Gisela Ostermann will auch mit 70 aktiv bleiben

Greiz.  Die Vorstandsvorsitzende des Behindertenverbands Greiz hat neue Projekte im Blick.

Gisela Ostermann bei der Feier zu ihrem 70. Geburtstag.

Gisela Ostermann bei der Feier zu ihrem 70. Geburtstag.

Foto: Verband für Behinderte Greiz

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Gisela Ostermann, die Vorstandsvorsitzende des Verbands für Behinderte Greiz, hat jüngst ihren 70. Geburtstag gefeiert. Zahlreiche Gratulanten würdigten bei einer kleinen Feier das Engagement Ostermanns für behinderte und sozial benachteiligte Menschen in Greiz und Umgebung.

Ostermann war die Aufmerksamkeit, die ihr vor gut zwei Wochen entgegenkam, sichtlich unangenehm. „Das ist mir alles viel zu groß, ich will das gar nicht“, sagte Ostermann, die seit nun fast zwölf Jahren die Geschicke des Verbands leitet. Zwei Jahre zuvor, am 1. August 2005, war Ostermann in den Verband eingetreten.

Der Verband für Behinderte Greiz, gegründet im Jahr 1990, hat es sich zum Ziel gesetzt, sich für die Interessen behinderter und hilfsbedürftiger Menschen einzusetzen, ein barrierefreies Umfeld für Behinderte zur Teilnahme am öffentlichen und kulturellen Leben in Greiz und Umgebung zu schaffen und die lokale Öffentlichkeit über die alltäglichen Probleme behinderter Menschen aufzuklären. 135 Mitglieder zählt der Verband heute.

Unbequem, kritisch und mit Weitblick

Und dass der Verband heute stärker denn je dastehe, sei der große Verdienst von Gisela Ostermann, sagt ihre Mitarbeiterin Dagmar Pöhland. „Sie hat immer das große Ganze im Blick, sieht vieles, was oft nicht gemacht wird“, so Pöhland. Dabei könne ihre Chefin auch mal anecken, wenn sie ihren Willen durchsetzen wolle. „Für andere ist sie nicht immer leicht, weil sie unbequem ist und Kritik anbringt. Aber das steht ihr auch zu, weil wir das Sprachrohr für Menschen sind, die es im Leben nicht leicht haben“, sagt Pöhland.

„Wenn Behinderte keine Lobby haben, dann passiert auch nicht viel“, sagt Gisela Ostermann zu ihrer Motivation, sich auch weiterhin im Verband zu engagieren. Ein barrierefreies Greiz, eine verbesserte Kommunikation der Bewohner der ehemaligen Residenzstadt untereinander und die Gründung des Mehrgenerationenhauses nennt sie als bisherige Höhepunkte ihres Schaffens.

Zudem habe der Verband seinen Aufgabenbereich stetig erweitert. Die Freizeitbetreuung, die Arbeit mit Asylbewerbern und insbesondere die Schulbegleitung sieht Ostermann als große Erfolge an. Besonders bei der Schulbegleitung habe sie selbst nicht an diesen geglaubt. „Ich habe gesagt: Das sollten wir so nicht machen. Dann habe ich mir das angeschaut und sofort gewusst: Das ist das Richtige“, so die 70-Jährige.

„Das sind halt meine Spinnereien“

Es gebe Missstände, die ihr Verband noch nicht habe beheben können. Mit Blick auf die anstehende Adventszeit nennt Ostermann dabei vor allem das Thema Einsamkeit. „Es gibt in Greiz viele einsame Menschen und das ist sehr schlimm“, sagt sie. Immer wieder treffe sie auf Menschen, die ihr erzählten, dass sie keine Weihnachtslieder hören könnten. Diese würden sie daran erinnern, dass es niemanden gebe, mit dem sie die Feiertage verbringen könnten.

Gisela Ostermann blickt kurz zu Dagmar Pöhland, als sie das gesagt hat. „Vielleicht ließe sich ja hier an Heiligabend ein Treffpunkt für solche Menschen einrichten“, sagt sie. Die Chefin überrumpelt ihre Mitarbeiter mal wieder mit einer Idee. Oder wie Gisela Ostermann es sagt: „Ich spinne manchmal schon ziemlich. Aber das sind halt meine Spinnereien.“

Schon kommen die nächsten Gratulanten auf die Verbandschefin zu. „Das mit den Geschenk nimmt ja gar kein Ende. Lasst mich doch einfach arbeiten“, sagt sie peinlich berührt. Auch mit 70 Jahren ist sie voller Tatendrang, will mit ihrem Verband weiter etwas in Greiz bewegen. Was genau das ist? „Mir fällt schon wieder was ein, keine Bange“, sagt Gisela Ostermann. Sie will weiter nerven, um sich für ihre Visionen einzusetzen.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren