigen, dass Zweidrittel der E-Autos Zuhause oder auf Arbeit geladen werden“, sagt Thega-Sprecher Braun. Daher müsse ein Ansatz sein, künftig die Infrastruktur bei größeren Arbeitgebern der Region auszubauen. Weil auf dem Dorf das Einfamilienhaus mit eigener Garage aber weitaus verbreiteter ist, als in der Stadt, sei hier der ländliche Raum sogar im Vorteil. „Wer ein eigenes Haus hat, kann das E-Auto ohne viel Aufwand zuhause wieder aufladen“, sagt Braun.

Aber für Mieter oder für Menschen auf der Durchreise sei eine flächendeckende Infrastruktur von entscheidender Bedeutung. Künftig sollen auch die Gemeinden stärker in den Ausbau der E-Mobilität eingebunden werden. Bereits seit diesem Sommer gibt es das Förderprogramm E-Mobil-Invest das Fördergeld für die Aufstellung von Ladesäulen und die Umstellung von kommunalen Fahrzeugflotten in Aussicht stellt. Ab 2020 soll es ein E-Lotsen-Programm geben. Den Gemeinden sollen Berater zur Seite gestellt werden, die Hinweise zu Fördermitteln, dem sinnvollen Aufstellen von Ladestationen und innovativen Konzepten wie Car-Sharing geben sollen.

Die regionalen Energieversorger sollen dabei eine entscheidende Rolle spielen. So wird auch die Ladestation am Kaufland seit 2015 von den Energiewerke Zeulenroda (EWZ) betrieben. Im vierten Jahr gibt es 481 Ladevorgänge – 40 je Monat. „Wir beobachten einen Anstieg. Trotzdem reden wir aktuell im Schnitt von nur gut einem Ladevorgang pro Tag“, sagt EWZ-Geschäftsführer Markus Dürr. Es gäbe derzeit in Zeulenroda-Triebes auch einfach keinen höheren Bedarf an Ladesäulen. Ob der kurze Stopp beim Einkaufen wirklich eine geeignete Stelle für Ladestationen auf dem Land ist, sei fraglich. „Für die kurzen Strecken zwischen den Ortsteilen und Dörfern in die Stadt zum Einkaufen, ist das E-Auto eigentlich perfekt. Aber dann kann ich den Akku auch zuhause laden“, sagt er.

Für ihn ist es nicht die Infrastruktur der Ladesäulen, die das Wachstum der E-Mobilität hemmen. „Entscheidend ist der Preis für die Anschaffung“, sagt er. Auch das eigene Unternehmen unterhalte zwei Elektroautos. Die Leasingraten seien um ein drei- oder vierfaches höher als für einen vergleichbaren Verbrenner.

Fazit: Die Infrastruktur der Ladesäulen für E-Autos scheint auf einem guten Weg. Reichweite und Ladesäulendichte sind auf dem Land allerdings weniger ein Problem. Zum Einkauf oder dem Verein kommt man mit dem Elektroflitzer ohne Probleme. Hausbesitzer sind ohnehin im Vorteil, weil sie zuhause laden können. Aber die Preise der E-Autos liegen trotz Umweltprämie immer noch deutlich über den Verbrennern.

Meine Meinung:

E-Auto Vergleich

Strecke von Gera bis Zeulenroda-Triebes. (43 Kilometer), Quellen: spritkostenrechner.de, quarks.de.

Zeitaufwand: 49 Minuten (Verbrennungsmotorauto: 49 Minuten)

CO2-Ausstoß: 5,4 Kilogramm (8,1 Kilogramm)

Kosten: 1,55 Euro (6,36 Euro)

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