Initiative setzt sich für Radweg zwischen Auma und Zeulenroda ein

Auma-Weidatal  Initiative setzt sich für Radweg zwischen Auma und Zeulenroda ein

Wenn Gerd Liebold mit dem Fahrrad zwischen Auma-Weidatal und Zeulenroda-Triebes verkehrt, dann nur mit Warnweste und Helm. Autofahrer sind hier teilweise mit Tempo 100 unterwegs und sehen die Radfahrer oft erst spät. Foto: Norman Börner

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Vor langer Zeit, als die Bäume noch kahler, die Talsperrenbrücke offen und die Straße von Auma nach Zeulenroda stark befahren war, schwang ich mich mit Bürgermeister Frank Schmidt (CDU), Gerd Liebold und Corinna Weiser von der Initiative Radweg Auma Zeulenroda aufs Rad. Ich wollte am eigenen Leib erfahren, wieso der Weg entlang der L 0187 so gefährlich sein soll und warum ein straßenbegleitender Radweg so dringend von Nöten sei. Doch wie es manchmal so ist, wartete ich erst ewig auf eine Antwort vom Thüringer Landesamt für Bau und Verkehr (TLBV) und dann blieben die Notizen und Dokumente lange auf meinem Schreibtisch liegen.

Noch kein Zeitplan für Bau des Radweges

So muss es dem Anliegen für den Bau eines Radweges bei der zuständigen Behörde wohl auch ergangen sein, denken sich bestimmt die Macher der Initiative. „Beim Besuch im Ministerium im vergangenen Herbst hieß es, die Mittel sind da. Die Signale waren sehr positiv“, sagt Bürgermeister Frank Schmidt. Seitdem sei allerdings wenig passiert. Der Antrag liegt beim TLBV. „Eine genaue zeitliche Einordnung des Fortgangs der Bearbeitung des Geh-/Radweges Auma-Zeulenroda ist uns derzeit nicht möglich“, heißt es Mitte Mai seitens der Behörde. Die Behörde soll eine Bedarfsanalyse erstellen. Prüfen, ob eine Benutzung prognostiziert werden kann.

Für Corinna Weiser und Gerd Liebold ist der Fall klar. „Nicht nur jetzt im Sommer wäre ein Radweg ideal, damit Urlauber und Badewillige beispielsweise an die Talsperre fahren können“, sagt Weiser. Laut Radverkehrskonzeptes liegt der Schwerpunkt allerdings in der Förderung des Alltagsradverkehrs. Der Talsperre und ihrer Bedeutung für den Tourismus könnte eine untergeordnete Rolle zukommen. Entlang der Straße sei es vor allem für Kinder und Jugendliche einfach zu gefährlich. „Mein Sohn darf auf dieser Strecke nicht fahren“, sagt Weiser. Ich fühle mich sich reif genug: Am Ortsausgangsschild von Auma Richtung Zeulenroda startet die Tour. Hier würde nach den Vorstellungen der Weg beginnen. Links, zwischen Straße und Acker sei genug Platz, auch wenn der Ankauf von Privatgrundstücken an der Straße nötig sei. Doch da es noch keinen Radweg gibt, geht es am äußersten rechten Rand der Fahrbahn in Richtung Wenigenauma.

Auf dem ersten Teilstück ist die Strecke gut einsehbar. Allerdings lädt die Route die anderen Verkehrsteilnehmer zum Überholen ein. Deshalb drücken die Auto- und Lkw-Fahrer hier ganz schön aufs Gas. Nach der ersten Senke geht es wieder leicht bergauf. Als ungeübter Radfahrer schwenke ich beim Bergauffahren immer mal wieder Richtung Fahrbahnmitte aus. Wenn die Lastwagen nur knapp 1,5 Meter von mir entfernt, an mir vorbeidonnern, rutscht mir das Herz in die Hose. Bevor es ins Tal nach Wenigenauma geht, wechseln wir die Straßenseite und auf einen landwirtschaftlichen Weg.

Auch der Radweg soll nach den Vorstellungen mal hier abbiegen. „So könnten Kosten gespart werden, wenn der Radweg erst nach Wenigenauma wieder beginnt“, sagt Liebold. Auf den Straßen im Ortsteil ist ausreichend Platz und der Weg ist weniger steil als jener entlang der Landstraße außen herum.

So fährt es sich als Radler entlang der L 1087

Richtig haarig wird es allerdings nach der Rückkehr auf die Landesstraße. Die Strecke verläuft jetzt kurvig und hügelig. Wegen der kleinen Waldstücke ist der Bereich hinter den Kurven nur schwer einsehbar. Als Radfahrer, der diese Strecke täglich fahren muss, hätte ich hier kein gutes Gefühl. Schon jetzt nehme ich das Quietschen der Bremsen im Rücken, wenn mich ein Autofahrer kurz hinter den kurvigen Teilen entdeckt, mit einem Zucken zur Kenntnis. Hier passierte schließlich vor gut 14 Jahren jener Unfall, bei der eine australische Radsportlerin tödlich verletzt wurde. Ein Kreuz an dieser Stelle erinnert an den Unfall.

Unterm Strich komme auch ich zu dem Schluss, dass die Strecke für den alltäglich Radverkehr zu gefährlich ist. Doch das reicht dem TLBV bei der Bedarfsanalyse nicht. Sie prüfen, ob davon auszugehen ist, dass ein Geh- und Radweg überhaupt genutzt werde. Die Latten liegen hoch. So würden unter anderem „Grundlagendaten zu räumlicher Lage des Vorhabens, zentralörtlichen Strukturen betroffener und angrenzenden Gemeinden, Einwohner- und Beschäftigtenzahlen, Handels- und Dienstleistungseinrichtungen, Schulstandorten, Freizeiteinrichtungen, Gewerbestandorten, Verkehrsangeboten ÖPNV und zu dem bestehenden Radwegenetz erhoben“, um den Bedarf zu ermitteln.

Bei den Mitgliedern der Initiative zeigt man sich enttäuscht, über den zähen Fortgang. Sobald die Straße nach Zeulenroda wieder offen ist, plane man auf der Strecke eine Raddemo, um den Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Aus dem zuständigen Thüringer Ministerium für Infrastruktur und Landwirtschaft heißt es, dass das Radverkehrskonzept 2.0 vorsehe, dass abweichend von den geltenden technischen Vorgaben, gemeinsame Geh- und Radwege in Partnerschaft zwischen Gemeinde und Land auch dort gebaut werden können, wo der Bau eines Radweges an einer Landesstraße an sich nicht empfohlen wird, weil die Verkehrsstärke und der Anteil des Radverkehrs nicht ausreichen. Das Radverkehrskonzept 2.0 baue demnach eher Hürden ab. Dass es jetzt länger dauert, läge auch am Erfolg des Konzeptes. So lägen im zuständigen Referat in der Region Ost derzeit 13 bestätigte Bedarfsnachweise vor, auf deren Grundlage Rad- und Gehwege geplant und gebaut werden können. Zum Beispiel der Radweg L 1076 Mörsdorf–Quirla und Radweg L 1037 Neustadt–Niedersachswerfen. Eine eingehende Prüfung sei aber notwendig, weil bei circa 3000 Kilometer freier Strecken von Landesstraßen in Thüringen und Kosten von circa 300.000 Euro pro Kilometer Radweg, es auf der Hand läge, dass der Freistaat Radwege nur dort anlegen kann, wo sie entweder nach den technischen Regeln empfohlen werden oder wenigstens sinnvoll sind, weil ein Potenzial für eine spätere Nutzung nachgewiesen wurde.

Sollte es zum Bau des gemeinsamen Geh- und Radweges kommen, würde dieser als Gemeinschaftsmaßnahme erfolgen. Das TLBV wäre Baulastträger für den Anteil des Radverkehrs. Die Städte Auma-Weidatal und Zeulenroda-Triebes müssten die Kosten für den Gehweg tragen.

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