Greizer Erfindung in Namibia aufgestellt

Greiz.  Der namibische Botschafter in Deutschland war in Greiz, um den Vertrag für eine Entsalzungsanlage zu unterschreiben - erfunden von einem Greizer.

Vertragsunterzeichnung zu Entsalzungssystem aus Greiz für Namibia. Von links: Erfinder Ramin Assisi aus Greiz, Koos van Straaten aus Windhoek Namibia und Namibias Botschafter in Deutschland Andreas B.D. Guibeb.

Vertragsunterzeichnung zu Entsalzungssystem aus Greiz für Namibia. Von links: Erfinder Ramin Assisi aus Greiz, Koos van Straaten aus Windhoek Namibia und Namibias Botschafter in Deutschland Andreas B.D. Guibeb.

Foto: Petra Lowe

Nur fünf Cent pro Kubikmeter würde die Verwandlung von Salzwasser in Trinkwasser mit seiner neuen Erfindung kosten, sagte am Donnerstag, dem 26. Februar, Ramin Assisi in der Villa Albert in Greiz vor seinen Gästen aus Namibia. Seine Erfindung dürfte besonders für Länder mit viel Trockenheit und Anschluss ans Meer, wie Namibia, interessant sein. Ein Prototyp des neuen Systems entsteht gerade an der Technischen Universität Kaiserslautern.

Das Patent für die „Frewalution“-Erfindung des Diplom-Informatikers ist angemeldet. Seine Söhne Leonardo und Henri Anselme Ferdinand Assisi, Gesellschafter der Hela Systems OHG in Greiz, sind mit der Vermarktung der Erfindung beauftragt.

Und offenbar ist dies von Erfolg gekrönt, denn der namibische Botschafter Andreas B. D. Guibeb reiste mit Wirtschaftsexperten nach Greiz, um einen Vertrag über ein Pilotprojekt mit der Hela Systems abzuschließen.

Das Land im Südwesten Afrikas stellt für den Bau einen Quadratkilometer Fläche zur Verfügung. Gestern blieb der Standort nahe der Atlantikküste in der Wüste Namib noch offen, zunächst war Walvis Bay ins Spiel gebracht worden, eventuell wandert der Standort etwas nördlicher und näher an den Atlantik.

Namibia hat mit langanhaltender Dürre zu kämpfen. Trinkwassergewinnung aus dem unerschöpflichen Meerwasser ist also entscheidend für die Entwicklung des Landes. „Wir haben große Erwartungen an das System, das es erlaubt, wesentlich kostengünstiger Meereswasser zu Trinkwasser umzuwandeln“, sagte Andreas B. D. Guibeb in der Villa Albert in Greiz.

Zu dem Termin waren zahlreiche Wirtschaftsexperten gekommen aus Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg, der Thüringer Landesentwicklungsgesellschaft und der Thüringer Aufbaubank. Der Prototyp soll in drei Monaten fertig sein und danach werde ein Modell in Namibia errichtet. Guibeb erwartet in einem Jahr ein ernsthaftes Ergebnis. Davon seien Fördermittel aus Thüringen und Namibia abhängig. Immerhin könnten um die sechs Millionen Euro in der Phase des Aufbaus anstehen. Vom Erfinder gebe es das Versprechen, kein stark mechanisiertes System zu liefern, sondern eine Entsalzung, die aus einfachen Komponenten besteht und von seinen Landsleuten auch unterhalten werden kann. Wie Hela-Rechtsanwalt Eike Winkler sagte, bestehe die Absicht, 50 Millionen Liter Trinkwasser pro Tag zu produzieren. Das könnte auch Landwirtschaft und Aufforstungsprogrammen dienen. Dabei würden die Kosten bei fünf bis zehn Prozent des heutigen Preises für die Umwandlung in Süßwasser liegen. Guibeb bezifferte den Preis derzeit auf 60 Cent pro Kubikmeter.

Die intensive Sonneneinstrahlung in Afrika ist für das Entsalzungsverfahren und den Transport des Wassers von Vorteil. Das Temperaturgefälle dort zwischen sonnenerhitztem Meerwasser und Behältern, die im Boden eingelassen sind, erlaube, auf eine künstliche Energiezufuhr zu verzichten, so Assisi. Ein Vorteil gegenüber anderen Verfahren.

Lediglich für Pumpen Steuerungsanlagen oder auch Wartungssysteme würde ein geringe Menge elektrischer Energie benötigt. Vernachlässigbar, schaut man auf den Aufwand von 0,002 Kilowattstunden pro Kubikmeter gewonnenes Süßwasser. Wende man das neue System von Assisi im großen Stile an, also in vielen Ländern, würde ein positiver Effekt bei der Reduzierung der globalen Erderwärmung erreicht. Assisis Wünsche oder Träume gehen aber noch weiter. Für die Produktion der Entsalzungsanlagen sieht er Potenzial in seiner Wahlheimatstadt. „Würden wir von Greiz aus beliefern, dann könnten wir die Stadt reindustrialisieren“, sagt er. Die Pilotanlage in Namibia wird zeigen, welche Zukunft das Projekt hat.