Heute vor 50 Jahren fuhr der letzte Obus in Greiz

Greiz  Nach der Einführung der Oberleitungsbusse am 21. September 1945 war im Herbst 1969 deren Ablösung durch Omnibussse bereits vollzogen

Bild des letzten Obus‘, der von Greiz nach Elsterberg fuhr. Vor 50 Jahren wurde der Verkehr mit diesen Fahrzeugen eingestellt.

Foto: Museen der Schloss- und Residenzstadt Greiz

Als der geschmückte Abschieds-Obus am frühen Nachmittag des 11. Juli 1969 die Wagenhalle in der Adelheidstraße verließ, war die Ablösung des Obus durch den Omnibus bereits vollzogen. Vor allem Betriebsangehörige nutzten die Allerletzte Fahrt“ mit ihrem Strippenbus, der unter schwierigsten Bedingungen im September 1945 erst auf einer Teilstrecke bis zur Tannendorfbrücke und dann endlich im November 1946 bis nach Elsterberg seinen Betrieb aufnahm.

Unterwegs wurden an diesem Tage einige Stopps für Abschiedsbilder eingelegt. Zurück in der „Garage“ ging es anschließend auf den Reißberg, um auf 24 Jahre elektrischen Betrieb und alle damit verbundenen Erlebnisse anzustoßen.

Die eigentlich zum Einstellungstag avisierten ungarischen Gelenkbusse trafen leider nicht pünktlich ein. Ein Weiterbetrieb des Obus war ausgeschlossen, weil an diesem Tage auch die Betriebserlaubnis der Fahrzeuge endete. So war wieder einmal das Improvisationstalent des Betriebsleiters gefragt.

Er musste kurzfristig Ersatzbusse organisieren, die die Lücken des Obus bis zum Eintreffen der Neufahrzeuge schließen sollten. Dass daraus ein fast dreimonatiger Übergangsbetrieb werden sollte, konnte zu diesem Zeitpunkt noch niemand ahnen. Schließlich musste das Personal nach dem Eintreffen der neuen Ikarus-Gelenkbusse erst noch geschult und eingewiesen werden, bevor man an einen Linieneinsatz überhaupt denken konnte. Die Fahrgäste wollten eigentlich ihren in die Jahre gekommenen Elektrobus gern behalten. Nach fast einem Vierteljahrhundert hatte man sich an das geräuschlose Fahren gewöhnt.

Bisher ging man davon aus, dass letztendlich die völlig verschlissene Oberleitungsanlage und das Fehlen von Ersatzteilen und neuen Fahrzeugen zur Einstellung führten. Am Willen und der Einsatzbereitschaft der Mitarbeiter des Kraftverkehrs im Fahrdienst und der Instandhaltung hat es jedenfalls nicht gelegen. Die haben unter größten Anstrengungen das System Obus am Leben erhalten. Doch es gilt noch einen weiteren Aspekt zu betrachten.

Im Juli 1963 wurde durch Wirtschaftsfunktionäre das Neue Ökonomische System der Planung und Leitung (NÖSPL) beschlossen. Dieses staatliche Programm zur Reform der Planwirtschaft war mit einer Reform der Industriepreise verbunden.

Gelenkbusse waren wirtschaftlicher

Diese sollten sich künftig stärker an den Herstellungskosten eines Produktes orientieren und staatliche Subventionen verringern. Diese Industriepreisreform verteuerte jedoch Material und Fertigprodukte in einem Maße, dass in der ökonomischen Abwägung der Beschaffung von größeren Gelenkbussen der Vorzug gegenüber der Rekonstruktion der Obus-Anlagen gegeben werden musste. Dafür hätte es zu dieser Zeit sowieso keine Kapazitäten gegeben.

Die Bilanzierung einer ausreichenden Anzahl von Ikarus-Gelenkbussen konnte endlich für das Jahr 1969 erfolgen. Nachdem auch der Stadtrat der Ablösung des Obus zugestimmt hatte, wurde als Termin Mitte Juli 1969 festgelegt. Der 11. Juli 1969 war ein Freitag. Er bot die Möglichkeit zu proben, ob die Ersatzbusse ausreichen würden oder ob über das Wochenende noch hätte umdisponiert werden müssen. Im Oktober gelangten die ersten neuen Gelenkbusse in den Verkehr, die Ersatzfahrzeuge wurden entbehrlich. Auch dieser Teil der fast 100-jährigen Kraftverkehrsgeschichte wird in der Obus-Chronik, die im nächsten Jahr erscheinen soll, ausführlich in Wort und Bild behandelt. Eine Arbeitsgruppe der PRG Personen- und Reiseverkehrs Greiz Gesellschaft arbeitet bereits seit drei Jahren daran und hat die Greizer in der Presse bereits im Frühjahr um Unterstützung gebeten. Die Resonanz war überwältigend, wofür sich die Gruppe an dieser Stelle herzlich bedanken möchte. Dennoch werden auch weiterhin Dokumente, Bilder sowie Anekdoten zum Obus und Omnibus in Greiz gesucht. Wer hat so etwas noch auf dem Dachboden? Die Arbeitsgruppe freut sich über jede Kontaktaufnahme.

Meine Meinung: Tobias Schubert über die Rückkehr der Obusse

Kontakte: René Petzold (PRG) 03661/70 65 20 oder geschichte@prg.de

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