Greizer Theaterherbst präsentiert Hörspiel und bezauberndes Kinderschauspiel

Karsten Schaarschmidt
| Lesedauer: 4 Minuten
Mit Spielfreude die Herzen der Gäste erobert: Die Mitwirkenden der Schauspielwerkstatt für Kinder inszenierten das Grimmsche Märchen „Das Waldhaus“.

Mit Spielfreude die Herzen der Gäste erobert: Die Mitwirkenden der Schauspielwerkstatt für Kinder inszenierten das Grimmsche Märchen „Das Waldhaus“.

Foto: Karsten Schaarschmidt

Greiz.  Gerade durften Gäste die dritte Aufführung der Schauspielwerkstatt für Kinder erleben.

Den dicksten Strich durch die Rechnung hat das Regenwetter der vergangenen Tage den Kindern der Schauspielwerkstatt „Das Waldhaus“ gemacht. Ursprünglich geplant als Open-Air-Spiel im Goethepark und mit zwei Ziegen in Aktion, bleib für alle vier Aufführungen des gleichnamigen Märchens der Brüder Grimm nur die trockene Version im Saal des Greizer Hotels „Haus Friedensbrücke“ – und das leider ohne die Ziegen.

Haus Friedensbrücke wirdzum Zauberwald

Dass die Kinder dennoch eine herzerfrischende Inszenierung spielten, ist gleichermaßen zu loben wie die Premiere der Hörspielwerkstatt „Herztöne“ im Pferdestall des Oberen Schlosses.

Aber der Reihe nach: Am Dienstag durften die Gäste die dritte Aufführung der Schauspielwerkstatt für Kinder erleben, die von der in der Oberlausitz lebenden Schauspielerin und Stuntfrau Marie Spinka sowie der Dresdener Theaterpädagogin Hannah Drescher geleitet wurde. Und nicht nur als Schauspielende betätigten sich die jüngsten Theaterherbst-Mitwirkenden, sie zeigten ebenso ihr Talent als Bühnen- und Kostümbildner, Textschreiber und Regieassistenten.

So verwandelten sie den Saal der Friedensbrücke in einen wundervollen Wald. Der dort lebende Waldgeist hatte einst das ebenfalls im Wald befindliche Schloss in eine Kate und die Prinzessin in einen alten Greis sowie ihr Gestade in Tiere verzaubert – als Strafe dafür, dass die Bewohner sich respektlos gegenüber den Tieren verhalten haben. Die drei Töchter eines Waldarbeiters sollen ihrem Vater das Mittagessen in den Forst bringen, der Vater verteilt Samen, damit sie den Weg zu ihm finden. Doch der Waldgeist lässt die Samen in einem Staubsauger, der für die Ziegen einspringen musste, verschwinden, sodass sich alle drei Mädchen verlaufen. Im einstigen Schloss müssen sie dem alten Mann das Essen bereiten, aber nur die letzte und jüngste Tochter des Waldarbeiters kümmert sich auch um die Tiere – und sprengt so den Bann. Prinzessin und jüngste Tochter heiraten – ist ja heutzutage problemlos möglich – und alle feiern. Mit Wortwitz, Bezügen ins Hier und Jetzt, frischem, beherztem Spiel und Ausdrucksstärke erzählten die Kinder die Geschichte vom „Waldhaus“ – und fanden geradewegs den Weg in die Herzen des Publikums.

Kino für den Kopf mit vogtländischen Bezügen

Hörspiel ist Kino für den Kopf, was mittlerweile eine fast abgedroschene Umschreibung des Genres ist, hat aber ihre Berechtigung umso mehr, wenn es gelingt, eine Geschichte mit Worten in lebendige Bilder zu verwandeln. Dieses Kunststück vollbrachten die Mitwirkenden der von der Berliner Künstlerin Sarah John geleiteten Hörspielwerkstatt „Herztöne“. Am Dienstag feierten sie mit ihrer Adaption von Wilhelm Hauffs „Das kalte Herz“ im Pferdestall Premiere. Kein Köhler, sondern ein Gerber war Peter Munk, aber genauso unzufrieden mit seiner Situation. Mit diesen und weiteren Bezügen zur vogtländischen Sagenwelt verlagerten die Mitwirkenden die Geschichte in die Region und verankerten sie zudem im hiesigen Leben und der alten und jüngeren Geschichte.

Zur Premiere als Live-Hörspiel aufgeführt, wurden nicht nur die Texte live gesprochen, auch eine Vielzahl der Geräusche entstanden vor den Augen und Ohren der Gäste. Und die Geräusche waren es, die der Erzählung eine mystische, raumgreifende und bilderbefeuernde Atmosphäre schenkten. Dass der Spielfluss von den Darstellern an der einen oder anderen Stelle bewusst unterbrochen wurde, um Unstimmigkeiten oder andere Meinungen der Mitwirkenden kundzutun, verhalf dem Abend nochmals mehr zu einer Größe, die weit über ein bloßes Nacherzählen der Hauffschen Dichtung hinausreichte. Auch die unterschiedlichen Enden, die von den Spielenden geschaffen wurden, trugen dazu bei, dass der alte Stoff abermals an Aktualität gewann.

Am heutigen Donnerstag ist „Herztöne“, 18.30 Uhr, erneut im Pferdestall zu erleben.