Gerüchte um Mitgliederschwund bei Greizer CDU

Greiz.  Gerüchte um einen Mitgliederschwund bei der Greizer CDU kursieren. Aus dem Kreisverband gibt es widersprüchliche Aussagen.

Bei den Parteien im Landkreis Greiz sind Eintritte und Austritte von Mitgliedern zu verzeichnen.

Bei den Parteien im Landkreis Greiz sind Eintritte und Austritte von Mitgliedern zu verzeichnen.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Die Stimmung im CDU-Kreisverband Greiz ist nicht gut. Elf Ortsverbände gaben am Donnerstag einen offenen Brief heraus, in dem sie den sofortigen Rücktritt des Landes- und Fraktionsvorsitzenden Mike Mohring von beiden Ämtern fordern.

Dahinter scheint auch die Sorge zu stehen, dass sich die desolate Lage der Landes-CDU nach der Ministerpräsidentenwahl auf die politische Stimmung im Kreis niederschlägt. Aus Parteikreisen heißt es, dass es in dem etwa 360 Mitglieder zählenden Kreisverband zu zahlreichen Austritten gekommen sei.

CDU-Mitglieder im Landkreis Greiz sind verunsichert

Martina Schweinsburg, Landrätin und Kreisvorsitzende, weist das auf eine Anfrage dieser Zeitung zurück. „Austritte in Zusammenhang mit der Ministerpräsidentenwahl haben wir nicht“, so Schweinsburg. Gleichwohl würden „die Ereignisse in Berlin und Erfurt auch in unserem Kreisverband eifrig diskutiert.“ Dabei träten kontroverse Meinungen auf, so die Landrätin.

Ein anderes Bild zeichnet Michael Täubert, Ortschaftsbürgermeister von Mohlsdorf und Kreistagsmitglied. „Mir sind eine Handvoll Austritte bekannt, auch wenn die Gründe dafür verschieden sind“, sagt Täubert. Darunter seien langjährige Mitglieder. „Das ist schade, da sich Freundschaften aufgebaut haben. Es ist um jedes Mitglied schade, das man verliert, aber bei den Engagierten tut es schon besonders weh“, so Täubert. Hinzu komme, dass man zu einem Neueintritt, „derzeit niemanden bewegen“ könne.

Täuberts Erklärung: Die Landes-CDU sei „zu sehr zwischen links und rechts geschwankt“, die unklare Positionierung verunsichere viele Mitglieder. „Es muss wieder Klarheit herrschen“, fordert Täubert.

Angst, dass die Greizer CDU bei den nächsten Kommunalwahlen erheblich an Stimmen einbüße, habe er aber nicht, so Täubert. „Wir machen im Kreistag eine solide, in den Gemeinderäten eine sehr gute Arbeit. Zudem haben wir mit Martina Schweinsburg eine starke Landrätin, die auch konservative Wähler einfangen kann“, sagt er.

Linke und AfD gewinnenan Mitgliedern

Indes ist bei anderen Parteien im Landkreis nach der Ministerpräsidentenwahl Bewegung in die Mitgliederzahlen gekommen. Linke und AfD verzeichnen nach eigener Aussage Zulauf. „Wir haben einige Eintritte“, so Sven Weber, Kreisvorsitzender der Linken. Etwa 165 Mitglieder zähle der Kreisverband. „Wir profitieren von der vergangenen Woche, da die Leute merken, dass sie bei der Linken wissen, woran sie sind“, so Weber. Ziel sei, die Mobilisierung langfristig zu nutzen.

Die AfD hat laut Thomas Rudy, Sprecher des Kreisverbandes Greiz-Altenburg, etwa zwanzig Neuanträge in den vergangenen zwei Wochen bekommen. „Das ist vergleichsweise viel, darunter sind auch auffällig viele jüngere Menschen“, so Rudy. 88 Mitglieder zähle der Kreisverband.

Bei SPD, Grünen und FDP habe sich seit der Ministerpräsidentenwahl hingegen nichts an den Mitgliederzahlen geändert. Beim etwa 100 Mitglieder zählenden SPD-Kreisverband habe es „keine Eintritte und Austritte gegeben“, sagt Vorsitzende Heike Taubert.

Bergner ist Anfeindungenausgesetzt

Bei den Grünen, die im Landkreis etwa 20 Mitglieder haben, „ist niemand hinzugekommen“, wie Sprecherin Katja Grunert sagt. Gleichwohl habe der Kreisverband in den vergangenen zwei Jahren „einen deutlichen Zuwachs“ erfahren.

Bei der FDP gebe es „keinen Austritt und keinen Eintritt“, sagt Kreisvorsitzender Dirk Bergner. Der Landtagsabgeordnete berichtet, dass er, wie andere FDP-Politiker auch, in den vergangenen Tagen angefeindet worden sei. „Es gehen Beschimpfungen aus dem gesamten Bundesgebiet ein. Auch wenn es unangenehm ist: Das kann ich an mir abprallen lassen. Zu schaffen macht, mir, wenn es sich gegen das familiäre Umfeld richtet. Denn die haben mit meiner politischen Arbeit nichts zu tun“, sagt Bergner.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren
Im Moment können keine Kommentare gesichtet werden. Da wir für Leserkommentare in unserem Internetauftritt juristisch verantwortlich sind und eine Moderation nur während unserer Dienstzeiten gewährleisten können, ist die Kommentarfunktion wochentags von 22:00 bis 08:00 Uhr und am Wochenende von 20:00 bis 10:00 Uhr ausgeschaltet.