Landrätin bietet Verkauf des Schleizer Krankenhauses an

Greiz.  Aufsichtsratsvorsitzende Martina Schweinsburg bietet Verkauf des Krankenhauses Schleiz an. Sie erklärt, dass Grundversorgung sichergestellt bleiben soll.

Eines der Protestbanner,  die am Donnerstag zur Demonstration vor dem Landratsamt Greiz entrollt wurden.

Eines der Protestbanner, die am Donnerstag zur Demonstration vor dem Landratsamt Greiz entrollt wurden.

Foto: Petra Lowe

„Unser Ziel ist es nach wie vor eine ärztliche Grundversorgung am Standort Schleiz sicherzustellen. Dafür arbeiten wir derzeit mit den Ärzten, Pflegekräften und Dienstleistern an einem zukunftsorientierten Konzept, das auch für die nächsten Jahre die gesundheitliche Versorgung sicherstellt“: Mit diesen Sätzen beginnt die Greizer Landrätin und Aufsichtsratsvorsitzende der Kreiskrankenhaus Greiz GmbH, Martina Schweinsburg (CDU), einen offenen Brief, den sie als Antwort auf ein ähnliches Schreiben des Schleizer Stadtrates und des Schleizer Bürgermeisters, Marko Bias (CDU), verfasst hat.

Darin verteidigt sie auch die spärliche Informationslage zu den Plänen für die Zukunft der Häuser. Es sei ein sehr dynamischer Prozess, bei dem einen „die Realitäten ein- oder gar überholen“ würden – ein Beispiel sei die Geburtsklinik in Schleiz, die bis auf Weiteres geschlossen wurde.

Deswegen wolle man sich nicht zu Details äußern, bevor „eine solide, belastbare Lösung vorliegt“. „Halbgare Informationen“ nützten niemanden etwas, würden nur weiter verunsichern und die Emotionen anheizen.


Standort Schleiz werde nicht
für Greiz „ausgeblutet“

In dem Schreiben bezieht Schweinsburg noch einmal Stellung zu der Schließung der Geburtenstation. Hier habe von heute auf morgen das ärztliche Personal gefehlt. Den Kreißsaal weiterzubetreiben sei „nicht zu verantworten und nicht zulässig gewesen“. Die Einstellung eines Honorararztes würde das vierfache an Personalkosten verursachen, ohne dass dieses durch die Krankenkassen refinanziert würde. Zudem sei die Station schon seit einiger Zeit nicht ausgelastet. Für 2017 gibt sie für Schleiz 331 Geburten an, für 2018 nur 277 und für 2019 gar 269. Das seien für 2017/2018 nicht einmal die Hälfte der Geburten im Saale-Orla-Kreis und weniger als die 500, die im Krankenhausreport der Krankenkasse AOK für 2017 als Mindestzahl pro Klinik pro Jahr gefordert seien.

In den vergangenen Jahren und besonders seit 2017 habe sich die Situation von kleinen Krankenhäusern „dramatisch verschlechtert“. Dies habe verschiedene Ursachen, unter anderem neue Regelungen der Gesundheitspolitik, zum Beispiel Quotenvorgaben für bestimmte Behandlungen oder der bekannte Investitionsstau der Länder. Der Trend in Deutschland gehe immer mehr zur Zentralisierung. Außerdem wehrt sich die Aufsichtsratsvorsitzende gegen den Vorwurf, der Standort Schleiz werde zugunsten des Greizer Krankenhauses „ausgeblutet“. Vor dem Verkauf des Schleizer Krankenhauses durch den Saale-Orla-Kreis seien im Kreishaushalt jährlich eine Million Euro als Gesellschafterzuschuss eingestellt gewesen. „Wenn Sie diese Summe auf die nunmehr 15 Jahre des Gesellschafterwechsels zum Krankenhaus Greiz hochrechnen, dann hat der Saale-Orla-Kreis seinen Haushalt bedeutend entlastet“, schreibt Schweinsburg. Zudem sei die Alternative zu diesem Verkauf an die Greizer GmbH gewesen, dass das Schleizer Krankenhaus schon vor 15 Jahren zugemacht hätte.

Zuletzt bietet Schweinsburg den „öffentlich Engagierten“ an, das Krankenhaus Schleiz zum offiziellen Buchwert zu kaufen, sollte kein Vertrauen für eine gemeinsame Arbeit mehr vorhanden sein. Eine Kaufsumme nennt sie im Brief nicht. Das Kreiskrankenhaus Greiz sei dann auch bereit, es mit Auftrag des neuen Gesellschafters weiterzubetreiben. Dieses Angebot würden aber auch andere Klinikbetreiber unterbreiten. „Nach den derzeitigen Berechnungen würde die Weiterbetreibung des Kreiskrankenhauses Schleiz als selbstständiger Betrieb ohne strategische Partner einen jährlichen Gesellschafterzuschuss von rund 1,0 bis 1,5 Millionen Euro erfordern“, gibt sie zu bedenken.

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