Geschichte auf ein paar Zentimetern: Briefmarkausstellung Thübra in Greiz

Norman Börner
| Lesedauer: 4 Minuten
Zur Ausstellung öffnet die Post ein Sonderpostamt, das diesen einmaligen Stempel verteilt.

Zur Ausstellung öffnet die Post ein Sonderpostamt, das diesen einmaligen Stempel verteilt.

Foto: Norman Börner

Greiz  Philatelisten zeigen, dass ihr Hobby mehr ist, als schnödes Anhäufen

Das Sammeln von Briefmarken war einst deutscher Volkssport. In fast jedem Haushalt war eine Sammlung zu finden. Heute hat das Hobby einen angestaubten Ruf. „Zu unrecht. Es geht ja nicht, um das schnöde Sammeln von Marken. Manchmal sitze ich mit einem Glas Rotwein und Zigarre vor einem alten Brief und male mir die Geschichte dahinter aus“, sagt Wolfgang Land, der Präsident des Bundesverbandes des Deutschen Briefmarkenhandels. Wer hat sie verschickt? Welche geschichtlichen Hintergründe hat die Zeit, aus der sie stammt? ­Allgemeinwissen, Fantasie und Geduld – das alles seien Eigenschaften, die ein guter Sammler haben muss. Wie also sieht der typische Briefmarkensammler nun aus? Wir haben uns auf der Ausstellung Thübria in der Vogtlandhalle Greiz umgesehen.

Zeitzeugnis und Wissensspeicher

Von Donnerstag bis Sonntag trafen sich dort Philatelisten – so der Fachbegriff für die Markenexperten – aus Thüringen und weit darüber hinaus. Zum Handeln, Fachsimpeln und zum Wettkampf. Schließlich zeichnet eine Jury die beste Kollektion aus. Wer sich mit den Kriterien, die eine gute Sammlung ausmachen, auseinandersetzt, merkt schnell, dass es um mehr geht, als kaufen, einkleben und in den Schrank stellen. Mehr als 100 Sammlungen gibt es in der Vogtlandhalle zu sehen. Dabei können die Ausstellungsstücke thematisch – nach abgebildetem Motiv – oder klassisch begrenzt sein. Ein Aussteller hat sich beispielsweise der Postgeschichte von 1872 bis 1875 gewidmet.

Doch eine Sammlung besteht nicht einfach aus vollständig zusammengesuchten Marken. Neben den Marken sind geschichtliche Anmerkungen zu dieser Zeit vermerkt. Eine Marke aus dem einst deutschen Elsass-Lothringen zeigt, welche historischen Hintergründe die Briefmarke vermitteln kann. „Ich habe mehr durch Briefmarken gelernt, als aus Schulbüchern“, sagt Georg Kemser, ein Händler aus Bayern.

Neben ihm kramt Wolfgang Lang in seinem Fundus, als habe er genau das richtige Objekt, um diese Aussage zu unterstützen. „Das hier ist die frühste bekannte Ansichtskarte von Greiz“, sagt er und zeigt ein kleines Kärtchen, mit einer gemalten Stadtansicht von Greiz. Anscheinend wurden sie von der Kunstanstalt für Buch- und Steindruck Löffler verteilt, um das Erscheinen eines Vertreters anzukündigen. „Postkarten wurden aus so vielen Gründen verschickt. Nur aus Spaß, um die große Liebe zu gestehen oder als Werbemittel. Es ist die Whats-App-Nachricht von früher“, sagt Wolfgang Lang. Und ist dann die Briefmarke der Smiley?

Es sind nicht nur historische Erzählungen, die Sammler ansprechen. Es gibt auch weichere Themen. Wilfried Fuchs aus Stuttgart sammelt Marken nach Motiven. Tiere. Oder besser sammelt er Marken eines einzigen Tieres. Erraten sie welches? Richtig: Der Fuchs. „Ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht wie viele Marken mit Fuchsmotiv ich­ inzwischen habe“, sagt er. Doch um seine Kollektion bei einem Wettbewerb einzureichen, reicht es nicht, eine Kiste mit tausenden Briefmarken hinzustellen. „Eine gute Sammlung ist originell. Sie ordnet ein oder bringt die Marken in einen sinnvollen Zusammenhang“, sagt Fuchs. So findet sich in der Vogtlandhalle beispielsweise eine Sammlung über den dänischen Schriftsteller Hans Christian Andersen. Der verantwortliche Philatelist geht auf das Leben des Autors ein. Er erklärt warum Hans Christian Andersen, zu dieser und jener Zeit gesellschaftliche Relevanz entwickelte, die ihn schließlich als Motiv auf eine Briefmarke brachte. „Das ist der eigentliche Spaß am Briefmarkensammeln. Eine originelle Idee haben und alle Hintergründe recherchieren“, sagt Wolfgang Lang.

Und schließlich spiele auch insgeheim die Hoffnung „einen Schatz zu heben“ eine Rolle, sagt Wilfried Fuchs. Eine besonders seltene Marke ausfindig zu machen. „Die berühmteste ist wohl die Blaue Mauritus“, sagt Fuchs. Auch wenn die ganz seltenen Marken heute bereits fest in Sammlungen oder Museen sein, hoffe jeder Philatelist auf so einen Coup, so Fuchs.